Es ist noch gar nicht so lange her, da galten Zocker als einsame Tagträumer, die ohne Kontakt zur Außenwelt, Stunde um Stunde in ihrem stillen Kämmerlein vor einem Röhrenbildschirm Zeit und CPU-Gegner totschlugen. Aus dem Kämmerlein ist heutzutage eine eigene Wohnung oder gar ein Haus geworden, aus bulligen TV-Klötzen ein schlanker Flatscreen, und alleine ist man dank Internetanbindung nie. Soziale Vernetzung ist Lifestyle und heutzutage nicht mehr nur auf RPGs begrenzt. Das MMO-Fieber hat unlängst andere Genres infiziert, und so ist auch 'The Crew' kein Racer für Menschen, die am liebsten alleine im Auto sitzen.

Darum geht's

In der Rolle des begabten Straßenrennfahrers Alex müsst ihr im Zuge eines dubiosen Treffens mit ansehen, wie euer Bruder, der nebenbei auch noch der Anführer des 5-10 Motorclubs ist, kaltblütig niedergeschossen wird. Ein korrupter Bulle hängt euch den Mord an, und so landet Alex im Knast. Fünf Jahre später bietet euch die FBI-Agentin Zoe eine Chance, der Gerechtigkeit auf die Sprünge zu helfen. Dank eurer Fähigkeiten am Steuer und dem Durst nach Rache seid ihr nämlich prädestiniert dafür, die mittlerweile hochkriminalisierte 5-10 zu infiltrieren. Um an den Kopf der Organisation, den Mörder eures Bruders, heranzukommen, müsst ihr euch aber zunächst die Karriereleiter in der Gang hocharbeiten, und so landet ihr schließlich auf der Straße.
Das Spiel beginnt stilgerecht in der Motorstadt Detroit, wo euch Zoe euer erstes Auto zur Verfügung stellt. Lasst euch Zeit, alle vier angebotenen Kisten zu testen, bevor ihr euch entscheidet, denn ihr werdet viel Zeit im Wagen verbringen. Zwar baut ihr im Laufe der Kampagne einen umfangreichen Fuhrpark auf, aber das erste Auto ist doch immer etwas Besonderes.

Nun ist es an euch, ob ihr der gut 20-stündigen Hauptstory folgt, oder euch in den Unmengen an Nebenaufträgen versucht. Letzteres sei dabei ausdrücklich angeraten, denn mit jedem Geschwindigkeitstest, Rampen-Weitsprung, Slalomrennen oder Präzisionskurs verdient ihr Bauteile, welche die Attribute eures fahrbaren Untersatzes verbessern. Zudem erntet ihr Erfahrungspunkte und steigt im Level auf, was sich wiederum auf eure Fähigkeiten als Fahrer auswirkt. Steuern sich die Autos also zunächst noch wie volle Badewannen, werdet ihr im Laufe der Zeit ein wahres PS-Monster zusammenschrauben. Dabei seid ihr nicht nur auf die Straße beschränkt, sondern könnt auch querfeldein brettern. Dazu dürft ihr euren Wagen jederzeit mit entsprechenden Sets an die Gegebenheiten anpassen, sodass aus einem schnittigen Straßenrennwagen auf einmal ein bulliger Geländewagen wird. Die offene Welt teilt ihr stets mit anderen Online-Spielern, welche ihr jederzeit zu einer Koop-Mission einladen könnt, im Zuge derer ihr die Aufgaben als Team angeht. Es reicht, wenn einer von euch gewinnt. Natürlich dürft und sollt ihr auch Crews bilden, mit denen ihr dann in Rennen gegen Crews aus der ganzen Welt antretet.

Das ist gut

Im Moment muss man aufpassen, wenn man ein Spiel kauft, auf welchem das Ubisoft-Logo prangt. Bot Assassins Creed Unity schon Spielstoff für Wochen, setzte Far Cry mit dem Umfang noch einen drauf, und jetzt kommt The Crew, ein Spiel welches euch erlaubt in einem Stück durch die kompletten Vereinigten Staaten zu düsen. Es ist klar, dass es sich dabei nur um eine Miniaturversion handelt, und doch seid ihr immer noch satte 90 Minuten unterwegs, wollt ihr von der Ost- zur Westküste fahren. Ein Trip, der sich übrigens lohnt, kommt so doch die zwangsläufig äußerst abwechslungsreiche Grafik ganz besonders gut zu tragen.

Zwar ist die gigantische Open-World – ein Superlativ, welches sich so langsam abnutzt – der Star des Spieles, aber der Oskar für die beste Nebenrolle geht natürlich an euer Auto. Dieses dürft ihr nicht nur in Sachen Leistung verbessern, sondern wie es sich gehört, auch optisch auf Vordermann bringen, was durch coole Animationen toll in Szene gesetzt wurde. Gebt euch Mühe dabei, denn euer Wagen fungiert als euer Avatar in der Online-Welt und da will man sich schließlich nicht schämen müssen. Das Fahrgefühl pfeift auf Realismus und ist klar auf Arcade ausgelegt. Natürlich könnt ihr diverse Fahrhilfen deaktivieren, ein Gran Turismo wird es aber nie. Das muss und will The Crew aber auch gar nicht. Hier wandelt man eher auf den Fahrspuren eines Need for Speed: Most Wanted oder Driver: San Fransisco.

Das ist schlecht

Die schiere Größe der Welt hat ihren Preis und so ist die Grafik in Zeiten eines Forza 2 nicht unbedingt up to date. Gebäuden und vor allem dem oft störenden Zivilverkehr mangelt es an Details, Pop-Ups und Kantenflimmern sind an der Tagesordnung. Über all das sehen wir geflissentlich hinweg, was aber so ganz und gar nicht klargeht, ist der Online-Zwang! Während unserer Testsessions ist es mehr als einmal vorgekommen, dass die Server zu Wartungszwecken heruntergefahren wurden, und wir daraufhin im Hauptmenü landeten. Klar, The Crew versteht sich als MMO, aber warum zur Hölle kann man ohne Onlineanbindung nicht einfach alleine durch die Welt cruisen, die schließlich auf die gekaufte Disc gepresst wurde? Wieso beschränkt man seine Zielgruppe auf Menschen, die gerne im Team zocken, wo es doch so einfach gewesen wäre, auch passionierte Singleplayer mit ins Auto zu holen, die keinen Bock darauf haben, dass irgendwelche Leute ihre Welt unsicher machen? Abgesehen davon, dass man einer Serverwartung wesentlich versöhnlicher gegenüberstehen würde, könnte man in der Zeit auf eigene Faust weiterhin seinen Wagen verbessern. Hätte, hätte, Herrentoilette. So hängt man leider an der Zitze der Macher, eine Entwicklung, die der moderne Spieler ja leider immer häufiger über sich ergehen lässt.

Eine offene Welt, die an Größenwahn grenzt und ein Auto als Avatar. Heizt ohne Begrenzung quer durch die USA und erledigt dabei alleine oder im Team Unmengen an Aufgaben, um aus einer lahmen Ente ein wahres PS-Monster zu formen. Der Online-Leinenzwang bremst diesen Spaß jedoch gerne mal aus.