Ihr habt ein Faible für Nordmänner und blutige Kaperfahrten? Die Spiele der ‘Diablo’-Reihe liebt ihr ebenfalls? Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass euch ‘Vikings: Wolves of Midgard’ reizen könnte. Wir durften das Hack & Slay, das am 24.03.zeitgleich für den PC, PS4 und Xbox One erscheint, ausgiebig antesten. Dabei zeigte sich vor allem eins: Das Action-RPG ist mehr als nur ein „Diablo mit Wikingern“ und überzeugt mit eigenen Stärken.

Darum geht’s:

Es ist das Zeitalter der Wikinger. Oben, in Asgard, streiten sich die Göttersippen der Asen und der Wanen, drunten, auf Erden, Midgard genannt, erhebt der Fimbulwinter sein eisiges Haupt. Das Weltenende bringt allerlei Riesen und ihr Monstergezücht mit. Das Dorf unseres Helden (oder unserer Heldin) gerät zwischen die Fronten – und wird zerstört. Nach unserer heldenhaften Verteidigung des Dorfes im Tutorial werden wir kurzerhand zum Clansoberhaupt ernannt. Nun heißt es: Das Ganze aufbauen. Nur eines der Features, mit denen sich ‘Vikings: Wolves of Midgard’ vom Vorbild abhebt.

Es beginnt serientypisch: Erst stellen wir Wikinger oder Schildmaid aus gängigen RPG-Baukastenelementen wie Haarfarbe, Tattoos oder Bärten zusammen. Danach wählen wir einen Schutzgott, der uns entweder zum flinken Kämpfer mit zwei Waffen, zum Stabmeister, Bogenschützen etc. macht – unsere „Klasse“, quasi. In der Spielwelt bewegen wir uns mit dem linken Analogstick, weichen mit dem rechten aus und dreschen per Knopfdruck auf Kroppzeug aus der Edda ein. Dabei geht es saftig zu. Das muss so sein, denn das Blut der Gegner dient uns als Erfahrungspunkte. Die opfern wir an Altären den Göttern, steigern damit genretypisch Spielwerte, lernen Fähigkeiten. RPG-Fans kennen das.

Das ist gut:

Doch spätestens, wenn sich uns eine Horde von Monstern in den Weg stellt und wir in bester ‘Diablo 3’-Manier reinzimmern, erleben wir eine böse Überraschung. Die flinken Tomten, nordische „Goblins“, schleudern etwa Netze auf uns – wir kleben an Ort und Stelle fest. Ein Frostriese kommt hinzu, verpasst uns einen Treffer mit einer telefonmastdicken Axt – tot. Doch nicht nur die Gegner setzen uns zu, sondern auch die Elemente. Auf einem verschneiten Berggipfel zum Beispiel füllt sich eine spezielle Kälteleiste mit Frost – eilen wir nicht ab und zu zu sporadisch verteilten Lagerfeuern, erfrieren wir. Ein Druckmacher während der Kämpfe. Auch, was das Thema Beutemachen in Action-RPGs angeht, gibt sich Vikings geizig.

Wir sammeln stattdessen Rohmaterialien wie Wolfsfelle, Eisen oder Gold. Daraus zimmert der Dorfschmied Waffen und Rüstungen. Das verleiht dem Spiel mit der Art seiner Gefechte eine eigenständige Dynamik und einen packenden Spielfluss. Mit dem Material werten wir besagtes Dorf auf, reparieren Gebäude. Grafisch reißt ‘Vikings’ zwar keine Bäume aus, aber es ist mehr als gelungen: Im glitzernden Tiefschnee spürt man die Kälte, unser Recke hinterlässt Fußspuren. Die Gegner sind liebevoll designt, die Bosskämpfe taktisch und fordernd. Der Soundtrack ist sehr stimmig und überzeugt mit wunderschönem Frauengesang und mächtigen Chören.

Das ist schlecht:

Was uns in unserer englischen Vorschauversion nicht so gefallen hat, war die Sprachausgabe. Sie wirkte leicht overacted und teilweise kamen die Charaktere etwas unmotiviert rüber. Wir hoffen, das ist in der deutschen Version anders. Auch die Handlung wirkt etwas dröge und wird nicht besonders mitreißend erzählt, aber wegen der genannten Kritikpunkte spielt ja auch niemand diese Art Action-RPGs.

‘Vikings: Wolves of Midgard’ mag auf den ersten Blick wie einer der unzähligen Diablo-Abklatsche aussehen, doch damit tut man dem Spiel unrecht. Vor einer nordischen Kulisse, begleitet von epischen Chören, häckseln wir uns durch taktisch ebenso fordernde wie wuchtige Kämpfe und einen ganz eigenen Spielfluss. Dabei lassen wir die alten Mythen der Skandinavier auf uns wirken. So genießen wir eine Schlachtplatte, der man(n) zu jeder Zeit eines anmerkt: Dass die Macher mit Herzblut und durchdachten spieltechnischen Überlegungen bei der Sache waren. Sollte sich unser Ersteindruck im finalen Spiel bestätigen, dürfen sich Action-RPG-Fans den 24. März blutrot im Kalender markieren. Hier kommt echtes Nordmann-Feeling auf.