Es ist eine Schande, dass die langlebige Yakuza-Reihe in unseren Breitengraden kaum Aufmerksamkeit genießt. Immerhin umfasst das Nippon-Gangster-Epos neben diverser Spin-Offs mittlerweile sechs Hauptteile und erfreut sich in Fernost nicht umsonst einer breiten Fangemeinde. Im Hause Sega ist man verständlicherweise der gleichen Meinung, weshalb man uns Anfang des Jahres den Einstieg in die komplexe Serie mit dem Prequel 'Yakuza 0' schmackhaft machen wollte. Jenes reichte die Vorgeschichte zum ursprünglich auf der Playstation 2 erschienenen ersten Teil der Reihe nach, dem jetzt mit 'Yakuza Kiwami' eine aufwändig produzierte Remaster-Version zuteil wurde. Wie aufwändig, verrät euch unser Test.

Darum geht's:

Hauptfigur des Open-World-Action-Adventures ist der begabte Kämpfer Kazuma Kiryu, ein angesehenes Mitglied einer weitverzweigten Gangster-Familie. Als dessen bester Freund aus der Not heraus seinen Boss ermordet, nimmt Kiryu die Schuld auf sich und fristet die nächsten zehn Jahre im Gefängnis. Wieder auf freiem Fuß muss er feststellen, dass nicht nur seine kämpferischen Fähigkeiten eingerostet sind, sondern auch sein einstiger Kumpel, der sich mittlerweile zum Kopf einer Familie aufgeschwungen hat, ihm alles andere als wohlgesonnen ist. Zu allem Überfluss gilt Kiryus Freundin als vermisst – und dann wäre da noch deren Nichte, die seines Schutzes bedarf.

Neben dieser zugegebenermaßen nicht unbedingt originellen Ganovengeschichte steht es euch frei, wie ihr eure Zeit im lebhaften Kamurocho (einer Nachbildung des Tokioter Rotlicht-Bezirkes Kabukicho) verbringt. An Freizeitbeschäftigungen und Nebenaufträgen mangelt es wahrlich nicht. Versucht euch in der SEGA-Arcade am UFO-Catcher, spielt eine Runde Dart oder Billard, sammelt Karten für das skurille Wrestling-Spiel "Battle Bug Beauties: MesuKing", beeindruckt das Publikum beim Karaoke, vergnügt euch mit Hostessen oder rettet arglose Passanten vor zwielichtigen Gestalten, indem ihr diese zu Klump prügelt.

Das ist gut:

Auch wenn Kiryu ehrbare Motive und eine gut funktionierende Moral für sich verbuchen kann, sind seine Fäuste am Ende stets seine besten Argumente. Für das Remake wurde das Kampfsystem den aktuelleren Teilen angepasst, so dass ihr im Zuge der vielen Auseinandersetzungen jederzeit durch vier verschiedene Kampfstile wechseln könnt, deren Move-Palette sich durch gesammelte Erfahrungspunkte noch immens erweitern lässt. Auch Waffen und diverses Levelinventar kommen in den brachialen Prügeleien zum Einsatz.

Kenner des Originals freuen sich ferner über ganze 30 Minuten neuer Zwischensequenzen, welche die Beweggründe der Figuren beleuchten. Um die darstellerische Qualität zu erhöhen, wurden eigens für das Remake sämtliche Tonspuren in Japanisch neu eingesprochen. Schön auch, dass wir nun deutlich häufiger auf den durchgeknallten Augenklappenträger und Fan-Liebling Majima treffen, der sich uns alle Nase lang mit einer Herausforderung in den Weg stellt. Mal möchte er mit uns kämpfen (wodurch wir neue Moves erlernen), mal sich im Zuge eines der vielen Mini-Spiele mit uns messen.

Und dann wäre da noch die aufgebohrte Grafik, die weit mehr ist, als ein schnödes HD-Make-up! Kamurocho erstrahlt in knackigen 1080p bei butterweichen 60 Bildern pro Sekunde, erfreut das Auge mit fantastischen Lichteffekten und einer Detailfülle, die eine Ahnung davon vermitteln, wie viel Herzblut die Entwickler in dieses Spiel gesteckt haben. Zwar offenbaren angestaubte Animationen das Alter von nun mehr über zehn Jahren, doch auf den ersten und auch zweiten Blick könnte 'Yakuza Kiwami' in technischer Hinsicht ein brandneues Spiel sein.

Das ist schlecht:

Die frische japanische Tonspur passt zum Spiel wie Kiryus Faust auf Majimas Auge, um diese zu verstehen, werden jedoch lediglich englische Untertitel angeboten. Das dürfte es vielen Spielern deutlich erschweren, Zugang zu der Reihe zu bekommen, was angesichts des betriebenen Aufwandes schade ist. Allerdings sollte man ohnehin eine gehörige Portion Japan-Affinität mitbringen, um all die humoristischen Einlagen nicht als dämlichen Klamauk wahrzunehmen. Denn 'Yakuza Kiwami' bildet japanische Gepflogenheiten recht genau nach, so dass ein westlich geprägtes Gemüt einen Kulturschock erleiden könnte.

Des Weiteren hatten wir den Eindruck, dass die Kämpfe als wichtiger Bestandteil des Spieles durch die Modernisierung etwas an Biss verloren haben. Denn im Gegensatz zu Kiryu haben die Gegner kaum dazugelernt, so dass wir uns bald deutlich überlegen fühlten und die Kämpfe durch simples Button-Mashing zu gewinnen waren.

Nun könnte man zu guter Letzt noch bemängeln, dass 'Yakuza Kiwami' im Vergleich zu seinen Nachfolgern eher kurz ausfällt. Allerdings könnt ihr euch immer noch für locker 30 – 50 Stunden in Kamurocho vergnügen, was angesichts eines Preises von unter 40 Euro wohl mehr als genug sein dürfte.

'Yakuza Kiwami' ist ab sofort für Playstation 4 erhältlich!

So gut wie neu! Der Mix aus Open-World-Adventure und Prügelspiel bleibt seinen alten Tugenden treu und erlebt dank der fantastischen Grafik, der kompletten Neuvertonung und zig frischen Details einen verdienten zweiten Frühling. Wer sich an den fehlenden deutschen Untertitel nicht stört, findet hier den idealen Einstieg in die Yakuza-Reihe.