„Feuer frei!“ Die letzten Worte, die ein heftig angeschlagener B.J. Blazkowicz in sein Headset haucht, nachdem wir ihn seinerzeit in 'Wolfenstein: The New Order' durch ein schweißtreibendes Abenteuer voller Blei und Nazis begleitet haben. Ob der Mann, den seine Feinde „Terror-Billy“ nennen, am Ende des Spieles nun stirbt oder nicht, blieb hinter dem Schleier des Abspannes verborgen. Aber wir haben gute Nachrichten für euch: Auf der Gamescom durften wir uns persönlich davon überzeugen, dass Blazkowicz ein weiteres Mal davongekommen ist und es ihm den Umständen entsprechend gut geht. Der Knabe ist zwar hart, aber nicht unzerstörbar. Und so beginnen wir die erste von zwei spielbaren Missionen im Rollstuhl.

Dass wir uns dann auch noch ausgerechnet unter Deck eines Schiffes unserer Haut erwehren müssen, macht die Sache mit der Bewegungsfreiheit natürlich nicht einfacher. Doch was jetzt vielleicht nervig klingen mag, entpuppt sich als der eigentliche Clou eines clever designten Levels, im Zuge dessen wir den angeschlagenen Protagnisten nach und nach an sämtlichen Hindernissen vorbeilotsen müssen, um einen Weg nach oben zu finden.

Daneben ballern wir uns entweder unseren Weg frei, rollen leise an Gegner heran, um diese heimlich still und Leise auszuschalten, oder bedienen uns an festgelegten Stellen platzierter Mikrowellen-Fallen, die unachtsame Feinde zu Partikeln verdampfen. Das ganze Geschehen läuft dabei so flüssig über den Screen, dass uns am Ende selbst der eigentlich doch sperrige Rollstuhl nicht mehr gestört hat. Die Waffen und das Trefferfeedback haben ordentlich Wumms, und spätestens, als wir endlich auf das Deck des Schiffes gelangen, nur um dort festzustellen, dass wir von einem gigantischen Nazi-Flugschiff gekapert wurden, offenbart sich die gesamte Pracht eines optisch rundum verbesserten Wolfensteins.

Mutter gegen Tochter

In einer ausführlichen Zwischensequenz bekommen wir zudem einen ersten Eindruck von der wie stets bitterzynischen, aber grandiosen Charakterzeichnung, als die fiese Nazi-Chefin Irene Engel ihre eigene Tochter Sigrun ob deren immenser Körperfülle zurechtweist. Sie möge doch bitte die nächtlichen Naschereien unterlassen, sich körperlich ertüchtigen und sei schlichtweg eine Rassenschande. Wie wir später erfahren, wechselt Sigrun später sogar die Seiten, so dass wir mit einem spannenden Familienzwist im Verlaufe der Story eines Spieles rechnen, dass nicht nur mit rasanten und effektvollen Shootouts, sondern vor allem durch das denkwürdige Design aus der Masse hervorstechen dürfte.

Im Zuge einer zweiten Mission hatten wir als Feuerwehrmann verkleidet zudem die Möglichkeit, am eigenen Leib zu erfahren, wie sich das Leben in einer Kleinstadt eines von Nazis eroberten Amerikas anfühlt. Angehörige der Sturmtruppen schwadronieren mit Mitgliedern des Klu-Klux-Clans auf offener Straße über deutsche Geschichte, während ein bedrohlich freundlicher Offizier in einer Bar über die Auswahl der Gerichte sinniert, während er seine heißgeliebte Erdbeermilch schlürft. Leider war unsere Spielzeit zuende, als der Michshake-Fan Blazkowicz erkennt und kurz darauf von dem Barmann erschossen wird. Dabei hätten wir doch so gerne noch die tragbare Atombombe in der Area 51 platziert.

Dafür können wir uns ja aber bald ausführlich dem fertigen Spiel widmen, wenn 'Wolfenstein: The New Colossus' am 27. Oktober auf Playstation 4, Xbox One und dem PC erscheint. Und wenn das Spiel hält, was unser erster Eindruck verspricht, steht uns ein wahrlich außergewöhnlicher Kracher ins Haus, der das Potential zum Shooter des Jahres hat!