Wir würden jetzt nicht unbedingt unseren knappen Sportfummel darauf verwetten, aber es ist durchaus möglich, dass WWE 2K16 die erste Wrestling-Simulation überhaupt ist, die ohne die Ikone des Showsports schlechthin auskommt: Nämlich ohne den nach rassistischen Äußerungen in Ungnade gefallenen Hulk Hogan. Was für Alleinstellungsmerkmale das Spiel sonst noch so bietet, erfahrt ihr im Test.

Darum geht's:

Nachdem der Vorgänger WWE 2K15 beim Einmarsch auf die neue Konsolengeneration von den Fans nicht unbedingt willkommen geheißen wurde, legen die Macher nun ordentlich nach. Mittlerweile sind wieder so ziemlich alle Modi mit an Bord, die man sich so vorstellen kann: einfache 1-zu-1-Matches in allen möglichen Varianten on- wie offline, eine ausführliche Karriere, der Universe-Mode für Leute, die wirklich alles in die eigene Hand nehmen wollen, entsprechend potente Editoren und natürlich der allseits beliebte 2K Showcase. Letzterer bezieht sich diesmal auf die Karriere des Covergesichtes „Stone Cold“ Steve Austin. Weitere Showcases sollen aber via DLC nachgeliefert werden. Des Weiteren wurde am Gameplay geschraubt, welches durch den einfachen Kniff, die Anzahl der möglichen Konter zu begrenzen, nun deutlich taktischer und flüssiger daherkommt. Mit über 120 Recken wird außerdem der bisher größte Roster in der Seriengeschichte geboten.

Das ist gut:

Wie bereits erwähnt, fangen die Kämpfe dank der dringend benötigten Änderungen die Dynamik des Sportes nun deutlich besser ein. Dadurch, dass jedem Kämpfer nur eine begrenzte Anzahl an Kontern zur Verfügung steht, die sich wie die Ausdauer nach einiger Zeit aber wieder aufladen, verkommt das Spiel nicht mehr zur öden Konterschlacht, und das im Vorgänger eingeführte Ketten-Wrestling ist bei weitem nicht mehr so dominant. Zwar wird man immer noch von den dezent nervigen Submission-Minispielen gepiesackt, doch angesichts des spielerischen Gesamtpaketes fällt das nicht mehr so sehr ins Gewicht.



Ganz besonders nachgebessert hat man in Sachen Karriere. Endlich darf man selber beeinflussen, ob man zu den Guten (Faces) oder den Bösen (Heels) gehören möchte, indem man in den Interviews zwischendurch entsprechende Antworten gibt, oder seine Rivalen sogar hinterrücks attackiert und damit eine Fehde auslöst. Auf dem Weg von ganz unten nach ganz oben dürft ihr euch zudem mit der Authority verbrüdern, oder eben dagegen aufbegehren.

Wer keine Lust auf eine eigene Geschichte hat, widmet sich dem wieder mal sehr gelungenen und aufwändig inszenierten Showcase, und spielt ein Stück Wrestling-Geschichte nach. Auch diesmal funktioniert die Mischung aus Spielgrafik und real gefilmten Sequenzen ganz wunderbar, so dass wir sehr gespannt sind, welche Showcases da noch kommen mögen.

Das ist schlecht:

Über 120 Wrestler klingt zunächst einmal mächtig, allerdings muss dazu gesagt werden, dass viele davon in mehreren Ausführungen daherkommen. Das ist angesichts des schieren Umfanges zwar zu verschmerzen, allerdings fehlt dennoch so manch bekanntes Gesicht. Außerdem sind einige der vertretenen Damen und Herren kaum zu erkennen. Während die ganz Großen, wie zum Beispiel ein John Cena, ihren Vorbildern zum Verwechseln ähnlich sehen, werdet ihr bei anderen, weniger prominenten Namen, mehrmals hinschauen müssen, um die falschen Proportionen ihrem Original zuordnen zu können. Auch die Kommentatoren Jerry Lawler, JBL und Michael Cole hätten etwas mehr digitale Bildhauerei verdient, wo sie doch schon – abgesehen von Showcase natürlich – mit den immer gleichen Sprüchen in der Endlosschleife nerven. Der Hauptkritikpunkt ist und bleibt aber auch in diesem Jahr leider wieder die optische Qualität des Spiels, die gerade gegen andere Sportspiele wie NBA 2K16 gewaltig abstinkt und eher veraltet wirkt. Hier sollte im nächsten Jahr dringend eine Grundsanierung her, damit man es auch weiterhin in den Mainevent schafft.

Großer Umfang, tolle Atmosphäre und verbesserte Spielbarkeit: Entwickler Yuke's nimmt sich die Kritik des Vorjahres zu Herzen und liefert die beste Wrestlingsimulation seit langem ab. Trotz grafischer Schwächen kommt man als Fan nicht um WWE 2K16 herum und auch für Neulinge bietet dieses Rundumsorglospaket eine Menge Spielspaß.