Als der wohl bekannteste Pole der Spielgeschichte, B.J. Blazkowicz, 1981 das erste Mal auf Nazijagd ging, hätte vermutlich keiner gedacht, dass aus dem sympathischen Schleich-Shooter elf Jahre später eine der wohl bekanntesten Egoshooter-Marken hervorgehen würde. Wolfenstein 3D schlug ein wie eine Bombe, knallte die Blaupause für ein neues Genre auf den Tisch und übt sich dennoch in Bescheidenheit. Denn Wolfenstein: The New Order ist gerade mal der dritte Nachfolger in einem Zeitraum von über 20 Jahren.

Darum geht's

Besagter Herr Blaskowicz ist Soldat im Dienste der Vereinigten Staaten und verdient sich seine Sporen als äußerst effektiver Nazikiller im Zweiten Weltkrieg. Doch die Faschisten erweisen sich während einer Offensive als äußerst wehrhaft und gut ausgerüstet, so dass B.J. in Gefangenschaft gerät. Zwar kann der Quadratschädel daraufhin fliehen, fällt allerdings unglücklich auf selbigen und deshalb ins Koma. 14 Jahre später kommt er in einer Nervenklinik wieder zu Bewusstsein und muss feststellen, dass das Regime den Krieg gewonnen hat. „So nicht!“, denkt sich Blaskowicz und macht sich übellaunig auf den Weg, den Widerstand aufzuspüren.

Das ist gut

Wolfenstein:The New Order ist ein Shooter der alten Schule. Zwar wird der Evolution des Genres mit verhältnismäßig weitläufigen Leveln und einer klugen Mechanik zum aus der Deckung lehnen Rechnung getragen, doch wer mit Titeln wie Duke Nukem und Doom großgeworden ist, der fühlt sich ab dem ersten Schusswechsel an selige Zeiten erinnert. Es dauert nicht lang, und man ballert sich mit zwei Maschinengewehren in den Händen durch die Gegnerhorden, als wären keine 20 Jahre vergangen. Schleichen ist allerdings ausdrücklich erwünscht, und macht sogar strategisch Sinn: Schaltet ihr nämlich heimlich, still und leise mit eurem Messer die Kommandanten der gegnerischen Truppen aus, können diese keine Verstärkung mehr anfordern. Zudem werden versteckte Geheimnisse auf der Karte offenbart.
Insofern ist The New Order trotz seines direkten Ansatzes kein stumpfes Geballere, sondern ermöglicht nicht zuletzt aufgrund der cleveren KI spannende und äußerst spaßige Gefechte, die sich richtig gut anfühlen. Je nachdem wie ihr spielt, schaltet ihr einem Rollenspiel ähnlich zudem sogenannte 'Vorteile' frei, die euch dauerhafte Verbesserungen gewähren. Wer zum Beispiel oft genug Nazis mit dem Messer meuchelt, darf dieses bald auch werfen.
Nun ist die Geschichte zugegebenermaßen inhaltlich keinen Oskar wert, legt aber im Spielverlauf an Dramatik zu und wird mit professionell inszenierten Zwischensequenzen sehr ansprechend präsentiert, die glücklicherweise auch in der deutschen Version von großartigen Sprechern getragen werden. Ein besonderes Lob verdienen die vielen versteckten Gimmicks, unter anderem das Original Wolfenstein 3D in einer Traumsequenz. Dafür ein fettes Dankeschön an die Macher!

Das ist schlecht

Wenn man sagt, ein Shooter sei Oldschool, dann meint man auch damit, dass es nötig ist, Medipacks zu sammeln. Zwar regeneriert Blaskowicz einen kleinen Teil seiner Energie automatisch, dennoch werdet ihr nicht drum herum kommen, in den Leveln Ausschau nach lebensspendender Nahrung zu halten. Das dürfte nicht jedem gefallen. Erst recht nicht unserer verwöhnten Jugend, die es gewohnt ist, faul hinter der Deckung zu lümmeln, bis alles wieder im grünen Bereich ist. Gleiches gilt für die Suche nach Munition, womit wir beim größten Kritikpunkt wären: Eingesammelt wird ausschließlich auf Knopfdruck, selbst wenn es sich um eine Handvoll Patronen handelt. Das bremst die Spieldynamik leider aus und gestaltet sich auf Dauer etwas mühselig. Also liebe Entwickler: Beim nächsten Mal sollte einfaches Drüberlaufen ausreichen.
Optisch macht das Spiel zwar durchaus etwas her, allerdings auch nur, da wir noch die Grafik der alten Konsolen im Kopf haben. Um als wahrer Next-Gen-Titel zu gelten, reicht es nicht aus. Aber so ist es ja nun mal, wenn Spiele, die für die alte Generation entwickelt wurden, auf PS4 und XBOX One gehievt werden: Schick, aber nicht spektakulär. Solltet ihr im Besitz beider Next-Gen-Daddelkisten sein, ist es übrigens egal, für welche Version ihr euch entscheidet. Grafisch konnten wir keinen Unterschied feststellen.

Herrlich nostalgischer Shooter mit großem Namen im modernen Gewand. The New Order macht so gut wie alles richtig, fühlt sich verdammt gut an, klingt verdammt gut, dürfte auf den Next-Gen-Kisten aber gerne noch besser aussehen. Dennoch ein absoluter Pflichtkauf für alle, die mit Doom und dem Duke aufgewachsen sind.