Da ist es nun. Die langerwartete Zeitmaschine im Hosentaschenformat, die geballte Ladung Nostalgie mit HDMI-Anschluss, das Daddel-Konzentrat unserer Jugend: das Super Nintendo Entertainment System Classic Mini. Der Miniatur-Nachbau einer der besten Konsolen aller Zeiten. Entsprechend groß war auch der Hype im Vorfeld. So ziemlich jeder, der den grauen Kasten vor gut 25 Jahren in seinem Kinderzimmer stehen hatte – und das waren bekanntlich so einige – wollte sich ein Exemplar ins Wohnzimmer stellen. Zwar dürfte das am Ende nicht ganz geklappt haben, aber schauen wir doch erst mal, ob das Super Nintendo Classic Mini der Vorfreude überhaupt gerecht werden kann.

Darum geht’s:

Wer das Glück hatte, ein Exemplar abstauben zu können, dem wird beim Öffnen des kompakten Paketes mindestens ein Lächeln übers Gesicht gehuscht sein. Eines von der Sorte, das man aufsetzt, wenn ein Hundewelpe mit tapsigen Schritten auf einen zugedackelt kommt. Denn die Konsole ist sooooo niedlich! Gerade mal handtellergroß und dem Original bis hin zu den Joypad-Ports nachempfunden.

Da die zwei beigelegten Pads über moderne Anschlüsse verfügen, handelt es sich bei Letzteren um eine Blende, die ihr herunterklappen könnt. Und spätestens wenn ihr die originalgetreu nachempfundenen Controller in der Hand haltet, beamt es euch vollends in euer Kinderzimmer zurück. Die Kabellänge beträgt nun etwas über 1,50 Meter. Das ist in Zeiten allgegenwärtiger Funk-Controller immer noch nicht sehr viel, aber immerhin besser als die 75 cm des NES Mini.

Ansonsten ist dem Päckchen noch ein HDMI-Kabel für den Anschluss an den Fernseher beigelegt, sowie ein USB-Stromkabel, welches allerdings ein Netzteil für die Steckdose vermissen lässt. Irgendwo hat aber sicherlich jeder so ein Teil rumfliegen, und seid ihr erst einmal fündig geworden, könnt ihr euch endlich den 21 vorinstallierten Spielen widmen, von denen selbst seinerzeit gutbetuchte Super Nintendo-Besitzer garantiert nicht alle kennen.

Das ist gut:

Denn ein „Super Mario RPG“ ist hierzulande nie erscheinen. Bei „Star Fox 2“ handelt es sich sogar um ein brandneues Spiel, welches zuvor noch nie das Licht der Welt erblickt hat. Und auch sonst fällt die Auswahl im aufgeräumten Menü wahrlich nicht leicht. Zocke ich nun „A Link to the Past“, einen der besten Zelda-Titel aller Zeiten? Versuche ich mich abermals an dem zeitlosen „Super Mario World“? Oder hole ich den Nachfolger „Yoshis Island“ nach?

Was auch immer ihr tut, ihr werdet ebenso wie wir feststellen, dass die meisten der enthaltenen Klassiker erstaunlich gut gealtert sind. Und das auch ohne irgendeine grafische Frischzellenkur. Klar, dank HDMI erstrahlen die Pixel so knackscharf an HD-Fernsehern wie nie zuvor, aber das war’s auch schon. Wem selbst das zu viel ist, der schaltet CRT-Linien dazu, um den Look alter Röhrenfernseher nachzuahmen, oder wählt die Originalauflösung. Das Format bleibt ganz klassisch 4:3. Den Rest des Bildes füllen (leider nur mäßig schicke) Rahmen aus.

Glücklicherweise liegen zwei Pads bei, so dass es nicht lange dauern dürfte, bis ihr wie damals mit einem Kumpel vor der Kiste hockt, um euch unter den verständnislosen Blicken irgendeiner Mutter laut fluchend bei „Street Fighter II“ oder „Super Mario Kart“ zu beharken. Immer noch ein Riesenspaß! Gleiches gilt für kooperative Runden wie bei der RPG-Perle „Secret of Mana“ oder dem Action-Kracher „Contra III“.

Gerade bei Letzterem merkt ihr schnell, wie knallhart Games früher doch waren. Da wir mittlerweile aber nicht mehr die Zeit haben, uns derart in einen Titel zu verbeißen, wie noch vor 25 Jahren, hat Nintendo eine Speicherfunktion implementiert. Diese erreicht man zwar nur etwas umständlich, indem man das Spiel per Reset-Knopf verlässt, dafür kann man in dem entsprechenden Menü dann aber sogar das eigene Spiel zurückspulen und den Wiedereinstiegspunkt selber wählen.

Das ist schlecht:

Bei aller Liebe zur Originaltreue wäre es schön gewesen, wenn man auch mittels Pad ins Menü wechseln könnte, um dort zu speichern oder ein anderes Spiel zu wählen. Gut, bei 1,5 Meter Kabellänge ist der Weg zum Reset-Knopf der Konsole nicht weit, und doch freut man sich als Mittdreißiger bei aller Nostalgie über jeden Komfort.

Erstaunlich zudem, dass Nintendo abermals bewusst darauf verzichtet, via Internet neue Spiele auf das Gerät laden zu können. Die Auswahl ist größtenteils hochkarätig, aber statt eines „Super Punch Out! oder eines „Kirby Superstar“ hätten wir dann doch lieber ein „NBA Jam“ oder „Super Star Wars“ in unserer Sammlung. Zumal die Auswahl mit gerade mal 21 Titeln deutlich geringer ausfällt als noch bei dem NES Mini mit seinen 30 installierten Spielen.

Das wohl größte Manko des Mini SNES dürfte aus Sicht der meisten Interessierten jedoch die geringe Stückzahl sein. So mancher spricht gar von künstlicher Verknappung seitens Nintendo. Zwar soll die Lage deutlich besser sein als beim Vorgänger, zu merken war davon bisher aber noch nichts. Da die Produktion aber bis zum Ende des Jahres weiterlaufen soll, dürfte noch ein ordentlicher Schwung nachkommen. Geduldet euch also am besten noch ein wenig, bevor ihr Mondpreise auf ebay zahlt.

Einen Rüffel haben wir noch: Selbst wenn man die Konsole im Menü auf Deutsch stellt, blieben die Spiele allesamt auf Englisch. Und das, obwohl viele der Titel seinerzeit eingedeutscht erschienen sind. Nun ist zwar selbst ein „Final Fantasy III“ kein inhaltliches Schwergewicht, schade ist es aber dennoch.

Eine Konsole, die Emotionen weckt. Nintendo liefert mit dem Super Nintendo Classic Mini nicht nur viel Spiel für wenig Geld, sondern auch eine gehörige Portion Retro-Feeling. Die meisten der 21 teils hochkarätigen Titel sind erstaunlich gut gealtert und locken auch heute noch immer wieder an das vielleicht beste Pad aller Zeiten.