Als Ubisoft vor einigen Jahren den ersten Trailer zu The Division präsentierte, sah die Weltöffentlichkeit Bilder eines Third-Person-Ballerspiels in einer Optik, die ihresgleichen suchte. Leider zeigte sich bald, dass hierbei bloß ein trauriger Trend fortgesetzt wurde und die Grafik im fertigen Produkt nicht annähernd mit der im Rendervideo mithalten kann. Dafür allerdings ist The Division zumindest in spielerischer Hinsicht sehr viel mehr geworden als bloß der erwartete Deckungs-Shooter.

Darum geht's:

Das Spiel verrät nicht, wie es im Rest des Landes aussieht, aber in The Division ist Manhattan am Arsch! Die gigantische Konsumwut der Amerikaner wurde ihnen zum Verhängnis, als Terrorristen ausgerechnet das Totem des Kapitalismus für ihre Zwecke nutzten und mit einem Pockenvirus infizierte Geldscheine unters Volk brachten. Die Folgen sind verheerend und das fragile System der zivilisierten Gesellschaft geht zugrunde. Die Insel wird unter Quarantäne gestellt und abgeriegelt, Banden übernehmen das Regiment und kurz darauf ist das dystopische Szenario perfekt. Zeit aufzuräumen, und da kommt ihr ins Spiel. Als Mitglied der namensgebenden Divison ist es ab sofort an euch und den letzten in Manhattan verbliebenen Ordnungshütern, auf Playstation 4, Xbox One oder dem PC Recht und Ordnung wieder herzustellen und dem Ursprung des Anschlages auf den Grund zu gehen.

Das ist gut:

The Division ist ein wunderbares Beispiel für die Symbiose verschiedener Spielgattungen. Zum einen ist es ein Third-Person-Shooter mit essentieller Deckungsmechanik, zum anderen ein komplexes Echtzeit-Rollenspiel mit starkem Fokus auf die so beliebte Jagd nach Beute in Form besserer Ausrüstung.
Nachdem ihr euch einen Charakter gebastelt habt, dürft ihr mit bis zu drei Freunden ein New York besuchen, welches trotz aller Unkenrufe äußerst ansehnlich in Szene gesetzt wurde. Trotz der klaren Koop-Ausrichtung des Spieles dürft ihr löblicherweise aber auch alleine ran und euch ganz in Ruhe der beklemmenden Atmosphäre hingeben. Damit ist allerdings spätestens dann Schluss, wenn ihr auf Gegner trefft und erschrocken feststellt, dass ein Kopfschuss den Feind nun mal nicht auf Kommando fällt, wenn im Hintergrund eine Rollenspielmechanik tickt. Das erfordert ein Umdenken von alteingesessenen Revolverhelden, die sich auf einen wilden Tanz aus Stellungswechsel, Granatenwürfen und gezieltem sowie blindem Feuer einstellen müssen, bis der Lebensbalken endlich leer ist. Eure Chancen verbessert ihr, indem ihr durch Levelaufstiege immer neue aktive und passive Fähigkeiten sowie diverse Perks freischaltet. Und natürlich durch immer bessere Waffen und Ausrüstungsteile, von denen ihr die besten in der Dark Zone findet.
Damit ist ein klar abgegrenzter Bereich gemeint, in welchem sich bis zu 24 Spieler tummeln, um entweder gemeinsam auf Beutejagd zu gehen, oder sich gegenseitig über den Haufen zu ballern. Ein äußerst spannender Ansatz, denn gefundene Ausrüstung muss zunächst markiert und ausgeflogen werden, was euch für eine gewisse Zeit zu begehrten Zielen für alle anderen Spieler auf der Map macht, die euch eure Beute abspenstig machen wollen. Und wer sagt, dass euch ein Teamkamerad nicht im letzten Moment in den Rücken schießt, weil er einfach nicht gewillt ist, zu teilen? Spannend, spannend!

Das ist schlecht:

Wer ernsthaft geglaubt hat, dass The Division am Ende so aussieht wie im E3-Trailer seinerzeit, der beschwert sich auch bei McDonalds, dass sein Burger nicht so aussieht wie in der Werbung. Unter diesem Gesichtspunkt können und wollen wir über die detaillierte Darstellung einer Gesellschaft am Abgrund nicht meckern.
Dafür aber über das lahme Missionsdesign, welches sich schon nach kurzer Zeit zu wiederholen beginnt und den Kämpfen einen Fließbandcharakter verleiht. Diese offenbaren zwar viel taktischen Spielraum, doch den werdet ihr angesichts der berechenbaren KI kaum nutzen müssen. Da macht der Kampf gegen menschliche Mitspieler schon mehr Spaß, doch genau das führt zu chaotischen Verhältnissen in der Dark Zone.
Zugegeben, das passt gut zur Thematik des Spieles, gestaltet die an sich so ertragreiche Beutejagd jedoch auch reichlich frustig. Allerdings kann man das nicht den Entwicklern zum Vorwurf machen, und ist letztlich auch dem Pech geschuldet, mit Leuten auf einer Map gelandet zu sein, die sich nun mal einen Spaß draus machen, allem ins Gesicht zu schießen, was sich bewegt.

Operation gelungen! Als spielerisches Frankensteinmonster vereint The Divison das Beste aus diversen Genres und entlässt euch alleine oder im Team in ein dystopisches New York mit dichter Atmosphäre. Die Mischung aus taktischen Feuergefechten und der süchtigmachenden Jagd nach besserer Ausrüstung funktioniert, krankt jedoch an einer mageren KI und dem drögen Missionsdesign.