Für El Presidente beginnt die sechste Amtszeit. Nachdem ihm zuletzt ein Wahlkampfteam aus Bulgarien über drei Amtsperioden hinweg erfolgreich zur Macht verholfen hat, schwingt nun das hessische Studio Limbic Entertainment das Zepter, unter dessen Flagge sich auch ehemalige Mitarbeiter von Sunflowers versammelt haben, die einst für die renommierte Anno-Reihe verantwortlich zeichneten. Es sind also erfahrene Leute am Werk. Aber die braucht es schließlich auch, um mit „Tropico 6“ der nunmehr 18 Jahre alten Marke frischen Wind einzuhauchen, ohne dabei am Kult-Faktor zu kratzen.

Darum geht’s:

„Tropico“ ist seit jeher das schwarze Schaf in der sonst so seriösen Familie der Aufbau-Strategiespiele. Wie im Genre üblich geht es auch hier vordergründig um den Aufbau einer möglichst reibungslos funktionierenden Zivilisation über den Zeitraum mehrerer Epochen hinweg, dargereicht in Form eines karibischen Kleinstaates mit ordentlich Urlaubs-Flair. Dazu lasst ihr Häuser bauen, zieht Produktionsstätten hoch, plant eine weitsichtige Infrastruktur, betreibt Diplomatie mit anderen Ländern und kümmert euch um die Belange eurer Untertanen.

Soweit so normal. Im Gegensatz zur Konkurrenz bietet euch „Tropico“ eure Machtposition jedoch mit einem dicken Augenzwinkern und einer ordentlichen Prise Sozialkritik feil. Soll heißen, dass ihr zu allerlei schmutzigen Tricks greifen dürft, um euren Staatsapparat am Laufen zu halten. Wer will, kann ungestraft den fiesen Diktator raushängen lassen und sein Volk gnadenlos unterjochen. Einen moralischen Kompass gibt es nicht. Nur die logischen Auswirkungen eurer Taten auf den weiteren Spielverlauf.