Telltale hat offensichtlich die Zeichen der Zeit richtig gedeutet und erkannt, dass der Markt in Sachen Zombies mittlerweile hoffnungslos übersättigt ist. Es ist also ein guter Zeitpunkt, die wohl bekannteste Serie der zu einer Ikone herangereiften Spieleschmiede zu Grabe zu tragen. Eine gute Entscheidung. Denn nachdem die vorangegangene Staffel recht beliebig wirkte und die beliebte Protagonistin Clementine zudem zu einer Nebenfigur herabstufte, ist mit Blick auf das Finale unser Interesse für das letzte Abenteuer der jungen Heldin wieder neu entfacht. Ob „The Final Season“ auch abseits des Abschluss-Bonus zu fesseln weiß, verrät euch unser Test der ersten Episode. Garantiert spoilerfrei!

Darum geht’s:

In „Genug mit Wegrennen“ ist Clementine, die wir vor gut sechs Jahren an der Seite ihres Retters Lee Everett noch als furchtsames kleines Mädchen kennenlernen durften, zu einer toughen jungen Frau gereift, die ganz genau weiß, wie der Zombie schlurft und auf die niemand mehr aufpassen muss. Ganz im Gegenteil, hat doch nun sie selber die Rolle der Beschützerin des gar nicht mehr so kleinen Alvin Jr. inne. Auf der Suche nach einem Ort zum Verweilen stoßen die beiden in der ersten von insgesamt vier geplanten Episoden auf eine Gruppe Jugendlicher, die als Zweckgemeinschaft in einem ehemaligen Schulheim der Zombie-Apokalypse zu trotzen versucht. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten.

Das ist gut/schlecht:

Wer auch nur ein Telltale-Adventure gespielt hat, findet sich in der altbekannten Mischung aus Gesprächen mit optionalen Antwortmöglichkeiten, freien Erforschungspassagen und Quick-Time-Action-Sequenzen sofort zurecht. Zwar gibt es diesmal ein paar neue Gameplay-Elemente – so könnt ihr Beißer zum Beispiel taktisch klug mit Fallen ausschalten und seid auch mal mit einer Taschenlampe in der Finsternis unterwegs – doch im Kern bleibt sich die Reihe spielerisch treu.

Das mag generell eher einen Minuspunkt darstellen, mit Blick auf die Tradition der Reihe hätten wir riskante Experimente ausgerechnet im Finale jedoch eher als störend empfunden. Ähnliches gilt für die dann doch sehr angestaubte Engine. An sich gehört diese längst eingemottet, in diesem Falle erscheint sie uns jedoch fast als nostalgische Reminiszenz an vergangene Zeiten. Zumal die Qualität der Grafik nochmal einen letzten Sprung nach vorne gemacht hat und trotz der alten Technik so detailliert erscheint wie noch nie.

Mehr ist aus der Engine wohl nicht rauszuholen, zu deren Altlasten leider abermals die fast schon traditionellen Ruckler gehören. Zwar treten diese nicht mehr im Spiel selber, sondern nur beim Nachladen der nächsten Szene auf, deshalb fallen die stotternden Umbrüche aber nicht weniger störend ins Gewicht

Dafür lässt sich die Kamera nun fast immer frei drehen, und dass es erstmals eine deutsche Sprachausgabe gibt, ist ein sehr willkommenes Novum, auf das wir schon gar nicht mehr zu hoffen gewagt haben. Doch auch hier hat die Medaille leider zwei Seiten, da leider ausgerechnet Clementines Sprecherin die Rolle emotional nicht auszufüllen weiß.

Inhaltlich finden wir die Prämisse, dass Clem auf Gleichaltrige trifft, äußerst erfrischend, jedoch ist nicht von der Hand zu weisen, dass im weiten Zombieversum so gut wie jedes Drama schon erzählt wurde und einem alles irgendwie bekannt vorkommt. Das Thema ist nun einmal durchgekaut wie ein Leichnam aus der ersten TV-Staffel in Atlanta. Das dürfte Fans der Serie jedoch nicht weiter stören, die schließlich unbedingt wissen wollen, wie es zu Ende geht.

Seltsam zwar, dass so gut wie gar nicht auf die Geschehnisse der vorangegangenen Staffel eingegangen wird, aber die Macher haben ja noch drei Folgen Zeit, die Storylücken zu schließen. Außerdem wird Neulingen der Einstieg damit leicht gemacht. Wenngleich wir allen Interessierten natürlich ausdrücklich dazu raten, von vorne zu beginnen!

Am Ende bleibt ein weiterer typischer Telltale-Spiel-Film, der in erster Linie von einem Charakter lebt, mit dem wir schon so viel durchgemacht haben. Altbackenes Spielprinzip und überholtes Technik-Korsett hin oder her, diesen Weg gehen wir gemeinsam mit Clem zu Ende. Komme, was da wolle!

Episode 1 von "The Walking Dead: The Final Season" ist ab sofort für Playstation 4, Xbox One, Nintendo Switch und PC erhältlich.

Die erste Episode von „The Final Season“ bleibt abseits einiger gelungener Neuerungen der Serientradition treu und bietet ein spannendes Setting. Zwar mag man gefühlt alles schon einmal gesehen haben, doch die Aussicht auf das Ende von Clementines langer Reise macht dieses Abenteuer zu etwas ganz Besonderem.