Shooter sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Während ein Modern Warfare seinerzeit für offene Münder sorgte, und ein Battlefield über Monate hinweg bestens unterhielt, macht sich bei den alljährlichen Fortsetzungen und Ablegern triste Routine breit. So sie denn überhaupt fertig ausgeliefert werden, und nicht erst mühselig durch zig Patches zusammengehalten werden müssen. Doch am Horizont ist ein Silberstreif zu erkennen. Oder auch mehrere. Vermutlich Titans, die aufeinander losgehen!

Darum geht's

Hat irgendwer noch nicht von Titanfall gehört? Weiß jemand noch nicht, dass man sich als agiler Soldat rasant per Wandlauf und Jetpack über die Karten bewegt und nach einer gewissen Zeit einen gigantischen Riesenroboter anfordern kann, der sich ähnlich intuitiv steuert? Nein? Na dann ist ja gut!
Eine ausgefeilte Story ist seit jeher nicht unbedingt eine der erwarteten Qualitäten eines Online-Shooters. Titanfall versucht trotz fehlender Solo-Kampagne aber dennoch, dem Bleiballett einen Sinn zu geben. Zockt ihr den nur online spielbaren Story-Modus, erlebt ihr einen Krieg in ferner Zukunft zwischen dem Megakonzern Interstellar Manufacturing Corporation (IMC) und aufständischen Siedlern, die sich unter den Namen Militia vereint haben. Für welche Seite ihr euch entscheidet, bleibt natürlich euch überlassen.

Letzten Endes entpuppt sich der Story-Modus jedoch lediglich als eine Aneinanderreihung zweier der fünf für das Genre recht klassischen Spielmodi auf den Standardkarten. In den Matches treten maximal zwölf Spieler gegeneinander an. Damit trotz dieser verhältnismäßig geringen Anzahl etwas Leben auf den 15 Karten herrscht, serviert uns Titanfall mit CPU-Gegnern reichlich Kanonenfutter. Erledigt ihr die dümmlichen Grunts und die cleveren Spectres – die ihr per Hack auch zu Waffenbrüdern machen dürft – sammelt ihr zwar nicht so viele Punkte, wie mit dem Abschuss eines anderen Spielers, doch immerhin haben so auch unerfahrenere Zocker eine Chance, ihren Soldaten, bzw. Titan aufzurüsten. Schaltet dazu Tactical Abilities, Kits und Burn Cards frei, und passt eure Fähigkeiten eurem Spielstil an.

Das ist gut

Titanfall spielt sich so dynamisch wie erwartet und fegt tatsächlich gehörig Dreck aus dem angestaubten Genre. Nicht nur, dass es sich angenehm frisch anfühlt, mit den flinken Soldaten über die Karte zu flitzen. Da die Steuerung sich kaum von der des Titans unterscheidet, hat dank des ausgeklügelten Balancings auch zwergenhaftes Fußvolk stets eine Chance, die übermächtig erscheinenden Mechs zu fällen. Die Karten sind entsprechend gestaltet und bieten mit zig Details und vielen Verstecken eine Menge Raum für kreatives Spiel. So könnt ihr zum Beispiel Gebäude erklimmen, um euch von oben auf einen feindlichen Titan stürzen, oder als Pilot eines solchen die Kanzel eures Blechkumpels verlassen, und ihm den Befehl geben, seine Position zu verteidigen. Um das Leben eines Soldaten leichter zu machen, verfügen diese über eine Tarnvorrichtung, während Titanen feindliche Projektile zurück zum Absender schicken können. All diese Elemente wirken wie aus einem Guss und greifen derart perfekt ineinander, dass Titanfall Fans des Genres viel Freude bereiten wird. Ob es auch reicht, um die Platzhirsche auf Dauer vom Thron zu verdrängen, wird die Zeit zeigen. Sicher ist aber, dass es schon lange keinen derart legitimen Anwärter auf die Ego-Shooter-Krone mehr gab!

Das ist schlecht

Die Tatsache, dass immer nur jeweils sechs Spieler gegeneinander antreten, dürfte Freunden von wilden Massenschlachten übel aufstoßen, Bots hin oder her. Zudem bereitet das Match-Making noch Probleme, die für unausgewogene Gefechte sorgen. So wird weder die Erfahrungsstufe berücksichtig, noch dafür gesorgt, dass nach Ausstieg eines Spielers die Gruppenstärke der beiden Fraktionen in der nächsten Runde aneinander angepasst wird.
Die Optik und allgemeine Technik gehen zwar in Ordnung, aber mehr auch nicht. Matschige Texturen und triste Farben trüben die fröhliche Next-Gen-Laune, was angesichts der Spielgeschwindigkeit jedoch zu verschmerzen ist.

Wer Ego-Shooter mag kommt an Titanfall nicht vorbei. Das dynamische und perfekt steuerbare Spielgefühl eines Call of Duty, gepaart mit Parcours-Einlagen und tonnenschweren Mechs auf toll designten Maps, dürfte selbst alte Hasen überzeugen. Der neue Multiplayer-Shooter-König ist geboren! Solisten werden jedoch nicht glücklich.