Das ist gut: 

Ein Nintendo-Spiel zu zocken ist immer ein bisschen so, als kehre man in sein Kinderzimmer von früher zurück. Aber „Yoshi‘s Crafted World“ treibt das Ganze auf die Spitze. Die gesamte Spielwelt ist nämlich komplett aus haushaltsüblichen Materialien und allerlei Krempel gestaltet worden, mit dem ihr in jungen Jahren garantiert selber gebastelt habt. Aus Dosen, Klorollen, Strohhalmen und Knöpfen werden kleine Städte, dichte Wälder oder Züge, und als wäre das an sich nicht schon faszinierend genug, dürft ihr die einzelnen Level sogar rückseitig abermals durchqueren, wobei sich offenbart, WIE die Pappgebilde konstruiert sind.

Einfach irre, wie konsequent die Macher des Spiels dieses Konzept durchgezogen haben. Nachdem ihr das Spiel gezockt habt, werdet ihr beim Blick in eure Regale, Kühlschränke, Schubladen und auch in den Müll wohl alles finden, was für einen Nachbau der Level nötig ist. Wir freuen uns jetzt schon auf entsprechende Videos von Bastlern auf YouTube.

Das alles nützt freilich nichts, wenn das Spiel nichts kann, aber um es kurz zu machen: Yoshi weiß auch in Sachen Gameplay voll zu überzeugen. Zumal der Schwierigkeitsgrad im Gegensatz zum arg weichgespülten Vorgänger spürbar angezogen hat. Knackige Sprungpassagen im Stile eines Mario erwarten euch zwar auch in der Crafted World nicht, aber speziell mit dem Aufspüren der vielen versteckten Sammelgegenstände werdet ihr lange beschäftigt sein.

Theoretisch ließe sich das Spiel innerhalb weniger Stunden durchqueren. Aber erst wenn man sich gezielt auf die Suche nach allen, teils knifflig in den Papp-Kulissen versteckten, Grinseblumen, roten Münzen, Souvenirs und Schnuffelwelpen macht, entfaltet sich die Faszination der Machart des Spieles vollends. Alle Nase lang stoßt ihr bei euren Erkundungstouren auf witzige Details oder originelle Ideen, welche das Spiel bis zum Ende frisch halten. 

Zuweilen wechselt ihr in den 2,5-D-Dioramen dazu die Ebene, wandert in den Hinter- oder Vordergrund des Bildschirms, und meist müsst ihr irgendetwas mit Eiern treffen. In jene verwandeln sich gefressene Gegner nämlich und lassen sich dergestalt fortan als Geschosse missbrauchen, mit denen ihr Zugbrücken auslöst, Feinde erledigt oder die Kulisse zerlegt. Abgesehen von einigen Bonus-Aufgaben alles ohne Zeitdruck und mit reichlich Lebensenergie.

Wer mag, stülpt seinem Yoshi zudem eines der vielen ulkigen Kostüme über, die ihr euch mit erspielten Münzen aus den in jeder Welt aufgestellten Automaten zieht. Als Labo-Klavier oder Papp-Kahn verkleidet seht ihr dann nicht nur knuddeliger aus, sondern könnt auch mehr einstecken. Wirklich spielentscheidend ist dies aber nicht.