Das ist gut:

Die Mannen des Entwicklerhauses „Frogwares“ haben über ihre Sherlock-Holmes-Reihe bereits viel Erfahrung mit Detektivspielen gesammelt, versuchen sich jedoch zum ersten Mal an einer offenen Welt und Baller-Passagen. Auf Letztere wollen wir später zu sprechen kommen, können ansonsten aber schon mal vorwegnehmen, dass das Setting verdammt gut gelungen ist und das wahnhafte Flair des Cthulhu-Mythos gelungen einfängt. Statt euch mit dem üblichen Splatter-Blutbad-Zombie-Dämonen-Einerlei erschrecken zu wollen, gelingt es den Machern, eine Atmosphäre aufzubauen, bei der sich einem förmlich die Nackenhaare in Ahnung einer nicht zu fassenden Gefahr aufstellen.

Okkultismus, Wahnsinn aber auch Rassismus – der sich ja bekanntermaßen durch Lovecrafts Werke zieht, auch wenn diese Tatsache gerne mal unter den Tisch gekehrt wird – nagen spürbar an der herrlich schaurig inszenierten Stadt. Deren sieben Bezirke durchquert ihr entweder zu Fuß oder mit dem Motorboot, um Rätsel und Fälle zu lösen, die euch vorn durchweg interessant geschriebenen Charakteren über Haupt- und Nebenmissionen anvertraut werden.

Im Gegensatz zu den meisten Vertretern des Open-World-Genres, werdet ihr eure Questmarker auf der Karte dabei jedoch selber setzen müssen. Denn die Lösung eines Falles beschränkt sich nicht darauf, von einem blinkenden Punkt zum nächsten zu rennen, sondern will mittels Detektivarbeit erst aufgespürt werden. Meist startet ihr lediglich mit einem vagen Hinweis und müsst selber entscheiden, wie ihr Vorgehen wollt. Hilfreich ist es oft, in der hiesigen Polizeistation Akten zu wälzen, Zeitungsberichte zu studieren oder im Krankenhaus zu fragen.

Seid ihr aufmerksam, gelangt ihr so irgendwann an einen Tatort, wo ihr weitere Hinweise zusammentragt und den Tathergang in Form einer Vision der Vergangenheit rekonstruiert. Dabei gilt es stets, eure geistige Gesundheit im Blick zu behalten, die von der sogenannten Retrokognition in Mitleidenschaft gezogen wird und Halluzinationen zur Folge haben kann. Abhilfe schaffen Psychopharmaka oder schlicht Entspannung, indem ihr euren Blick lange genug vom Horror abwendet.

Wisst ihr alles, was ihr glaubt Wissen zu müssen, fügt ihr die Puzzleteile abschließend in den bereits aus den Sherlock-Holmes-Spielen bekannten Gedankenspielen zusammen und müsst entscheiden, welche Lösung eurer Meinung nach die richtige ist. Wie ihr einen Fall bewertet, kann sich auf die Geschichte auswirken, also denkt lieber zweimal nach, bevor ihr mit dem Finger auf jemanden zeigt!

Klingt komplex und ist es auch, gestaltet sich aber genau deshalb so verdammt spannend und annehmen erfrischend. Die Geschichte hat uns bis zum Schluss in ihren Bann gezogen, wenn sie auch immer wieder von dem zweiten großen Gameplay-Element von „The Sinking City“ unterbrochen wird. Und zwar dem deutlich schlechteren.