Das ist gut:

Das Gameplay von „Vampyr“ ruht auf zwei Säulen: Auf Action in Form von fordernden Kämpfen – und auf soziale Interaktion mit den Überlebenden. Erstere bestreitet ihr mit Blick auf eure Ausdauerleiste und frei konfigurierbaren Sets aus Haupt- und Nebenwaffe. Während ihr mit Säbel oder Sense Schaden austeilt, könnt ihr die Gegner mit Pflock oder Schrotflinte schocken, um dann die Zähne in den Hals eures Opfers zu schlagen. Dadurch füllt ihr die Blutleiste, aus der sich wiederum übernatürliche Fähigkeiten wie Blutspeer, Selbstheilung oder später sogar spektakuläre Vernichtungs-Angriffe nähren.

Die Auswahl an aufwertbaren Fähigkeiten ist überschaubar, aber abwechslungsreich und erlaubt viel Experimentierfreiraum, bis ihr schließlich euren persönlichen Spielstil gefunden habt. Und wenn euch dieser nicht mehr zusagt, setzt ihr einfach alles auf Null zurück und verteilt die gesammelten Punkte neu.

Jene sammelt ihr in Kämpfen und beim Absolvieren von Nebenaufgaben, aber auch im großen Stil durch das Aussaugen der über 60 Einwohner von London, die sich in den vier bespielten Bereichen der Stadt herumtreiben. Doch Obacht: Das Opfern bestimmter Personen kann üble Konsequenzen nach sich ziehen. Eventuell entgehen euch durch das Ableben wichtiger Figuren diverse Nebenquests, oder aber ihr tragt durch eure Taten dazu bei, dass immer mehr Krankheiten grassieren. Im schlimmsten Fall sterben ganze Stadtteile weg, und werden fortan von unzähligen mächtigen Gegnern bevölkert.

Ihr befindet euch also stets in einem moralischen Dilemma, wen ihr als Vampir zugunsten des eigenen Vorteils opfern sollt, oder ob ihr schwächer ins Gefecht zieht, dafür aber dem hippokratischen Eid gerecht werdet. Welches Ende ihr sehen werdet, hängt ganz von euren Entscheidungen ab.

So oder so solltet ihr euch stets ausführlich mit den Einwohnern Londons unterhalten. Denn  je mehr ihr in Gesprächen oder anhand aufgespürter Hinweise über die Menschen erfahrt, desto mehr Quests stehen zur Verfügung und desto Erfahrungspunkt erhaltet ihr, wenn ihr sie dann doch über den Jordan schickt. Zumal sich die Macher sehr viel Mühe gemacht haben, jeder einzelnen Figur dank einer stets gut geschriebenen Hintergrundgeschichte einen glaubwürdigen Charakter zu verleihen. Spätestens hier merkt man, dass man es mit den Entwicklern von „Life is Strange“ zu tun hat.

Doch auch das Verabreichen von selbstgebrauter Medizin, im Falle einer Krankheit wie Migräne oder Bronchitis, erhöht die Qualität des Blutes und verbessert den Allgemeinzustand eines Viertels. Dazu verarbeitet ihr in Kisten und Mülltonnen gefundenen Ressourcen in einem der über die Stadt verteilten sicheren Unterschlupfe. Dort wertet ihr auch eure Waffen auf und legt euch schlafen, um die gesammelten Erfahrungspunkte in neue Fähigkeiten zu investieren.

Als Vampir seid ihr logischerweise stets in der Nacht unterwegs, und so präsentiert sich das verwinkelte London als düsterer und feindseliger Ort. Das ist durchaus gewollt und passt prima zum angenehm unheimlichen Setting, dem nicht zuletzt die melancholischen Klänge eine dicke Patina von Hoffnungslosigkeit verleihen. Irgendwie traurig, aber äußerst stilvoll.