Das ist gut:

Ihr startet lediglich in einen Krankenhauskittel gekleidet, und macht euch zunächst mit den Grundlagen der Steuerung vertraut, bis ihr schließlich das bereits aus dem Vorgänger bekannte Exo-Suit erhaltet. Dank der mechanischen Hilfe des modularen Außenskelettes seid ihr in der Lage, teils gigantische Waffen zu schwingen, Rüstungen und Implantate zu nutzen und eure Gegner nach allen Regeln der Kunst auseinanderzunehmen, was im Falle von „The Surge 2“ durchaus wörtlich zu nehmen ist.

Der Clou des Kampfsystems besteht nämlich darin, dass ihr die Ausrüstung eurer Kontrahenten ergattern könnt, indem ihr gezielt die Körperteile abtrennt, an denen diese getragen werden. Ihr wollt den Helm, den der Elite-Soldat da drüben trägt? Dann nehmt seinen Kopf ins Visier und trennt ihm die Rübe mit horizontalen Schlägen ab! Wollt ihr indes an einen Arm ran, drescht ihr mit vertikalen Schlägen darauf ein. Das alles ist zwar deutlich mühseliger, als einfach auf ungeschützte Bereiche einzuprügeln, dafür erhaltet ihr dann aber auch die Blaupause für das begehrte Ausrüstungsteil.

Diese Mechanik führt der in vielen anderen Games eher selbstzweckhaften Brutalität geschickt eine wesentliche taktische Komponente zu, und entfacht bereits nach kurzer Zeit das Loot-Fieber, ohne dass ihr euch über den Zufallsfaktor irgendwelcher Kisten ärgern müsst. Es gibt sehr viel mehr Ausrüstung und Waffen als im Vorgänger, so dass ihr der Hoffnung auf lohnende Beute stets wachen Auges in die Kämpfe geht, die mit vielfältigen Animationen und martialischen Finishern dazu auch noch äußerst ansehnlich in Szene gesetzt wurden.

Zwar lohnt es sich aufgrund der zu erwartenden Boni, spezielle Ausrüstungssets zusammenzutragen und diese mit gesammelten Tech-Scrap – der Währung in „The Surge 2“ – aufzuwerten, da die deutlich gestiegene Gegnervarianz jedoch immer wieder ein Umdenken in der Kampftaktik erfordert, seid ihr angehalten mit den zehn verschiedenen Waffengattungen herumzuexperimentieren. Manchmal braucht es halt einen wuchtigen Hammer, wenn agile Klauenhandschuhe nicht mehr helfen.

Beim Zusammenstellen eurer Ausrüstung gilt es, das Fassungsvermögen des Exo-Rigs im Blick zu behalten. Nimmt ein dringend benötigtes Implantat, welches euch beispielsweise gegen bestimmte Elementschäden immun macht, zu viel Platz weg, müsst ihr halt an anderer Stelle einsparen, oder solange grinden, bis ihr eure Slots über Stufenaufstiege erweitert habt. Auf diese Art steigert ihr genretypisch dann auch Gesundheit und Ausdauer. Sterbt ihr – und das wird ebenfalls genretypisch oft passieren – bleibt euch eine gewisse Zeit, eure Beute zurückzuholen, um diese dann diesmal hoffentlich rechtzeitig in der Basis in Sicherheit zu bringen.

Als Alternative zu den für euch nicht verfügbaren Schusswaffen stehen diverse Drohnen-Typen zur Verfügung, deren tatkräftiger Einsatz diesmal glücklicherweise nicht an euren Energieverbrauch gekoppelt ist. Das Heilsystem wurde ebenfalls überarbeitet. Anstatt eure Infusionen immer wieder an bestimmten Stationen auffüllen zu müssen, regeneriert sich der Vorrat, indem ihr mit erfolgreichen Treffern einen Balken füllt. Offensives Vorgehen wird also belohnt, unnötig lange Laufwege vermieden.

Apropos Laufwege: Einer der größten Kritikpunkte des Vorgängers bestand in dem eintönigen Leveldesign einer tendenziell schon wenig spannenden Fabrikanlage. Da hat das äußerst abwechslungsreiche Jericho City mit seinen Ghettos, Parks, Prunkvierteln oder Militär- sowie Hafengebieten schon deutlich mehr zu bieten. Das Erkunden der weitverzweigten Areale belohnt euch dazu noch mit vielen versteckten Abkürzungen, verborgenen Items, Nebenquests und manch interessanter Geschichte. Neben dem coolen Kampfsystem avanciert das Setting somit zum zweiten großen Star in „The Surge 2“.