Das ist gut:

Seinen äußerst spannenden Hintergrund serviert euch das Spiel nicht auf einem Silbertablett, und orientiert sich damit gekonnt an dem eleganten und vielschichtigen Storytelling eines „Bioshock“, welches unverkennbar als Vorbild fungierte. Es sei nur so viel verraten, dass „We Happy Few“ in einer alternativen Zeitlinie irgendwann in den 60er Jahren spielt, und die Deutschen den Krieg gegen die Engländer gewonnen haben. Den Rest findet ihr am besten selber raus.

Die Prämisse einer Zweiklassengesellschaft, die sich das Leben an der Spitze durch Drogen schönredet, während der Bodensatz sich nichts sehnlicher wünscht, als wieder in den Schoß der Gesellschaft aufgenommen zu werden, ist als scharfe Kritik an herrschenden Verhältnissen zu sehen. Durch das grandiose, an „Dishonored“ erinnernde Artdesign wird das Geschehen aber so wunderbar abstrakt in Szene gesetzt, dass genügend Abstand zum Spieler besteht, und dieser die äußerst bedrückende und surreale Atmosphäre auf sich wirken lassen kann, ohne dabei stets mahnende Finger vor Augen zu haben.

Rein spielerisch seid ihr klassisch in der Ego-Perspektive stets auf der Suche nach Ressourcen, um euch Heilgegenstände, Waffen und auch Kleidung zu basteln. Letztere benötigt ihr, um euch den jeweiligen Verhältnissen anzupassen und nicht aufzufallen. Denn wenn die pervertierten Bobbys euch erst einmal auf dem Kieker haben, weil ihnen euer Verhalten nicht passt, geratet ihr schnell in einen Kampf.

Ein oder zwei Gegnern kommt ihr mit Stock und Schaufel noch gut bei, wenn es mehr werden, seht ihr aufgrund der beschränkten Ausdauer jedoch schnell die Radieschen von unten. Verlegt euch also besser aufs Schleichen, versteckt euch in Blumenfeldern oder unter Feldbetten und knipst Feinde still und heimlich aus. Zwar schaltet ihr mit gesammelten Erfahrungspunkten weitere Fähigkeiten und Verbesserungen frei, der Fokus des Spiels liegt über weite Strecken jedoch klar auf Heimlichkeit.