Im diesjährigen Kader der Sportspiele fehlte eigentlich nur noch Wrestling. Mit „WWE 2K18“ ist der Roster aber nun endlich komplett und ihr dürft es im heimischen Wohnzimmer wieder so richtig schön krachen lassen. Star auf dem Cover ist diesmal Seth Rollins. Stellt sich nur die Frage, ob sich die Anschaffung für Besitzer des Vorgängers darüber hinaus lohnt.

Darum geht’s:

Erwartungsgemäß handelt es sich bei „WWE 2K18“ eher um ein umfangreiches Update als um ein wirklich neues Spiel. Angesichts der vielen Stärken des Vorgängers ist das aber freilich nicht unbedingt was Schlechtes. Denn nur hier wird euch der große WWE-Zirkus geboten. Was aber natürlich auch daran liegt, dass es sich dabei um das einzige Spiel mit offizieller Lizenz handelt.

Dank dieser tobt euch mit den kompletten Rostern von Smackdown, Raw und NXT in schnellen One-Fall-Matches, Tag-Team-Fights, Tables- oder Ladder-Matches oder auch Hell-in-a-Cell-Matchups aus und spielt Legenden vom Schlage eines André the Giant oder Bret Hart frei. Wer etwas mehr Fleisch auf dem Teller braucht, versucht sich an der Karriere und führt seinen selbsterstellten Charakter in die Hall of Fame. Profis präsentieren sich indes der Welt im Online-Modus „Road to Glory“ und erkämpfen sich im besten Fall einen Platz für ein Pay-Per-View Event.

Das ist gut:

An Umfang mangelt es folglich nicht und auch die Präsentation macht mit einer ganzen Menge TV-Charme ordentlich was her. Stellt ihr den Blick ein wenig unscharf, könnte die individuelle Inszenierung der Ring-Entrances ebenso gut auch im Fernsehen zu sehen sein. Die (meisten) Charaktermodelle und typischen Moves sind den realen Stars gut nachempfunden, und auch das Publikum wirkt nun weit weniger generisch und macht mittlerweile ordentlich Stimmung gegen Heels oder eben für Faces. Selbst die Kommentatoren haben fleißig Hausaufgaben gemacht.

Das flüssige Kampfsystem bleibt sich im Wesentlichen treu, vereinfacht lediglich hier in Sachen Submission und bietet dort neue Reversals und Finisher. Spektakuläre Kamerafahrten inklusive. Kenner der Vorgänger sollten jedoch nie zu siegesgewiss in den Ring steigen. Denn zum einen ist die K.I. erstaunlich fit und zum anderen müsst ihr stets damit rechnen, dass ein Manager oder Superstar ins Kampfgeschehen eingreift.

Beim Erstellen eures eigenen Charakters habt ihr neben zig optischen Attributen nun auch die Möglichkeit, den grundsätzlichen Kämpfertyp festzulegen. Seid ihr eher ein Highflyer oder spielt doch lieber einen Powerhouse? Wie auch immer ihr euch letztlich entscheidet, werdet ihr Zeit investieren müssen, um Erfahrungspunkte zu sammeln. Denn ohne diese lassen sich die Attribute nicht steigern. Zu bedenken ist außerdem, dass jedem Kämpfer natürliche Grenzen gesetzt sind. Ein sehr großer und schwerer Wrestler wird nun mal nie so schnell werden wie ein vergleichsweise schmaler Charakter, dem es dafür aber wiederum an Stärke mangelt.

Das ist schlecht:    

Klingt eigentlich nach einer spannenden Karriere. Allerdings begeht Entwickler Yuke’s abermals den Fauxpas, den Wrestlern keine Stimme zu verleihen. Das hat uns im letzten Jahr genervt und auch diesmal tun eingeblendete Textzeilen dem an sich doch so wortgewaltigen Wrestling-Spektakel einen herben atmosphärischen Abbruch. Auch wenn es eine nette Idee ist, den Backstage-Bereich als kleine Open-World zu gestalten, scheitert diese letztlich an der halbgaren Umsetzung, die niemals auch nur annähend die Klasse eines „NBA 2K18“ erreicht.

Optisch trüben zudem auch in diesem Jahr mäßige Animationen, abgehakte Übergange zwischen den Moves und diverse Clipping-Fehler das ansonsten stimmige Gesamtbild. Zudem sind leider ausgerechnet die legendären Altstars teils kaum als solche zu erkennen.

Am Ende bleibt also wieder das Gefühl, dass deutlich mehr drin sein könnte, wenn die Entwickler offener dafür wären, endlich ein paar Altlasten zu entsorgen und vor allem in Sachen saubere Technik mal ordentlich den Hof zu kehren.

"WWE 2K18" ist ab sofort für Playstation 4, Xbox One, Nintendo Switch und PC erhältlich!

Solide Wrestling-Versoftung mit enormem Umfang, aber wenig TV-Atmosphäre. Wer mit dem Pad in der Hand an dem Wrestling-Spektakel teilnehmen möchte, wird mit "WWE 2K18" mehr als gut bedient. Leider müht sich der Titel immer noch mit unnötigen Altlasten ab, die Entwickler Yuke’s wieder einmal zu entsorgen verpasst hat. Und der Karriere-Modus, mit seiner fehlenden Synchronisation und lieblosen Umsetzung, ist eher ein Tiefschlag für jeden Fan. Dies muss sich im nächsten Jahr ändern, sonst erwartet "WWE 2K19" eine Disqualifikation!