Der neueste Teil der Star-Wars-Saga wirft mit 'Das Erwachen der Macht' bereits jetzt einen Schatten, länger als der eines AT-AT-Läufers im Sonnenuntergang. Ein ideales Klima, um neben dem Kinofilm auch ein neues Videospiel zu etablieren, welches zudem mit ähnlich hohen Erwartungen zu kämpfen hat. Ob es den Entwicklern gelungen ist, den Krieg der Sterne in unsere Wohnzimmer zu tragen, lest ihr in unserem Test.

Darum geht's:

Zunächst einmal handelt es sich bei Star Wars: Battlefront um einen reinen Multiplayer-Shooter, ohne Storyballast. Mit den alten Spielen gleichen Namens hat das Teil nicht mehr allzu viel gemein, sodass man durchaus von einem Reboot sprechen kann. Dabei gewährt uns das neue Battlefront weder einen Blick auf kommende Settings und Figuren, noch müsst ihr befürchten, dass Jar Jar Binks durchs Bild läuft. Der Shooter aus dem Hause DICE konzentriert sich ausschließlich auf die klassische Trilogie. Erst mit kommenden DLCs soll auch in VIIer-Gefilden gewildert werden.
So kommt es dann auch, dass ihr in diversen Multiplayer-Modi als Han Solo euren Blaster glühen lasst, mit Darth Vader Rebellen im Dutzend niedermäht oder in effektreichen Luftschlachten den Steuerknüppel der Slave 1 übernehmt, um den Millennium Falken vom Himmel zu holen. Oder umgekehrt.

Neben klassischen Modi wie Deathmatch, Capture the Flag und King of the Hill, bietet Battlefront die sogenannte „Heldenjagd“ – Sieben Soldaten jagen einen Spieler, der als einer der sechs besagten Helden antritt –, „Helden vs. Schurken“ – Zwei Teams mit jeweils sechs Spielern treten gegeneinander an, wobei jedem Team alle drei Helden der jeweiligen Fraktion zur Verfügung stehen – und die „Jägerstaffel“ – reine Raumschiffhatz in Bodennähe. Die volle Batterie wird aber nur in „Kampfläuferstaffel“ abgefeuert, bei der die Rebellen versuchen müssen, anrückenden AT-AT-Läufer aufzuhalten. 40 Spieler, sämtliche Helden, Waffen und Fahrzeuge und das unnachahmliche „Schlacht von Hoth“-Feeling. Da kommt Freude auf.

Das ist gut:

Also eines ist mal sicher: Als Star-Wars-Fan mit Faible für Videospiele kommt ihr um Battlefront nicht herum. Die Atmosphäre der alten Trilogie wurde derart penibel auf dem Bildschirm umgesetzt, dass die knackscharfen Texturen nur durch eure Freudentränen unscharf erscheinen. Hier steht alles an seinen Platz. Hoth, Endor, Tattooine und Sullust sehen genauso aus, wie man es aus den Filmen gewohnt ist, und machen in technischer Hinsicht durchweg eine fantastische Figur. Zur phänomenalen Optik gesellt sich ein nicht minder grandioser Sound, der vom Blaster bis zur Fanfare Star-Wars-Charme versprüht. Und spätestens, wenn ihr als Luke Skywalker den Rebellen im Kampf gegen die AT-ATs mit sirrendem Lichtschwert zur Hilfe eilt, ist es um euch geschehen.

Und wer nun befürchtet, als Laie im Online-Shooter-Dschungel kein Land zu sehen und deshalb keinen Zugang zum Spiel zu finden, der kann ganz beruhigt sein. Battlefront ist bewusst einsteigerfreundlich gestaltet, um aus den Vollen des Massenmarktes schöpfen zu können. Auf Perks wurde verzichtet, mächtige Helden und Fahrzeuge aktiviert ihr über zufällig verteilte Pick Ups und die weitreichenden Blaster haben lediglich mit Überhitzung zu kämpfen. Wer also die popeligen Trainingsmissionen gespielt hat, dürfte auch recht bald gegen menschliche Mitspieler Erfolge einfahren und sich somit Credits für die sogenannten Sternenkarten verdienen, über die ihr im vorbildlich übersichtlichen Menü Ausrüstung und Optik anpasst. Drei davon dürft ihr stets mit in die Schlacht nehmen.

Das ist schlecht:

Doch eben jene Zugänglichkeit ist letzten Endes auch die größte Crux von Star Wars: Battlefront. Gerade wer die Battlefield-Reihe aus dem gleichen Hause gewohnt ist, wird sich fühlen wie in der Shooter-Grundschule. Viel taktischen Anspruch dürft ihr nicht erwarten und speziell die Fliegerstaffel ist in spielerischer Hinsicht ein Witz. Nachdem sie sich sattgesehen haben, gehen erfahrenen Hasen viel zu schnell die Anreize zum Weiterspielen aus. Nicht zuletzt auch, weil sich die Waffen im Kern immer gleich anfühlen und es mit mageren 12 Maps schlicht an Umfang mangelt. Erst der mit 50 Euro recht hoch bepreiste Seasonpass dürfte da Abhilfe schaffen.

Besonders bitter: der komplette Verzicht auf eine Einzelspieler-Kampagne. Ja, wir waren im Vorfeld darauf eingestellt und es ist auch okay, wenn man sich auf seine Kernkompetenzen konzentriert. Aber so dolle ist der Multiplayermodus abseits von Kampfläufer-Staffel ja nun nicht geworden, sodass wir uns immer wieder richtiggehend über diese Entscheidung geärgert haben. Schließlich steckt so unglaublich viel Potential in dem Ding.
Was bleibt, ist ein handwerkliches Meisterstück, das seine Thermalgranaten in Richtung Casual wirft. Das muss beileibe nichts Schlechtes sein, immerhin macht Star Wars: Battlefront ordentlich Laune. Doch so richtig satt macht es zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht.

Star Wars in seiner Reinform. Optisch und akustisch haut euch Battlefront schlicht von den Socken und treibt Fans mit seiner Liebe zum Detail Freudentränen in die Augen. Jedoch mangelt es an Umfang und spielerischer Tiefe, sodass sich speziell Profis recht schnell sattgesehen haben. Dennoch das perfekte Spiel, um schon mal die Macht erwachen zu lassen.