Das erste „Star Wars Battlefront“ hatte gewisse Ähnlichkeiten mit einer verdammt hübschen Frau, die nicht allzu viel in der Birne hat: Gut für eine schnelle Nummer zwischendurch, auf Dauer jedoch zu anspruchslos. Mit dem zweiten Teil wähnte man im Hause EA sämtliche Kritikpunkte des Vorgängers ausgemerzt und startete entsprechend selbstbewusst in die Beta. Was jedoch folgte, war kein Begeisterungs- sondern ein Shitstorm, der in der Videospielgeschichte seinesgleichen sucht.

Das Auflevelsystem stank derart nach Pay-to-Win und Geldgier, dass der Game-Community endgültig der Kragen platzte. Die geballte Explosion der kollektiven Empörung war so gewaltig, dass sogar die EA-Aktie kurzzeitig unter dem Druck einbrach, und man sich genötigt sah, die Reißleine zu ziehen. Nur wenige Stunden vor Spielrelease deaktivierte EA die Echtgeldtransaktionen zum Erwerb von Lootboxen. Sie sollen zu einem späteren Zeitpunkt wieder eingeführt werden, in welcher Form ist jedoch noch unklar. Von daher kann unser Test von „Star Wars Battlefront 2“ nicht als final gelten, zu erzählen gibt es aber immer noch genug.

Darum geht’s:

Das ist wohl auch das Motto der Autorenriege im Hause Lucas Arts, die maßgeblich daran beteiligt war, die mit großer Hoffnung erwartete Solo-Kampagne in den Serienkanon einzugliedern. Von daher könnt ihr das Abenteuer, in dem ihr vorrangig in die Haut der Anführerin einer Eliteeinheit des Imperiums namens Iden Versio schlüpft, durchaus als vollwertigen Bestandteil des Star Wars-Universums ansehen.

Zeitlich kurz nach „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ angesiedelt, erleben wir die Zerstörung des zweiten Todessterns aus einer ungewöhnlichen Perspektive und mähen trotz des drohenden Untergangs des Imperiums zu Beginn des Spieles reichlich Rebellenpack nieder. Ohne zu viel vorwegzunehmen, bekommt neben Iden auch die altbekannte Star-Wars-Prominenz ihren verdienten Auftritt, bis der Spaß einige furiose Schlachten später viel zu schnell auch schon wieder vorbei ist. Aber wie heißt es doch so schön: Nach der Solo-Kampagne ist vor dem Multiplayer-Modus!

Das ist gut:

Und der ist trotz der aufwändig inszenierten Kampagne das Herz von „Star Wars Battlefront 2“. Aber bevor wir auf den Online-Part eingehen, sei zunächst noch die unglaubliche Liebe zum Detail lobend erwähnt, welche in die Gestaltung der Kampagne geflossen ist und sich zumindest optisch und akustisch natürlich auch in den Mehrspielermodi wiederfindet.

Grafik und Sound bluten Star-Wars-Flair aus jeder Pore und lassen euch bombastische Raumschiffschlachten (nun endlich auch) im All und ausschweifende Scharmützel auf Planeten aus allen drei Epochen erleben. Endor, Naboo, Pillo, die Starkiller Basis … Elf Schauplätze mit auf die verschiedenen Modi abgestimmten Karten lassen ebenso wenige Wünsche offen, wie der authentische Sound. Sogar viele der (deutschen) Originalsprecher sind mit an Bord. Wer auf Star-Wars-Atmosphäre steht, wurde in einem Videospiel nie besser bedient!

Große Unterschiede sind uns im direkten Vergleich zwischen der Playstation 4 und der Xbox One kaum aufgefallen. Beide Versionen laufen größtenteils flüssig und es kommt nur gelegentlich zu kleineren Einbrüchen in der Bildrate. Doch so beeindruckend die Grafik auf den alten Kisten auch ist, auf der Playstation 4 Pro wird mit wesentlich detaillierteren Lichtstimmungen und einem knackigeren Bild noch ein ordentliches Schippchen draufgelegt.

Nach der recht kurzen Kampagne können sich Online-Muffel noch im Arcade-Modus austoben – lobenswert: Sogar im Splitscreen mit einem Kumpel auf der Couch – der euch in verschiedenen vorgefertigten Kampfszenarien gegen Bots antreten lässt. Aber auch das hat nicht genug Fleisch auf den Rippen, um Solisten von dem Kauf des Spieles zu überzeugen.

Seine wahren Stärken beweist „Battlefront 2“ nämlich erst, wenn ihr eure Internetleitung in den gewaltigen 40-Spieler-Schlachten von „Galaktischer Angriff“ glühen lasst, sich 24 Piloten wilde Dogfights in „Sternenjäger-Angriff“ liefern, oder in „Helden vs. Schurken“ ausschließlich bekannte Star-Wars-Helden der dunklen und der hellen Seite aufeinander losgehen. Daneben dürfen zwei Teams in „Angriff“ ran, um Missionsziele zu erfüllen beziehungsweise zu sabotieren, oder aber ihr stellt euch in „Gefecht“ ohne viel Aufhebens 20 anderen Spielern.

Außer in „Helden vs. Schurken“ wählt ihr dabei stets zunächst aus einer der vier Standardklassen und sammelt durch erfolgreiches Spielen Kampfpunkte an. Habt ihr genug davon zusammen, spawnt ihr auf Wunsch als Spezialklasse, in einem besonderen Fahrzeug oder gar als Held, und das Spiel beginnt von neuem. Auf diese Art steigt ihr nach und nach im Level auf und verdient spielinterne Credits. Diese wiederum benötigt ihr für Boost-Karten, mit denen ihr die aktiven und passiven Fähigkeiten jeder Figur verändern und eurem Spielstil entsprechend anpassen könnt. Und da fangen die Probleme an…

Das ist schlecht:

Denn die Karten sind zufällig in Lootboxen verteilt, die ihr mit besagten Credits erwerben könnt. Vor EA’s Notbremse war dies allerdings auch mit Echtgeld möglich. Dazu muss gesagt werden, dass die Karten in mehreren Wertigkeitsstufen vorliegen, zu deren Spitze man sich jedoch erst äußerst mühsam hocharbeiten muss. Zwar könnt ihr Karten auch upgraden oder gar selber herstellen, doch dafür sind Bauteile vonnöten. Und auch diese finden sich größtenteils ins Lootboxen. Ihr seht schon, wo das hinführt.

Nun ließ sich der lange Weg mit Echtgeld enorm abkürzen, wenn man bedenkt, dass eine Runde „Galaktischer Angriff“ im Schnitt rund 250–300 Credits in eure Kasse tröpfeln lässt, so eine Lootbox aber mit 4.000 Credits zu Buche schlägt. Abgesehen davon, dass man seine Credits auch noch aufsparen muss, um sich irgendwann Helden wie Darth Vader und Luke Skywalker leisten zu können, die anders nicht freizuschalten sind.

Und selbst unter Einsatz vor realem Geld musste man immer noch befürchten, lediglich rein kosmetische Gegenstände oder unnütze Emotes zu bekommen. Ein äußerst schwerfälliges Konstrukt, welches unserer Meinung nach vollkommen zurecht abgewatscht wurde. Dennoch bietet der Grundgedanke mit den Starcards durchaus Potential, weshalb wir sehr gespannt sind, wohin die Reise diesbezüglich gehen wird.

Abseits dessen ist „Star Wars Battlefront 2“ nach wie vor ein Multiplayer-Shooter der sich aufgrund seines eher niedrigen spielerischen Anspruches vor allem an die Masse richtet. Zwar sind speziell die Raumschlachten dank einer komplexeren Flugsteuerung deutlich fordernder und damit auch spaßiger geworden, „Battlefield“-gestählte Baller-Profis dürften sich im Star-Wars-Universum jedoch unterfordert fühlen.

Bliebe noch die dunkle Seite der Kampagne, an der sich die Gemüter sicherlich schieden werden. Denn auf der einen Seite stehen die umwerfende Präsentation und die inhaltlich gefüllte Lücke zwischen „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ und „Das Erwachen der Macht“, auf der anderen Seite ein Missionsdesign, welches größtenteils vollkommen uninspiriert die Multiplayer-Modi kopiert und eine arg klischeebeladene Geschichte, der es in der Kürze der Zeit – in 5 bis 6 Stunden seid ihr durch, wenn überhaupt – nicht gelingt, die Beweggründe der Figuren glaubhaft zu vermitteln.

Es ist zweifelsohne eine gute Sache, dass EA den Wunsch der Fans nach einer Solo-Kampagne erhört hat. Allerdings lässt man so unglaublich viel Potential am Straßenrand liegen, dass wir uns bis zum Ende nicht sicher waren, ob wir uns über die Kampagne nun freuen oder ärgern sollen.

„Star Wars Battlefront 2“ ist ab sofort für Playstation 4, Xbox One und PC erhältlich!

Wunderschön du bist, doch viel lernen du noch musst. In Sachen Optik und Atmosphäre fährt „Star Wars Battlefront 2“ gewaltige Geschütze auf, die nicht nur Fans der Vorlage wegblasen werden. Der spielerische Anspruch ist dafür nach wie vor vergleichsweise gering, das Auflevelsystem eine Baustelle und die Kampagne sorgt für gemischte Gefühle.