Nach einigen Stunden dreht „The Devil in Me“ dann aber auf und macht uns zur panischen Beute in einem Hotel, in dem sich die Wände bewegen und ein Killer mit der stoischen Attitüde eines Micheal Myers Jagd auf uns macht. Empfanden wir die explorativen Momente in den Vorgängern stets als arg langweilig, wurde uns hier doch prompt in einer eben solchen Szene der gruseligste Moment der gesamten Staffel serviert – wir sagen nur: Richtmikrofon.

Auch stoßen wir bald auf ein paar der von „Saw“ inspirierten Fallen, werden zu unangenehmen Entscheidungen gezwungen und waren stets froh, wenn wir einen der serientypischen kryptischen Hinweise aufgespürt haben und zu deuten wussten, die uns in einer Art Vision mögliche Tode zeigen. Denn wie eine Situation ausgehen mag, lässt sich im Vorfeld ansonsten kaum durchdenken. Die Rettung kann bereits zuvor bei der Vergabe eines Items entschieden worden sein, ohne dass man sich dessen bewusst wird.

Wir waren von daher zuweilen etwas enttäuscht, wenn wir einer Falle aus reinem Zufall entkommen sind.

Viel Raum nehmen diese Situationen aber nicht ein. Ein wirkliches „Saw“ wird „The Devil in Me“ nicht. Es geht zwar durchaus explizit zur Sache, die Gewaltdarstellung kratzt aber lediglich am Gore, ohne diese Grenze wirklich zu überschreiten. Der wahre Horror findet aber ohnehin im Kopf statt, wenn man erst auf Schaufensterpuppen und später auf entstellte Körper vorheriger Opfer stößt, die zu mechatronischen Absurditäten umgebaut worden sind … schauderhaft.

In Sachen Gruselfaktor messert sich „The Devil in Me“ also klar an die bisherige Spitze der Reihe, wenngleich es sich nach einem starken Mittelteil zum Ende hin allzu sehr streckt und wieder etwas an Schwung verliert. Aber keine Frage: Wer bis hierhin gekommen ist, und sich bereits mehrmals in simplen Mini-Spielen und Quick-Time-Events vor dem selbst fast schon roboterartigen Mörder zu verstecken oder zu fliehen vermochte, der bleibt natürlich bis zum Schluss.

Auf der technischen Seite haben wir das Übliche zu vermelden: Die Umgebungsoptik ist okay und dank stimmigem Lichteinsatz durchaus atmosphärisch, die Charaktermodelle fallen durch gruselige Uncanny-Mimik und steife Animationen ab. Schön ist zwar, dass man nun wirklich laufen kann, anstatt wie bisher lediglich etwas schneller zu schlurfen, selten sah es aber so lächerlich aus.

Dass einige Übergänge zwischen den Szenen ob der vielfältigen Möglichkeiten, wie die Geschichte verlaufen kann, etwas unsauber wirken, können wir verzeihen. Überrascht hat uns jedoch, dass es auf der potenten Series X zu kurzen Ladebildschirmen kam – wirklich nur Sekundenbruchteile, aber dennoch vorhanden, obwohl dies eigentlich nicht nötig sein sollte.

Und um Himmelswillen: Man möge doch bitte endlich das niedrig aufgelöste Intro überarbeiten!

In Sachen Sound gibt es Licht und Schatten: Während uns die Klangkulisse in besagter Szene mit dem Richtmikro einen wohligen Schauer bescherte, gruseln uns manche der deutschen Sprecher aus ganz anderem Grund. Im Wesentlichen ist die Synchro zwar gut gelungen, aber da fallen die herben Ausreißer – gerade zu Beginn – natürlich umso mehr auf. Irritiert hat uns zudem, dass Sätze und Phrasen immer mal wieder auf Englisch ertönten. Hier wurde schlicht nicht sauber gearbeitet.

Sehr willkommen fanden wir wiederum die Option, dass man einzelne Szenen anwählen und mit einem neuen Speicherstand weiterspielen kann. Und natürlich ist auch der launige Partymodus wieder mit an Bord, bei dem das Pad zwischen bis zu fünf Mitspielern weitergereicht wird, um die einzelne Charaktere zu spielen – eine liebgewonnene Tradition, welcher der Reihe einen Teil ihres Erfolges zu verdanken hat.

Ebenfalls möglich ist ein kooperatives Online-Erlebnis mit einem Mitspieler. Dieses ist insofern äußerst interessant, als dass man zuweilen ganz woanders unterwegs ist, als der Spielkamerad und dabei Szenen erlebt, die im Singleplayer nicht gespielt werden können.

Fazit: 

Der bislang gruseligste Teil der Reihe kommt vollkommen ohne übernatürlichen Schrecken aus und serviert uns einen eiskalten Killer in bester Michael-Myers-Manier, einige von Jigsaw inspirierte Fallen und eine Gruppe von Personen, der diesmal zwar mehr Charakterzeichnung zuteilwird, die deshalb aber auch nicht klüger agiert als ihre Vorgänger in den bisherigen Spielen.

Insbesondere im launigen Koop-Modus bringt „The Devil in Me“ trotz einiger Länge zu Beginn und zum Ende hin die erste Staffel zu einem spannenden und gelungenen Abschluss. Für Staffel 2 erwarten wir aber das längst fällige Technik-Upgrade und etwas mehr Mut, hinsichtlich des Gameplays Neuerungen zu wagen.

„The Devil in Me“ ist für PlayStation 5, PlayStation 4, Xbox One, Xbox Series und PC erhältlich.