Wenn uns die Welt des sportlichen Wettstreits eins mit absoluter Gewissheit gelehrt hat, dann, dass es keine absolute Gewissheit gibt. Fast jeder von uns kennt Zweikämpfe, die nach einem besonders gelungenen oder brutalen Manöver entschieden schienen. Nur, damit der vermeintliche Verlierer in letzter Sekunde mit einem beeindruckenden Comeback doch noch den Kampf für sich wendet. Warum sollte das bei Videospielen anders sein?

Berühmte Kampfspiel-Reihen gibt es viele, doch keine ist so legendär wie „Street Fighter“ – und in diesem Video sieht man einen der Gründe, warum dem so ist. Was wir hier vor uns sehen ist das legendäre „EVO“-Turnier, genauer: der Halbfinal-Kampf aus dem Jahr 2004 zwischen den beiden Kontrahenten Justin Wong und Daigo Umehara. Die Begegnung sollte als „Evo Moment 37“ oder „Daigo-Block“ in die Geschichte des seinerzeit jungen E-Sports einfließen.

„Streetfighter 3“ in Perfektion

Die beiden Kontrahenten, die im echten Leben Rivalen waren, könnten nicht unterschiedlicher in ihrer Herangehensweise sein. Wong, der die Chinesin „Chun Li“ als Fighter gewählt hatte, spielte an dem Tag konservativ und langsam, Daigo Umehara hingegen ging nach vorn. So kam es, dass sein Charakter „Ken“ nach gerade einmal 30 Sekunden am absoluten Limit knabberte, seine Leiste weniger als ein Prozent Lebensenergie enthielt.

Alles, was Wong noch tun musste, war Umehara irgendeine Attacke zu verpassen. Er entschied sich für Chun-Lius „Houyoku-Sen“-Tritt, wohl wissend, dass Spezialattacken bei einem Block immer noch Lebensenergie kosten und die dutzenden Treffer dieses „Lightning-Kicks“ das Ende für den in die Ecke gedrängten Gegner bedeuten würden. Eine beliebte Taktik für diesen Charakter.

Doch statt auszuweichen oder zu blocken parierte Daigo!

Ein riskantes Manöver, dazu mit dem Rücken zur Wand und einem Charakter, der so gut wie k.o. war. Denn hierfür muss man sich in den Move einen Kontrahenten hineinbewegen – und das Timing absolut perfekt sein. Weniger als ein Siebenhundertstel einer Sekunde hatte Daigo zum Timen, der Block funktioniert in nur 4 von 30 Frames der Trittanimation der Kämpferin – astronomisch geringe Chancen.

Doch Umehara konterte Justin Wongs Angriff in genau diesem unvorstellbar kleinen Zeitfenster mit unerreichter Präzision. So wendete er das Blatt und unter ungläubigen Begeisterungsstürmen setzte er zu einer Salve aus Gegenangriffen an, mit denen sein Ken mit Wongs Chun-Li den Boden wischte. Der Jubel in die Halle spricht Bände.