Nachdem Street Fighter IV das Beat-'em-up-Genre erfolgreich aus seinem Dornröschenschlaf prügelte, folgte Capcom-typisch Neuauflage auf Neuauflage. Doch glaubt man den Machern, besteht die größte Neuerung des jüngst erschienenen fünften Teils darin, dass ihm diese langgehegte Veröffentlichungspolitik erspart bleiben soll. Kein Hyper, kein Turbo, kein Ultra … einfach nur Street Fighter V!

Darum geht's:

Wer sich den Prügler rund um die Ikonen Ryu und Chun-Li zulegt, muss Folgendes wissen: Er kauft ein noch unfertiges Spiel! Bis zum jetzigen Zeitpunkt finden sich lediglich 16 Recken ein, die sich auf mageren zehn Stages balgen. Ein ebenso knapper wie banaler Story-Modus stellt die Figuren vor, ein Survival-Modus schickt euch Gegner um Gegner entgegen und das war's auch schon für Solisten. Passionierten Kombattanten, die sich dagegen nicht davor scheuen, online gegen Profis anzutreten, wird dagegen mit dem „Capcom Fighters Network“ schon so Einiges geboten. Replay-Videos, Ranglisten-Matches, die Pflege von Rivalitäten, sogar Duelle gegen PC-Spieler sind möglich.
Wer jedoch keine Kumpels hat, die sich für gesellige Prügeleien alternativ natürlich auch auf der heimischen Couch einfinden können, wird sich noch etwas gedulden müssen, bis Capcom den groß angekündigten Arcade-Modus per (kostenlosem!) DLC nachreicht. Auch weitere Kämpfer und Stages sollen bis zum Herbst folgen, die ihr entweder mit echtem Geld oder der spielinternen Währung erwerben könnt, welche ihr in Story- und Onlinekämpfen anhäuft.

Das ist gut:

Für Street Fighter V haben die Mannen von Capcom ordentlich aufgeräumt und damit ein wunderbar rundes und übersichtliches Kampfsystem abgeliefert. Focus-Attacken, Ultra- und Supercombos gehören der Vergangenheit an und wichen dem sogenannten V-System. Dieses gewährt jedem Kämpfer eine charakterspezifische Fähigkeit, wie zum Beispiel das Parieren von Geschossen, mit der ihr eine Leiste füllt. Zur Hälfte voll erlaubt diese einen heftigen Konter, komplett geladen aktiviert ihr den V-Trigger, der die Attribute eurer Figur und diverse Attacken zeitweilig verbessert. Sehr schön anzusehen sind zudem die neuen Critical Arts, welche ihr bei gefüllter EX-Leiste zum Einsatz bringen dürft und die locker mal ein Viertel der Lebensenergie eures Gegners weghauen.
Das alles geht gut von der Hand, fühlt sich angenehm wuchtig an und läuft dank einer konstant hohen Bildrate von 60 Bildern pro Sekunde herrlich flüssig. Anfänger finden sich schnell zurecht, doch wer sich mit den Figuren und deren Finessen auseinandersetzt, entlockt dem Kampfsystem eine taktische Tiefe, die man dem Spiel auf den ersten Blick nicht zugetraut hätte.

Das ist schlecht:

Dass wir hier ein offiziell unfertiges Spiel testen, ist in erster Linie für Solisten relevant, die bis dato wenig Freude mit dem Spiel haben werden. Ob man das als Kritikpunkt werten kann oder soll, muss jeder für sich entscheiden. Einig wird man sich da schon eher, wenn es um die Optik geht. Andere Titel haben bereits gezeigt, wie ordentliche Stages aussehen können, während die Arenen in Street Fighter V enttäuschend blass daherkommen und zudem auch noch mit teils äußerst albernen Details nerven. Eine Farce ist auch der erschreckend belanglose Story-Modus, der mit zwei bis vier Kämpfen über jeweils eine Runde gerade mal einen Abend lang mit wenig attraktiven Standbildern eher langweilt als unterhält.
Die auftretenden Clipping-Fehler werden sicherlich noch gepatcht. Aber schade ist es schon, dass diese Probleme nicht bereits mit den satten sechs Gigabyte behoben wurden, die Käufer der Disc-Fassung bereits jetzt vor dem Spielstart herunterladen müssen.

Prügelspaß mit Einschränkungen: Street Fighter V bietet zum jetzigen Zeitpunkt ein äußerst solides Grundgerüst, dem es allerdings noch an Fleisch fehlt. Multiplayer stürzen sich bereits begeistert ins Gefecht und genießen das gelungene Kampfsystem. Solisten sollten dagegen noch warten, bis Capcom den Arcade-Modus nachreicht.