Blizzard weiß, wie man eine Marke am Leben erhält. Während andere Entwickler auf Krampf Jahr für Jahr einen neuen Serienteil herausbringen, und das Interesse damit tatsächlich eher erlahmen lassen, als es am Leben zu erhalten, erfreut sich Starcraft 2 auch fünf Jahre nach Veröffentlichung großer Beliebtheit. Die gelungenen Add-Ons tragen natürlich ihren Teil dazu bei, wobei das hier getestete Legacy of the Void nach Wings of Liberty und Heart of the Swarm den Abschluss einer denkwürdigen Trilogie darstellt.

Darum geht's:

Um Legacy of the Void zocken zu können, benötigt ihr die Vorgänger nicht, ist dieses doch als Standalone-Erweiterung konzipiert. Eine kurze Einleitung bringt dabei auch Neulinge auf den aktuellen Stand. Veteranen dagegen wissen natürlich, dass nun die Protoss als spielbare Rasse an der Reihe sind.
Ihr verkörpert den Kriegshelden Artanis, der die undankbare Aufgabe hat, sein Volk zu befreien und dessen Heimatwelt Aiur von den Zerg zurückzuerobern. Doch wie sich bald herausstellt, geht es letzten Endes um nicht weniger als das Schicksal allen Lebens in der Galaxis, welches eine fiese Gottheit namens Amon auszulöschen gedenkt.
Glücklicherweise finden sich alte Hasen sofort zurecht. Am spielerischen Grundgerüst hat sich erwartungsgemäß nämlich nicht viel geändert. Im Kern geht es in dem Echtzeitstrategiespiel stets darum, Ressourcen abzubauen, um seine Basis hochzuziehen, und damit wiederum eine möglichst schlagkräftige Armee auf die Beine zu stellen, die man dann in den Kampf gegen seine Feinde führt.

Das ist gut:

Was für Nichtkenner womöglich etwas eintönig klingen mag, hat Blizzard mal wieder so wunderbar abwechslungsreich verpackt, dass einem während der 22 Missionen nie langweilig wird. Neben spannenden Skripts, die den Einsätzen erst die richtige Würze verleihen, freuen sich Starcraft-Veteranen über insgesamt drei verschiedene Ausführungen jeder Protoss-Einheit nebst der Möglichkeit, diese vor jedem Einsatz auf eurem Mutterschiff „Speer von Adum“ immer wieder neu zusammenstellen zu können. Eure fliegende Basis verfügt dabei ebenfalls über aktive und passive Fähigkeiten – wie zum Beispiel einen Orbitalschlag oder den schnelleren Aufbau von Einrichtungen – die ihr mit dem in Nebenaufgaben verdienten Rohstoff Solarit freischalten könnt. Auch hier lassen euch die Macher Raum für Experimente, da ihr die Punkte für euer Schiff stets neu verteilen könnt. Auf diese Art und Weise könnt ihr so lange herumprobieren, bis ihr die optimale Konfiguration für eure Spielweise gefunden habt.
Gesellige Naturen toben sich in einer kurzen Koop-Kampagne aus oder teilen sich im neuen Archon-Modus die Kontrolle über Basis und Einheiten, um gegen andere menschliche Spieler zu bestehen. Alternativ dürft ihr euch natürlich auch alleine im regulären Mehrspielermodus eure Sporen verdienen. Stellt euch aber dank diverser Neuerungen auf ein angenehm erhöhtes Spieltempo ein.

Das ist schlecht:

Ähnlich wie im Falle des kürzlich getesteten Fallout 4 kommen wir auch bei Starcraft 2: Legacy of the Void nicht um einen Rüffel für die betagte Grafikengine herum. Dafür stimmt es aber mit epischem Orchestersound auf der akustischen Seite.Und so bombastisch die Zwischensequenzen auch inszeniert sind, so kitschig sind sie mitunter. Ob das nun einer Kritik würdig ist, sei dahingestellt, aber eigentlich sollte unser aller Lieblingshobby in Sachen Erzählkunst schon einige Schritte weiter sein.
Abschließend lässt sich noch festhalten, dass Legacy of the Void insbesondere für Kenner der Reihe viel zu leicht sein dürfte. Startet also am besten gleich in einem der höheren Schwierigkeitsgrade, da euch „Normal“ nicht viel abverlangen dürfte.

Finale mit Wumms! Legacy of the Void beschließt die Starcraft-2-Trilogie mit viel Abwechslung, gewohnt guter Spielbarkeit und einer gehörigen Portion Pathos. Veteranen finden hier neben einer Menge Spielspaß alle noch offenen Antworten, Neulingen wird der Einstieg dank des moderaten Schwierigkeitsgrades leicht gemacht.