„Am meisten verstörende Website des Internets“: Seite findet jedes existierende Nutzerbild – Der Vormarsch der künstlichen Intelligenz ist wohl nicht mehr aufzuhalten. Schon jetzt stellt sie nicht nur Einzelne, sondern ganze Gruppen von Menschen vor Herausforderungen und mögliche Probleme. Einige davon sind vergleichsweise beängstigend. So gibt es Chat-Bots, die laut einem Medienbericht aus bisher ungeklärten Gründen nukleare Zugangscodes verlangen. Andere wollen, dass Menschen ihre Partner verlassen. Wieder andere fürchten wegen KI um ihren Job. Und dann ist da noch die Website aus diesem Bericht.

Sie nutzt fortgeschrittene künstliche Intelligenz, um Bilder im Internet zu finden. Der Name dieser Seite ist „PimEyes“, wie das Portal „Unilad“ berichtet. Die Bildersuchseite soll die „verstörendste KI-Webseite im Internet“ sein, wie es in Nutzerkommentaren online heißt. Das System funktioniert folgendermaßen: Man füttert die Seite mit einem Foto von sich selbst. Die künstliche Intelligenz sucht dann selbstständig nach jedem anderen Bild von einem selbst, das online zu finden ist.

Das Resultat:

Die Nutzer können jede Website finden, auf der ein Bild von ihnen existiert. Es ist nicht überraschend, dass ein solches Konzept Kritik hervorruft. Während die einen darin eine gute Möglichkeit sehen, Personen oder Websites ausfindig zu machen, die ihre Bilder unrechtmäßig verwenden, wird die Seite beispielsweise auf Twitter von jemandem als „Traum eines Stalkers“ bezeichnet. Die Seite wurde von einem „Unilad“-Redakteur namens Joe Harker getestet. Er beschreibt die Bildsuchfunktion von „PimEyes“ als „beeindruckend schnell“.

Er verwendete ein Webcam-Foto von sich selbst und nur die kostenlose Vorlage der Suchseite. Sie habe sofort acht Bilder ausgegeben. Doch nur zwei der acht Bilder zeigten Harker zufolge sein Gesicht – die anderen sechs waren von Personen mit ähnlichen Gesichtszügen wie Augenbrauen und Bart. Dennoch zeigte sich der Redakteur beeindruckt: Die KI von „PimEyes“ habe nur drei Sekunden gebraucht, um die beiden Bilder zu finden – und das mit der kostenlosen Version.

Haken an der kostenlosen Variante:

Die Nutzer erfahren nicht, aus welcher Quelle die gefundenen Bilder stammen. Wer aber in die Tasche greift, erhält nicht nur die Fotos, sondern auch klickbare Links zu den jeweiligen Webseiten, auf denen das eigene Bild auftaucht. Auf Twitter bezeichnete jemand die Seite als „verstörend, aber auch extrem wertvoll“. Sie habe ihm geholfen, „herauszufinden, wer mein Gesicht ohne meine Zustimmung verwendet hat“. Dadurch, so der Nutzer, könne er diese Websites anschreiben und sie zwingen, die unrechtmäßig verwendeten Bilder zu entfernen.

Andere bestätigten dies und gaben an, sogar Kinderfotos von sich im Alter von neun Jahren hochgeladen zu haben. Mit ihrer Hilfe sei es jedoch gelungen, die Fotos im heutigen Erwachsenenalter online aufzuspüren und korrekt zu identifizieren. Einige Nutzer sahen in dieser Funktion insbesondere einen Nutzen für behördliche Ermittler oder Familienangehörige: Verschwundene oder entführte Kinder könnten so noch Jahrzehnte später als Erwachsene im Netz gefunden werden, um Gewissheit über ihr Schicksal zu erlangen. 

Eine Nutzerin lud ein erwachsenes Bild von sich hoch:

Sie erhielt von „PimEyes“ ein Kinderfoto aus dem Netz, auf dem sie zehn Jahre alt war. Gegen solche Bildersuchen kann man sich auf dem Portal schützen, wenn man nicht gefunden werden will. Dazu muss man „PimEyes“ allerdings einen Scan des eigenen Personalausweises oder Reisepasses zur Verfügung stellen, um nachzuweisen, dass man selbst eine Ausnahme von der Sperrliste wünscht. Datenschutzrechtliche Fragen dürften sich bei diesem Verfahren praktisch von selbst stellen.

In einem Video-Interview von „Vice“, welches nachfolgend zu finden ist, spricht eine Betroffene von „Nötigung“. Der damalige „PimEyes“-CEO Giorgio Gobronidze widerspricht, nennt die Seite eines der „besten Online-Tools für gewöhnliche Leute, etwas über ihre Online-Präsenz zu erfahren.“ Man darf gespannt sein, wie sich die Sachlage und die juristischen Fragen in dieser Hinsicht entwickeln.

Quelle: unilad.com