Das ist gut:

Wer hätte das gedacht? Anstatt die Spieler einfach nur durch fulminant inszenierte Filmsets zu scheuchen und ein bisschen mit dem Lichtschwert hantieren zu lassen – was der darbenden Spielergemeinde wahrscheinlich sogar schon vollkommen ausgereicht hatte – präsentiert man uns mit „Star Wars: Jedi Fallen Order“ einen überraschend anspruchsvollen Genre-Mix, der gute Reflexe, Kenntnis der Gegner, die Lust am Erforschen und sogar Köpfchen erfordert.

Fangen wir mit dem Kampfsystem von „Star Wars: Jedi Fallen Order“ an. In den Gefechten mit imperialen Streitkräften und der aggressiven Fauna der verschiedenen Planeten, reicht es nämlich nicht, wie bei den meisten „Star Wars“-Spielen bisher, wild mit dem Lichtschwert drauflos zu kloppen. Stattdessen müsst ihr die Bewegungen euer Gegner studieren, ausweichen, blocken und im richtigen Moment parieren, wenn ihr überhaupt Land sehen wollt, und nicht unbedingt auf dem niedrigsten der vier Schwierigkeitsgrade spielt.

Im Laufe der Zeit lernt ihr zwar neue Manöver, ähnlich wie in „Sekiro“ steht euch aber von Anfang bis zum Ende nur dieses eine Schwert zur Verfügung, das ihr lediglich optisch pimpen könnt. Auch verschiedene Rüstungen oder Derartiges gibt es nicht, was selbst einen Jedi äußerst verletzlich macht. Soll heißen: Grinden ist nicht. Entweder ihr lernt kämpfen, oder sterbt! Und das ist verdammt noch mal auch gut so.

Doch der Mut, die einträgliche „Star Wars“-Marke für „Fallen Order“ ausnahmsweise mal auf Pfade abseits des Casual-Marktes zu führen, hört hier noch lange nicht auf. Nachdem ihr im Zuge der atemlosen Einführung auf halsbrecherische Art und Weise die Grundlagen erlernt habt, öffnet sich die Spielwelt mit Ankunft auf dem ersten Planeten, den ihr auf eigene Faust erkunden könnt. Zwar sind wir hier noch zig Quadratmeilen von einer Open World entfernt, doch abseits des Weges zum nächsten Missionsziel gibt es in „Star Wars: Jedi Fallen Order“ unzählige Geheimnisse zu entdecken.

Während sich in den meisten Kisten lediglich optischer Krimskrams befindet, erhaltet ihr fürs Aufspüren der sogenannten Machtechos Erfahrungspunkte und ab und an sogar mehr Lebens- und Machtenergie. Noch seltener stoßt ihr auf Stimpacks, welche die Anzahl an Heilladungen erhöhen.
Diese zieht ihr euch jederzeit auf Kommando rein, den verbrauchten Vorrat füllt ihr genug wie Lebens- und Machtenergie an Meditationspunkten wieder auf. Das allerdings zu dem Preis, dass alle bereits besiegten Gegner in den Arealen neu spawnen. Anbeter der Sonne wissen Bescheid.

Die meisten Geheimnisse sind entweder gut versteckt, oder erfordern eine bestimmte Machtfähigkeit, von denen ihr im Laufe des Abenteuers immer mehr erlernt. So manch ein Abgrund ist erst mit Erlernen des Wandlaufs oder per Doppelsprung erreichbar, manches Tor nur mit dem Machtstoß passierbar, sodass es sich durchaus lohnt, bereits besuchte Gebiete abermals aufzusuchen. Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, stoßt ihr immer wieder auf Rätsel, die ebenso einfalls- wie umfangreich daherkommen und glatt eines „Tomb Raider“ würdig wären.

Story und Inszenierung sprühen dabei nur so vor „Star Wars“-Flair, der zwar vergleichsweise modern daherkommt, dabei aber immer wieder wohlig an die düstere Episode 5 erinnert. Die deutschen Sprecher kommen dabei so glaubwürdig rüber wie die authentischen Soundeffekte, während sich die Musik behutsam und gekonnt an den Originalmelodien entlangtatstet, anstatt euch immer wieder stumpf mit Fanfaren wegzuputzen. So muss das. Und euer kleiner Robo-Sidekick BD-1 hat unserer Meinung nach sowieso einen eigenen Film aus dem Hause Pixar verdient.

Grafisch macht „Fallen Order“ insgesamt eine recht ansehnliche Figur, ohne dabei aber Maßstäbe zu setzen. Zwar erfreuen gerade in 4K immer wieder bombastische Szenen das Auge, dafür sind einige der weitläufigen Areale dann aber eher lieblos und karg ausgefallen. Zudem kam es sowohl auf der Playstation 4 Pro als auch auf der Xbox One X immer wieder zu unschönen Einbrüchen in der Framerate und nachladenden Texturen. Gefühlt lief es auf der Playse etwas flüssiger, dafür hat die One X das schärfere Bild.