Dass interaktive Filme auf Konsole funktionieren können, bewies Heavy Rain seinerzeit auf eindrucksvolle Weise. Auch der inoffizielle Nachfolger, Beyond: Two Souls, lud den an sich actionverwöhnten Spieler zu einer emotionalen Achterbahnfahrt ein. Seither hat es sich diese Spielgattung in der Zockerlandschaft bequem gemacht. Man denke nur an erzählerische Meisterwerke wie The Walking Dead aus dem Hause Telltale. Doch funktioniert die Nummer auch, wenn man sich ein eher belächeltes Filmgenre zum Vorbild nimmt? Until Dawn sagt: Ja!

Darum geht es:

Acht Teenager auf einer verschneiten Berghütte bei Nacht. Na, was kommt euch da in den Sinn? Richtig: unerlaubter Drogenkonsum, sexuelle Erkundungstouren und ein durchgeknallter Psychokiller, der die ganze Party ruiniert.
„Slasher“ nennt sich diese Filmgattung, welche mit 'Scream' in der cineastischen Neuzeit Fuß fasste und bis heute noch das typische „Ich weiß, was gleich kommt“-Gefühl auslöst. In dem Streifen behandelte man seinerzeit augenzwinkernd die Klischees eines klassischen Horrorfilmes, und all diese dürft ihr auch in den zehn Kapiteln von Until Dawn erwarten. Nur eben mit dem Unterschied, dass ihr im Verlauf des Spiels alle acht Protagonisten selber lenkt und vor allem immer wieder gezwungen seid, Entscheidungen zu treffen, die über Leben und Tod der Teenager entscheiden. Dabei weiß man zuweilen im Vorfeld gar nicht, ob ein Ereignis nun dem Butterfly-Effekt entsprechend im späteren Spielverlauf noch von Bedeutung sein wird. Erst wenn in der Bildschirmecke ein Schmetterling ausleuchtet, wisst ihr, dass ihr gerade eine unumkehrbare Entscheidung getroffen habt. Denn eben mal kurz den letzten Speicherstand laden ist in Until Dawn nicht! Wer also die vielen Quicktime-Events üben möchte, dem wird nichts anders übrig belieben, als seine Konsole brutal auszuschalten. Doch wir empfehlen: Lebt mit euren Entscheidungen. Denn davon lebt Until Dawn.

Das ist gut:

In einem schnellen Actionspiel mag die Grafik eher zweitrangig sein. In einem interaktiven Film, der wie Until Dawn mitunter eher behäbig daherkommt, ist sie aber äußerst relevant. Insofern freuen wir uns, dass das Spiel fantastisch aussieht. Der immense Produktionsaufwand, die digitalen Abbilder der Schauspieler (unter anderem Hayden Panettiere aus 'Heroes' und Brett Dalton aus 'Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.') ins Spiel zu implementieren, macht aber nicht nur einiges her, sondern auch durchaus Sinn. Denn dank der glaubwürdigen Mimik und der lebensechten Animationen fällt es dem Spieler leichter, sich in den Titel einzudenken. Und ist das erst mal geschehen, werdet ihr von den Ereignissen, trotz all ihrer platten Klischees, ganz einfach mitgerissen, bis irgendwann der Abspann läuft. Bis dahin werdet ihr mitgelitten, mitgefiebert, euch erschreckt und manch bangen Moment erlebt haben. Und ihr werdet sehr wahrscheinlich nicht alle eurer Schützlinge durch die Nacht bringen. Wir haben es versucht und sind gescheitert. Während der Kollege im Zuge einer parallelen Spielsession ein paar Mädels zu retten vermochte, brachte der Autor dieser Zeilen gerade mal einen der Buben durch. Also auf zur zweiten Runde. Es gilt schließlich, eine Wette zu gewinnen.

Das ist schlecht:

Es ist wohl nicht nötig zu erwähnen, dass man Quicktime-Events mögen, oder zumindest befürworten muss, um mit Until Dawn seinen Spaß zu haben. Wer einem derartig simplifizierten Spielprinzip nichts abgewinnen kann, ist hier ganz einfach falsch. Alle anderen werden zumindest beim ersten Durchlauf ein erstaunlich spannendes Abenteuer erleben, dem wirklicher Horror erwartungsgemäß aber abgeht. Was danach kommt, ist jedoch etwas ernüchternd. Denn spielt man Until Dawn erneut, wird einem erst klar, dass die getroffenen Entscheidungen am Ende bei weitem nicht so folgenschwer sind, wie von den Entwicklern angepriesen wurde. Der Rahmen, in dem sich das Ganze bewegt, ist eben doch sehr eng gesteckt. Die grundsätzliche Geschichte bleibt die Gleiche, bietet ein paar unterschiedliche Optionen an und tauscht an den entsprechenden Stellen eben nur die Figuren aus. Je nachdem wer gerade noch so lebt.

Und wo wir schon bei den Figuren sind: Wir sind uns sicher, dass so viele Spieler der Versuchung nicht werden widerstehen können, die acht zum Teil recht unsympathischen Teenies um die Ecke zu bringen. Und wenn es nur ist, damit man die eine oder andere deutsche Sprecherin nicht mehr ertragen muss. Wenn ihr also merkt, dass ihr auf der Seite des Killers steht, wechselt schnell zur englischen Tonspur. Vielleicht hilft das.
Microsoft-Jünger und PC-Zocker schauen übrigens in die Röhre. Until Dawn erscheint exklusiv für die PS4.

Mitreißend inszenierter Teenie-Schocker zum Mitspielen. Wer überlebt und wer stirbt, hängt ganz und gar von euren Entscheidungen und schnellen Reaktionen ab. Feinde von Quick-Time-Events lassen die Finger von Until Dawn. Alle anderen erleben eine überraschend spannende Nacht in den Bergen.