Das ist gut:

Zunächst einmal eine Entwarnung: Die Konsolen-Fassung hat von Anfang an den deutlich einfacheren „Story-Modus“ mit an Bord, der das Überleben im Gegensatz zum klassischen „Adventure-Modus“ dank freundlicherer Aliens, mehr Ressourcen und geringerem Energieverbrauch wesentlich angenehmer gestaltet. Und auch ein Trainingsprogramm, bei dem ihr das Fliegen und Navigieren eures Schiffes üben könnt, ist vom Start weg verfügbar.

Das Absolvieren ist zwar nicht zwingend nötig, doch sehr anzuraten, denn „TLJH“ schenkt euch nichts, nicht einmal eine Bremse. Anstatt wir in Weltraum-Spielen üblich, einfach per Knopfdruck zu verlangsamen, verfügt ihr hier lediglich über den normalen Schub und einen kraftvollen Boost. Das bedeutet, dass ihr abrupte Bremsmanöver nur dadurch einleiten könnt, dass ihr euer Schiff dreht, und Gegenschub gebt. Das kostet jedoch wertvollen Treibstoff, so dass ihr euch genau überlegen solltet, wann und vor allem wie sehr ihr auf die Tube drückt.

Das Geheimnis liegt in der klugen und treibstoffschonenden Nutzung der Gravitationsfelder der Planeten. Man denke an das Schwung-Manöver aus dem Blockbuster „Armageddon“. Andererseits ist es aber nicht damit getan, sich einfach wie ein Sci-Fi-Tarzan von Planet zu Planet bis nach Hause zu schwingen, denn für die größeren Raumsprünge zwischen den Galaxien benötigt ihr „exotische Materie“, die ihr neben überlebenswichtigen Ressourcen wie  Gas, Metalle und Mineralien unter anderem auf den Planeten abbauen könnt. So ihr es denn schafft, in deren Umlaufbahn zu navigieren, um das Landemodul loszuschicken.

Das darauf folgende Minispiel in der Seitenperspektive ist zwar im Kern äußerst simpel und erinnert an diverse Atari-Klassiker, da ihr dabei jedoch nicht nur einen Piloten, sondern gleich euer einziges Modul verlieren könnt, ist höchste Aufmerksamkeit gefragt, um trotz der widrigen Bedingungen, die auf den verschiedenen Planeten-Typen herrschen, erfolgreich Ernte einzufahren. Verlorene Crew-Mitglieder lassen sich nicht ersetzen. Das Landemodul dank der Hilfe freundlich gesonnener Alien immerhin unter den richtigen Umständen schon.So ihr diese denn überhaupt findet. Denn bei jedem neuen Anlauf wird die Spielwelt neu zusammengewürfelt, so dass es sein kann, dass ihr einige der über zehn herrlich unterschiedlichen Rassen gar nicht treffen werdet. Ebenso verändern sich jedes Mal die Quests und auch die Reaktionen der NPC auf euch.

Wenn einem Wolphax eure Antworten nicht gefallen, kann dieser schon mal das Feuer eröffnen, und so eine Auseinandersetzung geht eher selten gut für euch aus. Selbst wenn ihr in dem darauffolgenden Kampf in der Draufsicht clever agiert und eure Breitseiten im Piratenstyle so gut platziert, dass ihr gewinnt, tragen Schiff und Crew doch Schaden davon, der euch das Vorankommen deutlich erschwert.

In der leichten Variante könnt ihr dankbarerweise zurückspulen. Meist ist es aber sinnvoller, ganz einfach mit der gesammelten Erfahrung neu zu beginnen. Beim letzten Mal konnten wir ein Artefakt nicht analysieren, weil wir keine Archäologin mit an Bord hatten? Jut, dann kommt sie halt diesmal mit. Wir sind zu schwach zum Kämpfen, haben aber diesmal das schnelle Schiff gewählt? Dann fliehen wir halt. Und auf diesem leidigen Lava-Planeten verlieren wir garantiert nicht noch einmal ein Landemodul.

„The Long Journey Home“ ist (speziell im Adventure-Modus) knallhart, bricht eurer Crew bei der kleinesten Fehlentscheidung die Körperteile und eurem Schiff die Hülle. Jeden Tropfen dringend benötigten Treibstoffs müsst ihr diesem Spiel abringen, das euch zu jedem Zeitpunkt spüren lässt, was für kleine Lichter ihr im großen Gefüge doch seid.

Doch genau darin liegt die Faszination. Denn sich wohlüberlegt durch dieses lebensfeindliche Universum zu kämpfen, ist dank des steten Lerneffektes irre motivierend. Ihr werdet jedes Mal besser und könnt auf eure Erfolge zurecht stolz sein. Ein Gefühl, welches einen die auf Massenmarkt getrimmten AAA-Games der weichgespülten Videospiel Neuzeit viel zu oft vorenthalten.