Sudden Strike. Eine der traditionsreichsten Echtzeitstrategie-Reihen. 'Sudden Strike 3', der vorerst letzte Teil der Reihe, vermochte weder Fans noch Kritiker zu überzeugen. Doch mit 'Sudden Strike 4' schickt sich nach Jahren der Pause ein Nachfolger an, die Herzen zu – Pardon! – erobern. Nicht nur auf dem PC, der gewohnten Umgebung für Spiele dieser Art, sondern auf der PlayStation 4. Nimmt der potentielle Strategiekracher das brachliegende Genre im Sturm oder versackt 'Sudden Strike 4' als Rohrkrepierer auf dem Schlachtfeld der Vergessenheit? Wir haben uns die PC-Version ausgiebig zu Gemüte geführt und verraten es.

Darum geht’s:

Wie seine beliebten Vorgänger spielt 'Sudden Strike 4'  von Entwickler Kite Games im Zweiten Weltkrieg und ist ein klassisches Echtzeit-Strategiespiel aus der isometrischen Perspektive. Als Vertreter der Alliierten, der Roten Armee sowie der Achsenmächte dürft ihr Verbände von Infanterie und Panzern, unterstützt durch Artillerie und mobile Einheiten ins Feld führen. Sieben Missionen, die jede etwas mehr als eine Stunde Zeit verschlingen, gilt es zu meistern – pro Partei, wohlgemerkt: eine Kampagne, die selbst Vollprofis mindestens 20 bis 25 Stunden beschäftigen dürfte. Ihr nehmt an einigen der bedeutendsten Schlachten des Zweiten Weltkriegs teil, zwischen denen ihr eurem erwählten General Doktrinen beibringt, die sich in Form spielerischer Boni niederschlagen.

So gebt den Truppen mehr Handgranaten mit – oder entscheidet euch, den Panzern einen Mechaniker als Crewmitglied zuzuweisen. Dabei ist die Kost, die euch geboten wird, klassisch: Ihr erobert Orte, begleitet Konvois oder haltet Stellungen gegen eine Übermacht. Die Verbände, die ihr in 'Sudden Strike 4' ins Feld führt, sind dabei kleiner als die gewaltigen Armeen, die einst das Spielgeschehen bestimmten – persönlichere Gefechte mit mehr Details aus niedrigerer Perspektive. Dabei verzichtet das Spiel auf den Basisbau, „What you see is what you get“, lautet die Devise – ihr müsst mit den Verbänden auskommen, die ihr habt – und müsst den Nachschub sicherstellen. Daher werdet für eure Infanteristen die neuen Sanitäter-Einheiten zu schätzen lernen, die der Titel im Gepäck hat. Ansonsten nichts Neues im Strategie-Westen?

Das ist gut:

Mehr oder weniger: Auf der Habenseite verzeichnet 'Sudden Strike 4' technische Stärken: Grafisch ist das Spiel gelungen, sieht man von sich etwas zu stark ähnelnden Infanteristen ab. Bäume wiegen sich sanft im Wind, verheerte Schlachtfelder starren vor Wracks und versteckte Feinde lassen sich anhand der Panzerspuren im zerwühlten Boden bis zu ihrem Schlupfloch verfolgen. Der Detailgrad ist verblüffend. Packend wird es, wenn die Gefechte beginnen und eure Panzer Fahrt aufnehmen: Dieselqualm wallt auf, während Stahlmonster die zerstörbare Umgebung pulverisieren, Geschütze reißen Mauerzüge und Fabrikwände ein, lassen vereiste Flüsse aufklaffen und senden Feinde in ein nasses Grab. Texturen und Details bewegen sich auf hohem Niveau.

Das gilt auch für den Sound und die Musik: Panzer rollen mit rasselnden Ketten vorwärts, Motoren brüllen, überlastetes Metall ächzt. Trümmer und Sandsäcke bersten unter Ketten, Stalinorgel-Raketen kreischen über das Schlachtfeld, Schüsse peitschen. Eine akustische Zerstörungsorgie, wie man sie in dieser Qualität selten bei einem Strategiespiel zu hören bekam. Das gilt auch für den mitreißenden Soundtrack, bei dem euch die Epik ab Minute 1 aus den Boxen bzw. dem Headset trieft und euch mitreißt, soundtechnisch passt in 'Sudden Strike 4' (fast) alles.

Das ist schlecht:

Denn die – in unserer Testversion englischen Sprecher – wirkten nicht immer ganz glaubwürdig, man merkt, dass Männer im Studio stehen und so tun, als würden sie unter Stress brüllen. Das ewige „Ready!“ (=bereit!) Als Bestätigung beim Anklicken der Einheiten hätte etwas mehr Varianz vertragen können. Das sind aber Wermutstropfen, die man leicht verschmerzt. Schlimmer ist da das HUD, das den Verfasser öfter genervt hat: Die blockigen, halbtransparenten Kästen mit Einheiteninfos, Minikarte sowie Verbandsgruppen stammen aus einer Epoche, die Computerspiele längst hinter sich gelassen haben, sie verdecken so manches Mal kritischen Bildschirmplatz in der Schlacht – das geht heute besser.

Auch die sich ähnelnden Infanterieeinheiten machen es schwer, im Eifer des Gefechts den Mann mit dem MG oder die absolut unverzichtbaren Sanis zu finden: Während es Artillerie hagelt nach einem weißen Helm zu suchen, ist kein wirkliches Vergnügen. Alles in allem vergleichsweise kleine Kritikpunkte, die vor den zahlreichen Stärken des Spiels die Segel streichen müssen. Unübersehbar ist, dass 'Sudden Strike 4' vor allem als Einzelspielererfahrung geplant wurde, was nicht zwangsläufig etwas Schlechtes sein muss: Die Anzahl der Mehrspielerkarten und -modi ist daher überschaubar.

'Sudden Strike 4' ist ab sofort für PlayStation 4 und  PC erhältlich.

'Sudden Strike 4' erfindet das Echtzeitstrategie-Rad zwar nicht neu, ist aber weit mehr als „nur“ ein solides Spiel: Grafisch und akustisch ein Genuss, kommt es mit einer Vielzahl von Missionen, einer abwechslungsreichen Kampagne und spannenden Gefechten daher, die Videospiel-Strategen lange an den Rechner bzw. die Konsole fesseln dürften. Zumal der Schwierigkeitsgrad rasch anzieht und euch vor einige taktische Kopfnüsse gegen eine erbarmungslose K. I. stellen wird. Echtzeitstrategie ist alles andere als tot – 'Sudden Strike 4' liefert den Beweis.