Das ist gut:

Nun werden alte Hasen ob der Screenshots womöglich die Nase rümpfen, ist die augenscheinlichste Änderung doch die knallige Comic-Optik, die nicht mehr allzu viel mit den Pixel-Kunstwerken der 16-Bit-Ära gemein hat.

Dazu sei gesagt: Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten, uns erscheint die bewusst auf trashig getrimmte Optik für ein modernes „Streets of Rage“ aber als äußerst stimmig.

Nicht nur, dass das gesamte Spiel einen technisch äußerst sauberen Eindruck macht und vor Details nur so strotzt, gerade Fans der alten Teile finden in den zwölf stilecht in Szene gesetzten Stages unzählige Reminiszenzen an die guten alten Zeiten. Die Liebe und der Respekt der Macher zur Vorlage sind an allen Ecken und Enden spürbar.

Und spätestens wenn man als Kenner der Vorgänger Hand anlegt, merkt man sofort, dass es sich hier tatsächlich um die Fortsetzung handelt, auf die wir solange haben warten müssen.

Wer vor allem mit dem zweiten Teil vertraut ist, fördert auch ohne die Move-Liste zu studieren sofort längst vergessen geglaubte Pad-Kommandos aus seinem Hirn zutage, die tatsächlich genauso funktionieren wie damals.

Zweimal zur Seite und den Angriffsknopf gedrückt und der ziemlich lässig gealterte Axel Stone zieht seine Flammenfaust über den Boden als wären keine 26 Jahre vergangen. Ein herrlicher Flashback!

Doch natürlich gibt es auch Neues in Sachen Kampfsystem. Da wäre zum einen der Kniff einer besonders starken Attacke, die sowohl offensiv als auch defensiv eingesetzt werden kann, dafür allerdings auch an der Lebensleiste zehrt.

Gab es auch damals schon, allerdings kann die investierte Lebensenergie nun zurückgewonnen werden, indem man Gegner malträtiert. Erst wenn die Spielfigur ihrerseits einen Treffer kassiert, geht der Teil der Lebensenergie endgültig flöten, der nicht rechtzeitig durch Angriffe aufgefüllt wurde. Ein cleveres System, das etwas taktische Würze in den Kampf bringt.

Darüber hinaus beherrscht jede Figur einen raumfüllenden Special-Move, dessen Einsatz jedoch einen Stern kostet. Je nach Schwierigkeitsgrad oder zugeschalteter Hilfe startet man mehr oder weniger davon in die Stages, wo ihr neben frischer Lebensenergie und punktespendenden Geldsäckeln auch Sterne-Nachschub finden könnt.

Auch die Anzahl der Leben hängt von der Stufe ab, auf der man startet, und lässt sich zum Preis einer geringeren Punktzahl hochschrauben, wenn das Spiel zu knackig werden sollte.

Bequemerweise darf man sich an jeder erreichte Stage direkt neu versuchen und dabei die Figur wechseln. Dafür muss das Level aber in einen Rutsch absolviert werden. Zwischenspeicherpunkte gibt es nicht.

Mit verdienten Punkte erhält man nicht nur neue Leben, sondern schaltet auch weitere Spielfiguren frei. Neben dem Anspruch, immer höhere Schwierigkeitsstufen zu absolvieren, motiviert das ungemein zu immer neuen Durchläufen.

Denn es ist nicht nur ziemlich cool, sich mit den Pixel-Haudegen vergangener Zeiten samt damaliger Move-Palette durch die modernen Levels zu kloppen, jede der Figuren spielt sich auch noch anders.

Unser Favorit Cherry ist zum Beispiel wieselflink, kann über das Spielfeld sprinten und Gegnern aus dem Lauf an den Hals springen. Dafür verträgt sie aber auch nicht allzu viel, ganz im Gegensatz zum Giganten Floyd.

Der bekommt ob seiner schieren Körpermasse zwar gerade mal einen Mini-Hüpfer hin und ist lahm wie eine Schnecke, kann dafür aber gleich zwei Gegner packen und deren Köpfe zusammendonnern. 

Doch auch das Feindesaufgebot kommt äußerst vielseitig daher und erfordert je nach Gegnertyp eine eigene Herangehensweise. Während einem die altbekannten Rutsche-Punks zu Beginn noch regelmäßig zu Fall bringen, oder die fülligen Biker-Tanten immer wieder mit einem Wrestling-Move umherschleudern, lernt man, die individuellen Angriffsmuster alsbald zu lesen, und hat irgendwann einfach nur noch wunderbaren Old-School-Spaß mit diesem herrlich unkomplizierten Spiel.

Und wenn man dann auch noch mit ein paar Kumpels loszieht, geht die Luzie erst so richtig ab. Bis zu vier Spieler erlaubt „Streets of Rage 4“ im Couch-Koop, online wird lediglich zu zweit geprügelt.