Zum nunmehr fünften Mal heißt es, „Mütter, holt die Kinder rein, die Väter spielen wieder Alleinherrscher!“ Ja, wenn es auf die Insel Tropico geht, ist es wieder Zeit für den Diktator-Aufbaustrategie-Simulator schlechthin. Natürlich als El Presidente samt Diktatorenfamilie, um einmal mehr die Weltherrschaft anzustreben. Mit vielen kleineren und größeren Neuerungen sprechen die Fakten auf dem Papier eine eindeutige Sprache: noch mehr Spielzeit, noch mehr Tiefgang und noch mehr El Presidente! Wir verraten euch, ob das neue Diktatordasein auf der Insel rockt und sich das Spiel eines Weltherrschers würdig erweist.

Darum geht’s:

Das Spielprinzip ist vom Grund eher einfach. Es gilt als El Presidente, aus dem Eiland Tropico mit seiner dichten Vegetation und einer noch überschaubaren Menge Einwohner, ein mächtiges Inselreich zu erbauen. Außerdem ist es eure Aufgabe, euch so lange wie möglich im Amt zu halten. Mit einer gehörigen Portion Taktik und Planung wird dies ein spannendes Unterfangen. Auch einiges an Glück gehört dazu, schließlich ist die Reihe für ihre unvorhersehbaren Ereignisse berühmt berüchtigt, die dem angehenden Inselimperium böse zusetzen können. Wie ihr den Weg zum Big Boss der Welt angeht, ist euch selbst überlassen. Manipulation, Unterdrückung, Erpressung oder auch Ermordung von Gegenspielern bilden nur einen kleinen Teil der Möglichkeiten, um euer Gesamtziel zu erreichen.

Das ist gut:

Die größte und zugleich beste Neuerung des fünften Teils ist ohne Zweifel die Zeitspanne. Erstmals könnt ihr euren aufstrebenden Despoten durch vier verschiedene Epochen leiten. Beginnend in der Kolonialzeit, geht es durch zwei Weltkriege, den Kalten Krieg bis zur Moderne. Jedes Zeitalter eröffnet völlig unterschiedliche wirtschaftliche und politische Zustände und stellt euch vor neue Aufgaben und Herangehensweisen. Da El Presidente wie in allen Teilen ein waschechter Diktator ist, muss zuerst einmal die Unabhängigkeit von der Krone erzielt werden. Kein einfacher Weg, der aber überaus motiviert. Eines der elementarsten Ziele ist es jedoch immer, die eigenen Bürger zufriedenzustellen.

So baut man nach und nach Einrichtungen für die eine gescheite Infrastruktur, die Wirtschaft und Produktionsgebäude aus. Die unzähligen Optionen, sich im Spiel auszutoben, sind enorm, aber solch eine Komplexität ist in einer Simulation nicht nur gewünscht, sondern Pflicht. Sollte man seine Bürger vernachlässigen und sein eigenes Ding durchziehen, dauert es nicht lange, bis man sein Präsidentenamt los ist. Zudem gefällt das neue Dynastiesystem, um durch die Epochen hinweg die Präsidenten-Familie an der Macht zu halten. Denn ewig lebt der anfängliche Machthaber natürlich nicht, sodass man nach dessen Ableben zusehen muss, ein gewünschtes Mitglied der Sippe im Präsidentenamt zu installieren.

Spieltiefe bringen zudem die vielen Auswirkungen auf jede Handlung, die man positiv oder negative immer zeitnah zu spüren bekommt. Selbst eine eigene Verfassung mit vielen Optionen für oder gegen Bürger kann man ausarbeiten und damit das Leben im Inselstaat beeinflussen. Neu ist übrigens noch der Mehrspielermodus für bis zu vier Spieler. Es gibt so viele Möglichkeiten und Features, die an dieser Stelle den Rahmen sprengen würden.

Das ist schlecht:

Eigentlich gibt es nichts zu meckern, wenn da nicht das ewig lästige und umständliche Weg-Bau-Tool wäre. Wenn das noch gefixt würde, hätten de Entwickler von Haemimont einen Start-Ziel-Sieg errungen.

Herzlichen Glückwunsch zum wohl besten Teil der Tropico-Reihe! Mal kleinere, nicht nennenswerte Mängel beiseitegeschoben, macht der Diktatoren-Simulator saumäßig viel Spaß. Man bekommt spielerischen Anspruch, der für Langzeitmotivation sorgt und einiges an Abwechslung bietet, durch die Implementierung der Epochen und des Dynastiesystems. Es sind die vielen kleinen zusätzlichen Features und diese gewaltige Kontrolle, die man über alle Bereiche des Spiels erlangen kann, die Simulationsfans Beifall klatschen lassen. Kurz gesagt: Die Erwartungshaltung war hoch und wurde übertroffen. El Presidente, übernehmen Sie!