Die schlechte Nachricht zuerst: ‘Uncharted 4: A Thief's End’ stellt, wie der Name schon vermuten lässt, das letzte Abenteuer des wohl sympathischsten Abenteurers seit Indiana Jones dar. Doch legt dieser im Gegensatz zu besagtem Archäologen in der vierten Runde wenigstens einen Endspurt hin, der den großen Fußstapfen der Vorgänger gerecht wird? Unser Test des Playstation-4-exklusiven Finales verrät es euch!

Darum geht's:

Die ‘Uncharted’-Reihe avancierte spätestens mit dem fulminanten zweiten Teil zur Blaupause für moderne Action-Adventures. Die Mischung aus wilden Klettereinlagen, eingestreute Rätselpassagen, spektakulären Deckungs-Schießereien und einer ebenso flotten wie grandios inszenierten Geschichte inspirierte sogar das Reboot des einstigen Genre-Primus ‘Tomb Raider’. Mit Erfolg! Von daher ist es kein Wunder, dass die Grafik-Zauberer von Naughty Dog auch bei ‘Uncharted 4: A Thief's End’ auf altbewährte Tugenden setzen. Nathan ist zwar älter geworden, aber das bedeutet ja schließlich nicht zwangsläufig, dass er etwas verlernt haben muss. Ganz im Gegenteil.

Für die Suche nach dem sagenumwobenen Schatz des Piraten Henry Avery hat er wiederum ein wenig bei Kollegin Croft abgeguckt, und gelernt, einen Kletterhaken einzusetzen, um sich entweder am Seil über Abgründe hinweg zu schwingen oder einen Lastenzug zu improvisieren. Auch in kämpferischer Hinsicht ist Drake reifer geworden. Denn anstatt nur noch von Deckung zu Deckung zu hechten, um die cleveren Gegner aus immer neuen Positionen heraus aufs Korn zu nehmen, könnt ihr nun auch Schleichen, um so ganz unauffällig der Gegnerscharen Herr zu werden. Zudem dürft ihr neuerdings per Jeep im frei befahrbaren Areal von Madagaskar den üblichen Levelschlauch verlassen und eigenständig auf Schatzsuche gehen. Ansonsten ist spielerisch alles beim Alten geblieben! Und das ist auch gut so!

Das ist gut:

Danke, Naughty Dog! Wir möchten euch aus tiefstem Herzen danken, dass ihr Drake, Elena und Sully einen würdigen Abschluss auf den Leib geschneidert habt. Die drei Serien-Protagonisten sind uns im Laufe der Zeit so dermaßen ans Herz gewachsen, dass wir es einfach nicht ertragen hätten, wenn ihr es wie im Falle des in diesem Zusammenhang vielzitierten Indiana Jones mit Teil 4 versaut hättet! Doch das habt ihr nicht! Wir fühlten uns sofort zu Hause und vergaßen mitunter glatt, dass wir es bei ‘Uncharted 4: A Thiefs's End’ mit einem Spiel zu tun haben. Das ist nicht nur der phänomenalen Optik geschuldet, die mit nahezu fotorealistischen Texturen, einer fantastischen Beleuchtung und unglaublichen Panoramen protzt, sondern vor allem den Figuren an sich. Die steten Wortwechsel sprühen vor Charisma und machen das Gespann, welches mit Nates Bruder Sam einen weiteren Charakterkopf dazugewinnt, abermals ungemein glaubhaft. Ein Eindruck, der durch wegweisende Animationen und einer ungemein ausdrucksstarken Mimik noch weiter verstärkt wird.

Die Erzählung der spannenden Geschichte lässt dabei nie an Niveau missen, und bietet ein angenehmes Maß an ruhigen Momenten und Action, wie wir es schon im Falle von ‘The Last of Us’ genießen durften! Und wenn wir uns dann wieder in einem Spiel wähnen, weil es plötzlich abgeht, brilliert die knackige Steuerung, mit der sich insbesondere Kenner der Reihe sofort zurechtfinden werden. Die Schießereien – bei denen ihr abermals eine Pistole, ein schweres Geschütz wie Sturmgewehr oder Panzerfaust, sowie maximal vier Granaten am Leib tragt – sind gewohnt präzise und dank der flankierenden KI ausreichend anspruchsvoll, jedoch nicht so überbordend, wie im direkten Vorgänger. ‘Uncharted 4’ bietet in dieser Hinsicht nicht zuletzt auch dank der simplen aber gut funktionierenden Schleichmechanik deutlich mehr Abwechslung. Die Kletterpassagen gewinnen durch den Kletterhaken zudem an Dynamik und werden euch ein ums andere Mal den Atem stocken lassen! Eine deutliche Animation, die anzeigt, ob ein Sprung gelingen wird, sorgt außerdem dafür, dass sich die Anzahl der Abstürze in Grenzen hält. Und habt ihr das Spiel dann nach 12 – 16 Stunden durch, lockt immer noch der kompetitive Mehrspielermodus mit allerlei freispielbarem Schnickschnack. Oder noch ein Durchgang auf einer höheren Schwierigkeit, falls ihr nicht alle Schätze gefunden haben solltet.

Das ist schlecht:

Popcorn-Kino bleibt Popcorn-Kino! Egal wie gut das Skript ist, man ahnt einfach schon im Voraus, dass die morsche Brücke unter uns einbrechen wird. Eine gewisse Routine im Spektakel lässt sich von daher nicht leugnen. Nicht zuletzt, da man ja weiß, dass insbesondere Nathan ohnehin alles passieren wird, was passieren kann. Zudem hätte man die Rätsel gerne eine Spur knackiger gestalten und eine Karte für das frei befahrbare Madagaskar hinzufügen können. Wobei „frei“ vielleicht etwas zu hoch gegriffen ist. Denn auch ‘Uncharted 4: A Thief's End’ bietet euch keine Open World im eigentlichen Sinne, sondern macht stets das eine Ziel klar, welches es zu erreichen gilt, um die Story voranzutreiben. Aber ganz ehrlich? Wir hätten es auch gar nicht anders gewollt!

‘Uncharted 4’ ist in jedem Bereich ein absolut hochkarätiges Spiel! Die Grafik ist von einem anderen Stern, die Geschichte spannend inszeniert, die Spielbarkeit top, die Figuren sind ebenso glaubwürdig wie sympathisch! An diesem Spiel werden sich alle anderen Action-Adventures dieser Konsolengeneration messen müssen. Und auch wenn es uns schwerfällt, Nathan, Sully und Elena gehenzulassen: Danke, Naughty Dog!