Eines der wohl am meisten herbeigesehnte Werke der Videospielgeschichte steht nun endlich im Handel. CD Project Red hat sich viel Zeit gelassen, um den dritten Teil der beliebten Witcher-Reihe auf Hochglanz zu polieren, was trotz aller Ungeduld bei den Fans auf flächendeckendes Verständnis stieß. Keiner wollte seine Vorfreude durch ein verbuggtes Mammutprojekt getrübt sehen. Wir haben unzählige Stunden die PS4- und Xbox One-Version gezockt. Doch jetzt, wo es endlich so weit ist, stellt sich die Frage ob The Witcher 3: Wild Hunt den hohen Erwartungen gerecht wird. Unser Test verrät es euch, doch eines gleich vorweg: Zückt schon mal euer Portemonnaie!

Darum geht's:

Bei The Witcher handelt es sich um die digitale Umsetzung der erfolgreichen Fantasy-Reihe des polnischen Schriftstellers Andrzej Sapkowski. Wer sich also für die Welt und Charaktere darin interessiert, der sei an dieser Stelle auf die Romane verwiesen, würde eine diesbezügliche Ausführung doch unseren Rahmen sprengen. Nur soviel: Ihr seid Geralt von Riva, ein ausgebildeter Hexer und damit durch eure übermenschlichen Sinne, überragende Kampfkunst und euer Wissen über Alchemie sowie rudimentäre Kampfzauber besten geeignet, um Monster zur Strecke zu bringen. Und das werdet ihr in dem Action-Adventure des Öfteren tun, wozu ihr euch eures Silberschwertes bedient. Und sollten euch auch mal die Menschen dumm kommen – was nicht minder häufig passiert – zückt ihr stattdessen die Stahlklinge. Wirkt zudem besagte Kampfzauber, um euren Rüstungsschutz zu erhöhen oder euch die Gegner mit einer Feuer- oder kinetischen Druckwelle vom Leib zu halten. Nützlich sind auch diverse Tränke oder Klingenöle, welche ihr aus gefundenen Zutaten selber braut. Wem das zu elfenhaft ist, der kann sich auch Bomben basteln und den Sprengmeister spielen. Ach ja, eine handliche Armbrust tragt ihr auch noch bei euch, falls mal was aus der Luft geschossen werden muss.

Neben der Hauptstory werdet ihr am Wegesrand Unmengen an Nebenquests oder Hexeraufträge finden. Während ihr bei ersteren meist den Menschen der aktuellen Umgebung bei ihnen mitunter durchaus interessanten Problemchen helft, handelt es sich bei Letzteren um lukrative Monsterjagden, bei denen ein investigatives Vorgehen im Vorfeld ebenso dazugehört, wie der Kampf an sich. Denn so ein Biest, oder auch ein Geist, will zunächst mal gefunden und auf Schwachstellen abgeklopft werden, wollt ihr letzten Endes eure Belohnung einheimsen. Denn bei aller tief in seinem Herzen verborgenen Güte muss auch Geralt essen, um Lebensenergie zu regenerieren und seine Waffen und Rüstungen beim Schmied in Schuss zu halten, was nun mal bare Münze kostet. Und auch euer Pferd Pötze, das ihr jederzeit herbeipfeifen dürft, möchte vielleicht mal einen neuen Sattel, der die Tragekapazität oder die Ausdauer erhöht. Und angesichts der gigantischen Ausmaße der offenen Welt tun wir gut darin, es uns mit unserem Reittier nicht zu verscherzen.

Das ist gut:

The Witcher 3 ist wie ein schwarzes Loch: Kommt ihr dem Spiel zu nah, saugt es euch unweigerlich ein. Sobald das Spiel euch in die offene Welt entlässt, die 35-mal so groß ist wie die im Vergleich enge Spielwiese des Vorgängers, gibt es für euren Forscherdrang kein Halten mehr, sodass die Hauptstory rasch in den Hintergrund gerät. Irgendwas gibt es immer zu tun, und sei es nur herauszufinden, was hinter dem nächsten Fragezeichen auf der Weltkarte steckt oder eine letzte Zutat aufzutun, um sich vom Schmied eine neue Rüstung zimmern zu lassen. Jede Stadt und selbst jedes Dörfchen strahlt seine eigene Atmosphäre aus, hat eine eigene Geschichte und interessante Einwohner zu bieten. Und manchmal möchte man auch einfach nur den idyllischen Sonnenaufgängen entgegengehen und ohne Ziel durch die detailverliebte wunderschöne, lebendige Welt spazieren, die wirkt, als sei sie auf natürlichem Wege genauso entstanden, und damit allen generischen Leveldesigns anderer Open-World-Spiele den Mittelfinger zeigt.

Nimmt man nun also die imposante und abwechslungsreiche Optik, das leicht zu erlernende, aber dennoch ausreichend taktische Kampfsystem, die wirklich toll geschriebenen Dialoge, die filmreife Story, die vielen glaubwürdigen Charaktere in einer atmenden, schmutzigen Welt und den schieren Umfang zusammen, ergibt das ein Spiel der absoluten Superlative, das euch über Wochen beschäftigen wird. Ganz ehrlich: Nehmt euch Urlaub, es lohnt sich!

Das ist schlecht:

Neben all der optischen Detailverliebtheit fallen leider ab und an unschöne Clippingfehler ins Auge. Zudem bewegt sich Geralt – insbesondere für Zocker, die sich zuvor in Bloodborne ausgetobt haben – dann doch eher ungelenk. Und auch die Kamera während der Kämpfe nachjustieren zu müssen, ist man als solcher nicht mehr gewohnt.
Und jetzt entschuldigt mich, ich habe da noch ein paar Nebenquests offen. Und ich brauche dringend das Geld, weil ich doch ein neues Schema gefunden habe, um mir ein neues Schwert … und da ward er für Wochen nicht mehr gesehen.

Es ist so gut geworden wie erhofft! The Witcher 3 protzt mit einer fantastischen Grafik, einer gigantischen offenen Welt und einem toll geschriebenen Skript, welches im Videospielsektor in dieser Qualität nahezu einzigartig ist. Schon jetzt unser heißester Kandidat auf den Titel 'Spiel des Jahres'! Nehmt also Abschied vom Weibe und den Kindern und holt euch dieses Game!