Bei dem Namen Fumito Ueda klingelt bei euch nichts? Dann lasst euch gesagt sein, dass dieser Mann in informierten Videospieler-Kreisen als einer der größten Künstler überhaupt verehrt wird. Seine früheren Werke ‘Ico’ und besonders ‘Shadow of the Colossus’ brillierten vielleicht nicht unbedingt durch grandiose Spielbarkeit oder bombastische Grafik, genießen jedoch absoluten Kulstatus! Warum? Tja, Kunst ist schwer in Worte zu fassen, da es dabei um Gefühle geht. Und im Spielesektor spielt kein anderer die Klaviatur der Emotionen so gut wie Ueda! Kein Wunder also, dass sein neuestes Werk ‘The Last Guardian’ von den Fans seit nunmehr gut einer Dekade herbeigesehnt wurde. Aber nun ist es ja endlich da, und wir verraten euch, ob sich das lange Warten gelohnt hat.

Darum geht's:

Großartige Erklärungen zu den Hintergründen der mystischen Spielwelt darf man Ueda-typisch auch in ‘The Last Guardian’ nicht erwarten. Ihr erwacht als namenloser Junge in einem Verlies, seltsame Symbole zieren euren Körper und neben euch liegt angekettet ein fremdartiges Mischwesen. Irgendwo zwischen Katze und Vogel angesiedelt wird das riesige Tier namens „Trico“ im Laufe des Abenteuers zu eurem besten (und einzigen) Freund, ohne den ihr die übergeordnete Aufgabe, nämlich aus dem gigantischen Burgkomplex zu entkommen, nicht lösen könnt. Dazu müsst ihr aber erst einmal das Vertrauen des störrischen Viechs gewinnen und lernen, ihm Befehle zu erteilen. Sei es, um höher gelegene Vorsprünge zu erreichen, Mauern einzureißen oder auch Gegnern Schaden zuzufügen. Denn im Gegensatz zu den üblichen Videospiel-Konventionen seid ihr quasi hilflos. Keine Waffen, keine Rüstungen, keine roten Fässer zum in die Luft jagen. Nur ihr und der agile Trico, eine ganze Menge Umgebungsrätsel und verdammt viel Raum zum Interpretieren. Ein Ueda halt!

Das ist gut:

Und er hat es wieder einmal geschafft. Seit ‘Shadow of the Colossus’ gab es schlicht kein anderes Spiel, dem es gelungen ist eine derart verträumte Atmosphäre aufzubauen, die mit ihrer erhabenen Ruhe tatsächlich so etwas wie Sehnsucht in uns aufkommen ließ. Es mangelt im Laufe des Abenteuers zwar nicht an Dramatik, doch ‘The Last Guardian’ nimmt sich das Recht raus, auf so ziemlich jeden Ballast moderner Spiele zu verzichten und reduziert sich damit auf die Leichtigkeit des Seins. Natürlich lenkt ihr den Jungen, lauft, klettert und springt, und doch steht weniger das Spielen an sich, als vielmehr das Erleben dieser wunderbaren Welt im Vordergrund. Und natürlich Trico, das womöglich glaubwürdigste Tier … ach was sagen wir, der wohl glaubwürdigste Charakter, den ihr jemals in einem Spiel erleben durftet. Das Wesen ist nicht nur unglaublich lebensecht animiert, es verhält sich auch noch erstaunlich überzeugend, verweigert zuweilen stur eure Anweisungen, tobt ausgelassen im Wasser, schnuppert hier und da herum und wird euch so dermaßen ans Herz wachsen, dass ihr jedes Mal unruhig werdet, wenn euch das Spiel mal trennt. Und so erzählt ‘The Last Guardian’ nicht bloß eine Geschichte von Freundschaft und Vertrauen, sondern lässt euch in einer Form daran teilhaben, wie es nur das Medium der Videospiele und das Gamedesign eines Fumito Ueda vermögen. Wie gesagt, das Ganze ist schwer in Worte zu fassen. Ihr müsst es am besten selbst erleben!

Das ist schlecht:

Doch seid gewarnt: Dieses Spiel führt in jeder Hinsicht die Traditionen seiner Vorgänger fort. Und das bedeutet nicht nur in künstlerischer Hinsicht, sondern auch in technischer. Denn grafisch sieht man dem Titel an, dass er ursprünglich für die Playstation 3 geplant war, weshalb es umso mehr überrascht, dass die Bildrate besonders zum Ende hin immer wieder ins Stottern gerät. Alles kein Beinbruch, doch wenn man sich mal wieder mit den Tücken der hakeligen und zudem noch leicht verzögerten Steuerung herumschlägt, oder Trico einfach nicht machen will, was man dem Biest sagt, vergisst man zuweilen gerne mal, wie grandios dieses Spiel ist. Auch die Kameraführung wird euch das eine oder andere Mal nicht nur in den Wahnsinn, sondern auch in den nächsten Abgrund treiben. Nichtsdestotrotz erwartet euch mit ‘The Last Guardian’ eine Perle unter den Videospielen, wie sie nur sehr, sehr selten zu finden ist. Seht also über die Macken hinweg, und spielt dieses Spiel! Es lohnt sich!

The Last Guardian ist ab sofort für Playstation 4 erhältlich!

Das lange Warten hat sich gelohnt! ‘The Last Guardian’ ist ein Meisterwerk der Videospielkunst, das man einfach selbst erlebt haben muss. Diese einzigartige Atmosphäre und vor allem euer unglaublich lebensechter Begleiter lassen einen die Macken in Sachen Technik und Steuerung glatt vergessen. Ein solches Spiel erlebt man selten! Danke, Fumito Ueda, für diese Perle!