Das ist gut:

Wer mit Arkanes Vorzeige-Reihe „Dishonored“ vertraut ist, erkennt sofort deren Spuren im von den vorangegangenen Wolfensteinen gelegten Fundament. Erstmalig dürft ihr euch nämlich frei in weiträumig und offen angelegten Arealen bewegen, welche die Levelschläuche der bewusst gradlinigen Vorgänger ersetzen. Damit wird „Wolfenstein – Youngblood“ zwar noch lange nicht zu einem Open-World-Shooter, die neu gewonnene Bewegungsfreiheit trägt aber viele dazu bei, den gewohnt knackigen Schusswechseln neue Dynamik zu verleihen.

Ihr rutscht durch enge Öffnungen in Deckungen, katapultiert euch mit mächtigen Doppelsprüngen durch offene Fenster und verschafft euch eine bessere Position, oder umgeht den Feind dank Tarnvorrichtung weiträumig und fallt ihm in den Rücken. Wichtig bei alledem ist, dass ihr nie alleine seid. Ob nun mit einem menschlichen Mitspieler via Internet (einen Splitscreen gibt es nicht) oder aber mit der glücklicherweise ausreichend clever agierenden KI, ihr jagt stets im Rudel.

Die dadurch ermöglichten gezielten Flankenmanöver, welche dem eher gradlinigen alten Wolfenstein-Spielgefühl ganze neue taktische Facetten verleihen, gelingen aber natürlich nur mit einem eingespielten Kumpel an eurer Seite. In solchen Momenten dreht „Youngblood“ erst so richtig auf und man fragt sich, warum man nicht schon längst gemeinsam auf Nazijagd gehen konnte. Cool finden wir dabei übrigens die Idee, sich gegenseitig Handzeichen geben zu können, die euch vorübergehende Buffs, wie zum Beispiel einen Rüstungsschub verleihen.

Des Weiteren wurde das Gameplay um eine Prise RPG angereichert. Ihr sammelt Erfahrungs- und Fertigkeitspunkte, die euch im Laufe des Spieles nicht nur stärker und widerstandsfähiger werden lassen, sondern auch euer Bewegungsrepertoire erweitern. Mit gesammelten Münzen wiederum verbessert ihr eure Waffen, weshalb es sich lohnt, die weitläufigen Areale genau abzusuchen.

Und das macht man doch gerne, wenn das besetzte Paris so schick in Szene gesetzt wurde und dabei mit vielen kleinen Details die faschistoid pervertierte 80er-Jahre-Stimmung so gekonnt zynisch rüberbringt. Schön auch, dass man sich auf der Playstation 4 Pro und auf der Xbox One X für eine dynamische Auflösung entscheiden kann, um Paris mit 60 Bildern pro Sekunde butterweich zu befreien. Auflösungsbedingt punktet Microsofts Flaggschiff im direkten Grafikvergleich vor allem auf Distanz mit etwas schärferen Konturen.

„Wolfenstein – Youngblood“ erscheint in Deutschland neben der gängigen Variante, die wie gehabt auf Nazisymbole und Begrifflichkeiten verzichtet, auch noch in einer internationalen Version, die inhaltlich unverändert, sprich mit Hakenkreuzen und Hitler, daherkommt. Allerdings müsst ihr bei letzter auf deutsche Sprachausgabe verzichten. Der Gewaltgrad ist in beiden Fällen identisch.