Einst als Kaufargument für die neuen Konsolen propagiert, sollte es letztlich eine schwere Geburt werden. Nicht nur die deftige Terminverschiebung des einstmals als Starttitel angekündigten Spieles dämpfte den enormen Hype um Watch_Dogs, auch die darauffolgende Debatte um die Grafik. Denn erste echte Screenshots straften die optische Brillanz der vorgeführten Trailer Lügen. Doch nun ist Schluss mit Debattieren, denn Aiden Pearce weilt endlich unter uns.

Darum geht's:

Eigentlich haben es die Werbefuzzies von Ubisoft schon ganz gut gemacht. Nahezu die komplette Zockerwelt kennt den Protagonisten bereits seit geraumer Zeit beim Namen, ohne ihn je getroffen zu haben. Nun, da wir ihn begleiten dürfen, erfahren wir, dass seine Nichte bei einem Attentat auf die Familie des Hackers ihr Leben verlor. Klar, dass ein Mann, der mit seinem Smartphone das allgegenwärtige 'ctOS'-Netz – welches nahezu die gesamte technische Infrastruktur von Chicago steuert – zu seinen Zwecken nutzen kann, so etwas nicht auf sich sitzen lässt. Also macht sich Aiden auf, die Drahtzieher zu entlarven, und stößt dabei auf einen ganzen Schwung von Hintermännern und eine Geschichte, die schnell verwirrt.

Das ist gut:

Allerdings haben wir den Titel nicht unbedingt wegen der Story sehnsüchtig erwartet, sondern in erster Linie wegen seiner spielerischen Möglichkeiten. Und in dieser Hinsicht werden wir nicht enttäuscht. Abseits der gut 25-stündigen Handlung könnt ihr die Handys von Passanten hacken und stoßt so auf diverse skurrile Geschichten, aber auch auf Nebenquests, die euch zusätzliche Erfahrungspunkte und Geld einbringen. Davon kauft ihr neue Waffen oder Autos. Ballern und Autofahren geht dabei prima von der Hand, so dass man aus einem feingeistigen Hacker auch gerne mal einen waffenschwingenden Macho macht. Das solide Deckungssystem und der aktivierbare Zeitlupenmodus tragen zum Spaß an der Sache bei. Allerdings verträgt Aiden nicht besonders viel. Nehmt euch also in Deckung ein wenig Zeit, Chicago für euch arbeiten zu lassen, indem ihr zum Beispiel Gasleitungen zur Explosion bringt. Gleiches gilt für Verfolgungsjagden. Warum die Polizei mühselig abhängen, wenn man einfach Poller oder ganze Brücken hinter sich hochfahren lassen kann!? Schöne neue Welt ...

Das ist schlecht:

... doch leider nicht so schön wie erhofft. Die Technik geht klar, keine Frage, doch mehr auch nicht. Wenn man bedenkt wie uns seinerzeit beim Bestaunen der angeblichen Spielgrafik die Kinnlade herunterklappte, ist das Ergebnis am Ende schon fast enttäuschend. Zugunsten einer stabilen Bildrate müsst ihr Pop-ups in Kauf nehmen, die Autos und Passanten verschwinden lassen. Auch die Sichtweite ist eingeschränkt und das Niveau der Texturen schwankt zum Teil arg. Das alles wäre angesichts einer lebhaften Stadt, schicker Licht- und Partikeleffekte und einer tollen Soundkulisse wohl nicht so schlimm, hätte man in den zuvor gezeigten Videos nicht so dermaßen einen auf dicke Hose gemacht. Was nutzt es, wenn man sich erst beliebt macht, um dann verspottet zu werden? Und dafür, dass man den Namen des Protagonisten wie gesagt bereits schon lange fest im Kopf verankert hat, bleibt dieser im Spiel erstaunlich blass. Ganz allgemein mangelt es an denkwürdigen Augenblicken, so dass in Anbetracht des Hypes nach dem Durchspielen die Frage bleibt: Was? Das war's schon?

Lebendiger Abenteuerspielplatz, der viele Möglichkeiten bietet, dem Hype speziell in optischer Hinsicht jedoch nicht gerecht wird. Hackt die Stadt, ballert aus der Deckung, liefert euch Verfolgungsjagden mit der Polizei und habt viel Spaß dabei, erwartet neben einem gut funktionierenden Spiel grafisch und inhaltlich jedoch keine Revolution.