Als wir seinerzeit den Erstling testeten, attestierten wir der Perle aus dem EA-Schmuckkästchen: „Unravel ist das wohl schönste digitale Märchen aller Zeiten!“ Große Fußstapfen also, in die der überraschend angekündigte und jüngst veröffentlichte Nachfolger treten muss. Wir haben „Unravel Two“ mit großer Vorfreude getestet und verraten euch, ob der verträumte Knobel-Hüpfer aus Schweden das hohe Niveau des Vorgängers halten kann.

Darum geht’s:

Abermals schlüpft ihr in dem rätsellastigen Jump ’n’ Run in die Haut, oder besser in das Garn des Wollwesens Yarny. Jenes besteht aus einem einzigen langen Faden, den es von seinem Körper abwickeln kann, um damit auf vielfältige Art und Weise Hindernisse zu überwinden. So weit, so Teil Eins. Der Clou in „Unravel Two“ besteht nun aber darin, dass Yarny diesmal nicht alleine unterwegs, sondern mit einem zweiten lebendigen Knäuel verknotet ist. Soll heißen, ihr bestreitet das Abenteuer mit einem Garn-Duo, und damit wahlweise auch zu zweit in bester Couch-Koop-Manier.

Das ist gut:

Keine Frage, dass „Unravel Two“ mit einem Freund vor dem heimischen Bildschirm zur Höchstform aufläuft. Doch auch alleine funktioniert das Spiel prächtig, da ihr per Knopfdruck bequem zwischen den beiden Figuren wechseln und sie sogar zu einem einzigen Garnwesen verschmelzen könnt, um knifflige Action- und Plattform-Sequenzen zu meistern.

Die Rätelabschnitte bauen indes meistens auf dem erweiterten Aktions-Repertoire auf, welches sich aus dem Zusammenspiel zweier Figuren ergibt, und bringen euch damit regelmäßig ins Grübeln.

So lässt sich ein Wollknäuel stets arretieren, um beispielsweise ein bewegliches Objekt an Ort und Stelle zu halten, wodurch die andere Figur eine ansonsten unerreichbare Kante erreichen kann. Dann wird wieder flugs gewechselt und Yarny Nummer Eins kann nun am Garn emporklettern, welches von Yanry Zwei gehalten wird.

Aus diesem Grundkonzept stricken die Macher einen ganzen Schwung Herausforderungen, und reichen dazu eine unaufdringliche Geschichte, die wie schon im Vorgänger in Form von verschwommenen Schemen im Hintergrund stattfindet und viel Raum für Interpretationen lässt.

Und auch wenn uns das Setting insgesamt etwas düsterer und weniger lebendig erscheint als im Vorgänger, ist „Unravel Two“ audiovisuell wieder ein Traum geworden. Die Spielwelt ist nicht nur mit wahnsinnig viel Liebe zum Detail in Szene gesetzt worden, den Machern gelingt es durch die ungewöhnliche Perspektive auch, scheinbar alltäglichen Orten eine gewisse Erhabenheit zu verleihen und das Ganze mit einer herrlich verträumten Musik zu veredeln.

Das ist schlecht:

Zwar ergeben sich aus dem Zusammenspiel zweier Yarnys viele neuen Möglichkeiten, wirklich herausfordernd wird es dadurch jedoch nicht. Generell erschien uns das Spiel etwas zu leicht, zu durchschaubar, vor allem mit Blick auf die optionalen Bonusräume. Denn hier werden euch in kleinen Happen 20 Challenge-Levels geboten, die es teils echt in sich haben, und so auch gerne Bestandteil des Hauptspieles hätten sein dürfen.

Am stärkeren Fokus auf knifflige Jump-’n’-Run-Passagen dürften sich die Geister indes scheiden. Zwar lassen sich die Yarnys nun deutlich präziser steuern, und insbesondere die Fluchtsequenzen bringen etwas Schwung in die Bude, allerdings lässt sich so manche Stelle dabei nur durch Trial & Error sowie Auswendiglernen meistern, was nicht so ganz zum ansonsten cleveren Leveldesign passen möchte.

Und auch wenn wir absolute Fans von Couch-Koop sind, muss zum Schluss die Frage gestattet sein, warum man nicht online mit einem Kumpel ran darf.

„Unravel Two“ ist ab sofort für Playstation 4, Xbox One und PC erhältlich. 

Verträumtes Rätsel-Abenteuer vor wunderschöner Kulisse. „Unravel Two“ nimmt den Faden des Vorgängers auf, verknüpft das Spielkonzept mit einer zweiten Figur und strickt daraus abermals einen atmosphärisch inszenierten Knobel-Hüpfer, der im Couch-Koop am meisten Spaß macht. Doch auch solo funktioniert das clevere Spielprinzip prächtig.