Das ist gut/schlecht:

Freilich winkt für dieses Drehbuch kein Oscar und tatsächlich gestaltet sich der große Hauptplot als relativ platt. Das macht aber nichts, rückt dieser doch stets höflich zugunsten der persönlichen Geschichten beiseite, und lässt damit viel Platz für die durchweg gelungene Charakterzeichung der verschiedenen Protagonisten und der äußerst unterhaltsamen internen Gruppedynamik.

In zugegebenermaßen vielen Gesprächen, die jedoch gut geschrieben und selten langweilig daherkommen, wächst euch die ungleiche Truppe immer mehr ans Herz, bis ihr schließlich hochinteressiert lauscht, ob sich hier zwei Streithähne nicht doch noch vertragen oder dort etwa ein Keim der Zuneigung auf fruchtbaren Boden gefallen ist. Derlei Sympathie entsteht nicht von ungefähr und so ist es vor allem der ebenso gekonnten wie liebevollen Darstellung der Figuren und ihrer Beweggründe geschuldet, dass sich „Tales of Vesperia“ trotz seiner konservativen Natur wohltuend aus der Masse an JRPGs abhebt.

Das Kampfsystem wurde indes schon seinerzeit auf modern getrimmt, was sich unschwer an der verkopften Bezeichnung „Evolved Flex - Range Linear Motion Battle System" (kurz EFR-LMBS) herauslesen lässt. Die Auseinandersetzungen finden in einer Kampfarena in Echtzeit statt. Ihr steuert dabei eines der vier mitmischenden Partymitglieder, und teilt zunächst eher stumpf in Hack-&-Slay-Manier Schläge aus, blockt oder weicht aus. Im weiteren Spielverlauf verfeinern sich eure Techniken jedoch, sodass ihr bald schon ansehnlich inszenierte Combos, die sogenannten Artes, vom Stapel lasst, und die Kämpfe deutlich an Komplexität und Taktik zulegen.

Euren Mitstreitern weist ihr im Vorfeld defensive oder offensive Verhaltensweisen zu, und erteilt zudem auch auf dem Schlachtfeld Befehle. Wer ein paar Kumpels zur Hand hat, kann diesen aber auch ein Pad in die Hand drücken und damit die Kontrolle eines Kämpfers übertragen. Coole Idee. Und wenn ihr so gar keine Lust aufs Kämpfen habt, könnt ihr vielen Gegnern auch einfach ausweichen, denn Zufallsbegegnungen gibt es nicht.

Die Grafik, welche nun standesgemäß in 1080p erstrahlt (lediglich im Handheldmodus der Switch rutscht die Auflösung auf 720p), kann zwar nicht mehr mit aktuellen Titeln ähnlicher Machart mithalten, hat sich dank des unverwüstlichen Anime-Looks aber auffällig gut halten können. Schön auch, dass nicht nur neue Figuren mit an Bord sind, sondern auch gleich noch eigene Zwischensequenzen, frische Quests, neue Items, Rezepte und Gegner mitbringen.

Erfreulicherweise ist mittlerweile nahezu das gesamte Spiel vertont und neben der englischen auch die japanische Tonspur verfügbar. Wer das Original kennt, wird es zudem als Segen empfinden, dass Zwischensequenzen nun übersprungen werden können. Der mal rockige, mal poppige und oft auch klassische Soundtrack kann sich nach wie vor hören lassen und geht damals wie heute gut ins Ohr, die deutschen Texte wurden zudem kompetent übersetzt. Hier wurde sehr viel richtig und sehr wenig falsch gemacht!

„Tales of Vesperia: Definitive Edition“ ist ab sofort für Playstation 4, Xbox One, Nintendo Switch und PC erhältlich.

Früher schon verdammt gut, heute noch besser! Buntes Rollenspiel klassischer Machart, das mit einer äußerst sympathischen Heldengruppe auftrumpft und sich trotz des Alters sowohl inhaltlich als auch spielerisch durchaus noch mit aktuellen Titeln messen kann. Dank neuer Inhalte ist „Tales of Vesperia Definitive Edition“ auch für Kenner der originalen Xbox 360-Version mehr als nur einen kurzen Blick wert.