Von den einen belächelt, von den anderen geliebt, ist Wrestling ein Sport, dem man einfach nicht böse sein kann. Zwar nicht mehr so präsent wie noch in den 90ern, ist  der Aufmarsch der muskulösen Diven immerhin in das deutsche Free-TV-Programm zurückgekehrt. Und auch auf Konsolen geht die Daily Soap des Mannes in die nächste Runde.

Darum geht's

Mit WWE 2k15 vollzieht Stammentwickler Yuke's den Sprung in die nächste Konsolengeneration und ließ sich dabei von den NBA-Könnern Visual Concepts tatkräftig unter die Arme greifen, die schließlich ebenfalls unter der Flagge des gemeinsamen Publishers 2K Sports segeln. Und wie das bei einem Aufstieg in die nächsthöhere Klasse nun mal so ist, wird zunächst einmal die Grafik ordentlich aufgebohrt. Am Spielprinzip wurde indes weniger geschraubt, und das ist wörtlich zu nehmen. Durfte man im Vorgänger noch mit gut 90 Recken in den Ring steigen, sind es nunmehr bloß noch 63 männliche und auch ein paar weibliche Wrestler. Ihr messt euch in den üblichen Spielvarianten, was vom einfachen One Fall Match, über Steel-Cage-Matches bis hin zum Royal-Rumble-Turnier reicht. Auch Tag Teams sind natürlich möglich. Auch wieder mit im Boot: der beliebte Universe Mode, in welchem ihr als General Manager die Geschicke der WWE in die eigenen Hände nehmt und in Eigenregie über die Rivalitäten der Kämpfer entscheidet. Der 2K-Showcase-Modus, welcher uns im letzten Jahr 30 grandiose Jahre der Wrestlemania-Geschichte nachspielen ließ, wurde auf lediglich zwei Fehden eingedampft, jene zwischen CM Punk und John Cena und die zwischen Shawn Michaels und Triple H.

Das ist gut

Bessere Grafik ist immer gut! Zwar dümpelt man im Hause Yuke's nach wie vor mit einer mittlerweile löchrigen Engine über die WWE-Ozeane, dennoch ist der Sprung in die nächste Generation mit höher aufgelösten Kämpfern und vor allem deutlich mehr Publikum ansehnlich zelebriert worden. Im nächsten Jahr werden wir diesen Punkt allerdings nicht so gönnerhaft bewerten, da wollen wir deutlich mehr sehen! Das Kampfsystem flutscht nach wie vor und ermöglich geschmeidige Manöver und endlich auch ein Kontersystem, das Anfängern ebenfalls eine Chance lässt, die nicht über katzenhafte Reflexe verfügen. Des Weiteren steht die gut eingefangene Soundkulisse auf der Habenseite. Selbst dem Kommentatorenduo gelingt es, euch nicht sonderlich auf die Nerven zu gehen. Und natürlich sind die Showcases mit original Filmschnipseln, Interviews und viel Pipapo toll in Szene gesetzt und durchaus spaßig …

Das ist schlecht

… Aber warum zur Hölle nur zwei Fehden, nachdem man im letzten Jahr, auf den alten Konsolen wohlgemerkt, mit den grandiosen '30 Years of WrestleMania' so dermaßen vorgelegt hat? Na ja, und was die Grafik betrifft, üben wir auch noch mal. Wenn wir vorhin von 'löchrig' sprachen, meinen wir damit die schwankende Qualität in der Gestaltung der Figuren. Während ein Teil der Garde wirklich sehr gut getroffen wurde, lässt sich so mancher Wrestler nur mit Humor als sein reales Vorbild erkennen. Peinlich, peinlich. Und geisterhaft schwebende oder rotierende Stühle haben wir so im TV auch noch nicht gesehen. Zudem hielt Yuke's es offenbar für nötig, Minispiele einzubauen, welche das Kampfgeschehen letztlich aber bloß ausbremsen. Der Ansatz, Neuerungen bieten zu wollen, ist ja durchaus lobenswert, allerdings hätte man, was das betrifft, die Ressourcen sicherlich besser nutzen können. Schade auch, da die Hilfe von Visual Concepts sich offenbar nicht auf die Inszenierung des Karriere-Modus ausgewirkt hat. Der kommt immer noch extrem dröge daher, was umso enttäuschender ist, wenn man sich das grandiose letzte Werk der NBA-Profis anschaut. Aber man hat ja jetzt wieder ein Jahr Zeit, und das will natürlich gefüllt werden.

Der Sprung in die nächste Generation beschert der WWE-Reihe in erster Linie bessere Grafik. Bei der Auswahl der Wrestler und den Showcases wurde dagegen unverständlicherweise gegeizt. Dennoch: Ein besseres Wrestling-Spiel werdet ihr nicht finden.