Was haben Saints Row, Jet Set Radio, Infamous, Tony Hawk und Dead Rising gemeinsam? Genau, alle genannten Titel dienten offenkundig als Inspirationsquelle für Insomniac Games neue Next-Gen-Marke 'Sunset Overdrive'. Exklusiv für Xbox One bescheren uns die Macher von Ratchet & Clank ein durchgeknalltes Open-World-Abenteuer, das ebenso hip wie bunt zu sein versucht. Und es ist verdammt bunt!

Darum geht’s

Der Amerikaner, der Red Bull verklagt hat, weil das Zeug entgegen sämtlicher Werbeversprechen keine Flügel verleiht, hätte in Sunset City seine helle Freude. Der dort angesagte liquide Wachmacher namens Overcharge hat nämlich all seine Konsumenten in orangene Monstrositäten verwandelt. Nur eine Hand voll Einwohner ist verschont geblieben, kann der Misere jedoch nicht entkommen, da der für das Chaos verantwortliche Kontern FizzCo die Stadt hermetisch abgeriegelt hat. Nun ist es an euch, das Beste aus der Apokalypse zu machen. Wenn man schon mal dort ist, kann man ja schließlich auch Spaß haben.

Also bastelt ihr euch im Charaktereditor flugs eure Wunschfigur, kleidet sie in allerlei hippe und/oder abstruse Klamotten und stürzt euch auf die von Anfang an frei begehbare Stadt. Aber warum sollte man gehen, wenn man auf allem, was einer Schiene auch nur ähnelt, grinden (sprich: darauf „surfen“) kann, an Häuserwänden und über Wasser sprinten darf und sich Autodächer, Sonnenschirme oder Ventilatoren für meterhohe Sprünge zweckentfremden lassen!? Dementsprechend lautet auch das Motto: Bleibt in Bewegung! Nur so habt ihr nämlich eine Chance, den in teils riesigen Rudeln auftretenden Gegnerhorden zu entgehen, und eurerseits mit einem verrückten Arsenal an Ballermännern (Stichwort TNTeddy-Raketenwerfer) unter Beschuss zu nehmen. Habt ihr das Konzept erst mal verinnerlicht und einen Flow entwickelt, treibt ihr immer effektiver euren Kombozähler in die Höhe, wodurch sich wiederum die Style-Leiste schneller füllt. Jene aktiviert dann nach und nach besondere Fähigkeiten, eure sogenannten Amps, welche eure Waffen stärker oder eure Fortbewegung effektiver machen.

Das ist gut

Sunset Overdrive zwinkert dem Spieler vom ersten Moment an schelmisch zu. Fernab vom cineastischen Epos, welches so vielen Spielen unserer Zeit zugrunde liegt, möchte es einfach nur unterhalten und mit jeder Pore ein Videospiel sein. Das wird dermaßen zelebriert, dass die sogenannte vierte Wand laut jauchzend durchbrochen wird. Euer Alter Ego kommentiert das Geschehen immer wieder aus der Sicht eines Zockers, was für so manchen Lacher sorgt. So hört man förmlich die verdrehten Augen, als ein NPC auf die Wirkung von roten Fässern hinweist und eure Figur blafft: „Ich haben genug Videospiele gespielt, um zu wissen, wofür die Dinger da sind.“ Die Off-Stimme, welche die Tutorials vertont, wird als 'seltsame Stimme im Kopf' wahrgenommen und auch sonst finden sich zig Anspielungen auf die moderne Popkultur. Der farbenfrohe Comiclook passt bestens zu durchgeknallten Ninja-Pfadfindern und pathetische LARPern, die neben Monstern, Kriminellen oder auch Kampfrobotern Sunset City bevölkern. In die Effekte eingearbeitete KRACKS und KAPOWS runden das stimmige Gesamtbild stilvoll ab.

Das ist schlecht

Und so ist die Präsentation auch die größte Stärke von Sunset Overdrive, denn in spielerischer Hinsicht hakt es hier und dort. Auf der einen Seite legt das Spiel von Anfang an ein derart hohes Tempo vor, dass man ob der komplexen Handhabung zwangsläufig ins Straucheln kommt, hat man sich dann aber irgendwann an die Steuerung gewöhnt und begriffen, wie die Stadt als Parkour-Spielplatz funktioniert, wird es auch fast schon wieder langweilig. Die Tatsache, dass der Tod der Spielfigur lediglich für eine ulkige Respawn-Sequenz gut ist, und ansonsten nicht die geringsten Konsequenzen mit sich bringt, trägt seinen Teil dazu bei.
Zwar ist die gut 10-stündige Story nicht zuletzt aufgrund des (überwiegend) tollen Humors recht unterhaltsam, abseits davon ereilt Sunset Overdrive jedoch der aus Open-World-Spielen nur allzu bekannte 'Immer-wieder-die-gleichen-Nebenaufgaben'-Schluckauf. Leider sind die Menüs außerdem unnötig verwirrend und die Entscheidung, nur über in der Stadt verteilte Telefonzellen in den Mehrspielerbereich wechseln zu können, ist mehr als fragwürdig. Und wo wir gerade dabei sind: Warum darf man nur spezielle Missionen online im Koop spielen, und nicht gemeinsam die Stadt unsicher machen?

Bunt, laut und rotzfrech. Sunset Overdrive bietet im wahrsten Sinne des Wortes Nonstop-Action im stilsicheren Comiclook und spart dabei nicht an Humor. Abseits der abwechslungsreichen Handlung wird jedoch nur wenig Originelles geboten.