Lange ist es her, dass wir zum altehrwürdigen „King of the Iron Fist“-Turnier antreten durften. Das letzte Mal beehrte uns die Tekken-Riege auf Konsole vor nunmehr fast fünf Jahren. Und seit das aktuelle 'Tekken 7' in den Spielhallen aufschlug, sind nun auch schon wieder zwei Jahre vergangen. Allerdings war die lange Pause wohl nötig, um neue Kräfte zu sammeln und sich damit wieder gegen die zuletzt übermächtig gewordene Konkurrenz behaupten zu können. Ob die Zeit für ein ausreichendes Training gereicht hat, verrät euch unser Test.

Darum geht's:

In 'Tekken 7' stehen sich stets zwei Kämpfer gegenüber, die sich solange gegenseitig eine aufs Maul hauen, bis einer keine Lebensenergie mehr hat. Dazu nutzt ihr alle vier Gliedmaßen, denen jeweils ein Knopf zugeordnet ist und variiert die jeweiligen Attacken dabei in der Höhe. Daraus resultiert eine schier überwältigende Fülle aus Moves und Kombos, die zu meistern viel Training erfordert. Zwar können auch geistlose Button-Masher ein effektvolles Prügelballett aufs Parkett zaubern, gegen Profis, die sich in das enorm tiefe Kampfsystem vergraben haben, sehen Laien jedoch nicht mal im Ansatz Land.

Neben den altbekannten Kontern und Juggles kommt in 'Tekken 7' den neuen „Rage-Arts“ eine kampfentscheidende Bedeutung zu. Dabei handelt es sich um extrem mächtige Manöver, die einem Kämpfer erst zugänglich gemacht werden, wenn dieser kurz davor steht, den Kampf zu verlieren. Ebenfalls neu: Der sogenannte Power-Crush, mit dem ihr einerseits mittlere und hohe Attacken des Gegners neutralisiert, andererseits aber selbst nur von niedrigen Attacken unterbrochen werden könnt.

Profis bauen dabei auf Buttonkommandos auf, mit denen sie ihren Favoriten die gleichen Manöver entlocken wie schon zu seligen Playstation-1-Zeiten. Anfänger, die vorhaben, vor allem online zu glänzen, müssen die vom Spiel unzureichend erklärten Feinheiten im Trainings-Modus wohl oder übel erst mühselig erlernen.

Das ist gut:

Mit 38 verschiedenen Kämpfer ist das 'Tekken 7'-Säckel prall gefüllt. Hier tummeln sich nicht nur sichtlich gealterte Serienlieblinge wie der Bruce-Lee-Imitator Law oder Capoeira-Gott Eddie Gordo, sondern auch sechs Neuzugänge, sowie ein frisches Jack-7-Modell und der Street Fighter-Gaststar Akuma.

Letzterer spielt sogar eine prominente Rolle in dem wuchtig präsentierten Story-Modus, der Solisten durch eine speziell für Serienneulinge verwirrende Story führt. Abhilfe schafft da die verblüffend umfangreiche Galerie, nie neben sämtlichen Filmchen aller bisherigen Teile auch ein ordentliches Info-Paket schnürt. Doch all das will erst mal mit einer Ingame-Währung freigeschaltet werden, die ihr Modi-übergreifend bei den Kämpfen verdient.

Allerdings braucht ihr das sauer erkämpfte Geld auch für den Shop, in welchem ihr aus einer Vielzahl an diversen Outfits oder Gimmicks wählt, mit denen ihr eure Recken personalisieren könnt. Diese reichen von schick bis vollkommen absurd, und haben im Gegensatz zu Injustice 2 lediglich einen kosmetischen Wert. Wer zudem sogar noch die Effekte oder gar die Optik seines Lebensbalkens verändern möchte, schaltet im motivierenden Treasure-Hunt-Modus allerlei Goodies frei. Echtgeld-Transaktionen sind nicht mit an Bord.

Grafisch gibt sich der Prügler dank Unreal-4-Engine keine Blöße und besticht mit einer sauberen Framerate, schicken Animationen und einem beachtlichen Effektfeuerwerk. Auch an Zeitlupen und Zooms, die besonders effektive Treffer gekonnt in Szene setzten, hat man gedacht. In Verbindung mit dem seit jeher unzweifelhaften und äußerst abwechslungsreichen Kampfsystem, der genauen Kollisionsabfrage und dem technisch sauberen Online-Modus schließt 'Tekken 7' wieder zu den Genregrößen auf, an denen es in diesem Jahr wahrlich nicht mangelt.

Das ist schlecht:

Wie bereits erwähnt könnten sich Neulinge zunächst erschlagen fühlen, wenn sie das erste Mal die Move-Liste eines Charakters einsehen, die gerne mal an die hundert Einträge umfasst. Da 'Tekken 7' jedoch neben einer frei konfigurierbaren Steuerung über einen ganze Menge Komfort-Funktionen verfügt, können aber auch Einsteiger mit einem simplen Tastendruck brachiale Kombos vom Stapel lassen.

Gegen die arg schwer geratenen Bossgegner im Story-Modus hilft aber selbst das nicht. Da hier selbst Profis ins Schwitzen geraten, ist es keine Schande, an dieser Stelle in den leichtesten Schwierigkeitsgrad zu wechseln. So ihr denn an arg übertriebenen und ins Abstruse abgleitenden Geschichten Freude findet. Eine nette Sache ist die Kampagne zwar allemal, allzu ernst nehmen konnten wir beispielsweise Raketen, die mit Fäusten abgewehrt werden, jedoch nicht. Zudem führten Ladevorgänge bei der von uns getesteten Xbox-One-Version immer wieder zu störenden Aussetzern in den Filmsequenzen.

Schade ist außerdem, dass die Figuren zu Kampfbeginn mit ihren 08/15-Sprüchen keinen Bezug zueinander nehmen. Das haben wir schon deutlich besser gesehen! Auch die Detailfülle der Hintergründe sowie die Mimik lassen zu wünschen übrig. Unterm Strich kann 'Tekken 7' damit zwar in keiner Kategorie den ersten Platz im Prügel-Sektor für sich verbuchen, überzeugt jedoch als Gesamtpaket und dürfte Fans der ersten Stunde nach einigen mageren Jahren endlich wieder satt machen.

'Tekken 7' ist ab sofort für Playstation 4, Xbox One und PC erhältlich.

Tekken 7 kommt spät, aber dafür mit Schmackes! Dank behutsamer Modernisierung des Kampfsystems und zeitgemäßer Grafik rückt die Traditionsreihe wieder ins obere Feld der Prügelspiele auf. Die neuen Figuren fügen sich nahtlos in den umfangreichen Kader, die Beutejagd motiviert und auch online flutscht es. Alte Hasen frohlocken, Neulinge könnte die hohe Einstiegshürde abschrecken.