Das ist schlecht:

Doch an „Wolcen: Lords of Mayhem“ ist nicht alles Gold, was glänzt. Den Start des Spiels als „ruppig“ zu bezeichnen wäre doch eine arge Beschönigung: Zehntausende Spieler wollten im Online-Modus zum Release-Termin gemeinsam loslegen, doch die „Wolcen“-Server waren krepiert. Zu viel Andrang. Tote Hose für alle, ein ganzes, entscheidendes Spiel-Wochenende lang. Eine mittelschwere Katastrophe und schlechte PR. Dem wollte das „Wolcen“-Team mit einem Hotfix-Patch entgegenwirken – mit verheerenden Folgen.

Manchen Leuten ging das ganze Inventar verlustig, andere verloren gleich den ganzen Charakterfortschritt. Als wäre das nicht schon schlimm genug, machten sich im Spiel rasch Griefer breit, die einen Bug ausnutzten, um Edelsteine zu vermehren, und so seitdem das Tausch- und Warensystem von „Wolcen: Lords of Mayhem“ ausbeuten und manipulieren. Auch ansonsten finden sich noch vermehrt schwere oder gar spielgefährdende Bugs in „Wolcen: Lords of Mayhem“: So mussten wir in unserem Test mehrfach unnötigerweise das Zeitliche segnen, weil angeklickte Monster partout nicht von uns attackiert wurden – der Klick wurde schlicht nicht registriert.

Andere Kämpfe wiederum gerieten viel zu leicht, weil die Wegfindung Monster einfach an Hindernissen im Level hängenblieben ließ und wir diese mit unserer Blitzmagierin mühelos niedermachen konnten. In Sachen Deutscher Lokalisierung müssen wir zudem auf Sprachausgabe in unserer Muttersprache verzichten – in „Wolcen: Lords of Mayhem“ sind dafür zwar sämtliche Texte und Gegenstände übersetzt worden, doch insbesondere bei Letzteren ist die Übersetzung nicht immer gelungen, hier merkt man das kleine Budget des Spiels deutlich.

Unser Fazit:

Verkohlter Diamant: Wir sind uns sicher, dass diese Wermutstropfen von WOLCEN Studio noch gefixt werden – denn „Wolcen: Lords of Mayhem“ ist ein Rohdiamant, eine Perle von Spiel unter einer dicken, aber hoffentlich dünner werdenden Schicht aus Problemruß. Wunderschön anzusehen, mit enormem Suchtfaktor und mitreißend präsentierter Handlung und Bossen mit „richtigen“ Introsequenzen, stimmen hier sowohl Lootspirale als auch das Interesse daran, die Geschichte des Spiels zu einem Abschluss zu bringen. Hinzu kommen schier endlose Möglichkeiten, euren Charakter nach eigenem Gusto auszugestalten und jeden noch so irren Build auszuprobieren. Toll. Doch das nagt auch am noch sehr problembehafteten Balancing des Spiels.

„Wolcen: Lords of Mayhem“ hat also einen steinigen Weg zum Olymp des Genres vor sich, birgt aber potenziell (!) – genug Pflege und harte Arbeit des Teams vorausgesetzt –, das Zeug dazu, „Path of Exile“ und selbst „Diablo“ zu entthronen. Tolle Neuerungen und eine packende Präsentation reißen mit – wenn die technische Seite repariert wird und das Spiel auch in Zukunft Langzeit-Support erhält, so haben wir es hier mit einem fantastischen Koloss von einem Actionrollenspiel zu tun, der das Genre noch lange prägen dürfte und es dem kommenden „Diablo 4“ schwer machen wird. Bis dahin bleiben wir beim Offline-Modus und amüsieren uns prächtig solo. Wenn ihr Bugs scheut, so wartet – schweren Herzens – noch ein, zwei Monate mit dem Kauf und schlagt dann zu. Ihr werdet es nicht bereuen. Nun entschuldigt uns aber bitte – wir wollen „nur noch eine kurze Runde spielen“… Ihr kennt das.

„Wolcen: Lords of Mayhem“ ist seit kurzem erhältlich für Steam-PC.