Als sich die beiden Väter der zynisch-derben Zeichentrickserie „South Park“, Matt Stone und Tray Parker, vor einigen Jahren anschickten, dem Medium Videospiel ihren fäkalhumorigen Stempel aufzudrücken, kam mit „Der Stab der Wahrheit“ ein durchaus amtliches Rollenspiel heraus, welches sowohl Kritiker als auch Fans positiv überraschte. Selten war eine Lizenzvorlage so gekonnt in eine spielerische Gussform gepresst worden. Mit „South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe“ möchte man nicht nur an diesem Erfolg anknüpfen, sondern auch die Formel weiterentwickeln. Von daher bleibt man dem grundsätzlichem Genre treu, nur das Thema ist nun ein anderes.

Darum geht’s:

Ihr seid abermals das neue, namenlose Kind in der Stadt und noch mittendrin im Fantasy-Live-Rollenspiel, welches dem „Stab der Wahrheit“ als Fundament diente. Als Eric Cartman, einst ein mächtiger Zauberer, jedoch erfährt, dass 100 Dollar Finderlohn auf eine entlaufene Katze ausgesetzt sind, sieht er darin eine Chance, die langgehegten Vermarktungspläne für sein Superhelden-Franchise „Coon & Friends“ endlich voranzutreiben. Allerdings ist nicht jeder davon so begeistert wie er selbst, so dass sich eine Gruppe Kinder abspaltet, um als die „Freedom Pals“ ins Feld zu ziehen. Auf dieser Grundlage entbrennt bald ein Krieg zwischen den beiden Parteien, der zwar im Wesentlichen nur in den Köpfen der Kinder stattfindet, jedoch bald ganz South Park in Mitleidenschaft zieht.

Das ist gut:

Die größten Kritikpunkte am Vorgänger können wir gleich abhaken. Zunächst einmal kommt das Spiel diesmal weltweit ungeschnitten auf den Markt. Soll heißen, dass wir uns nicht mehr über entschuldigende Platzhalterbildschirme ärgern müssen, die anstelle von expliziten Inhalten eingeblendet werden. Zur großen Freude aller, die des Englischen nicht mächtig sind, ist diesmal auch eine deutsche Synchro mit an Bord. Da bei der Übersetzung traditionell so mancher Wortwitz flöten geht, können geneigte Spieler alternativ aber auch den amerikanischen Original-Sprechern lauschen.

Spielerisch wurde seinerzeit das gut funktionierende, jedoch unterm Strich arg seichte und repetitive Kampfsystem gerügt, und auch in dieser Hinsicht haben die Macher ordentlich nachgelegt. Dank eines Feldrasters und der Möglichkeit, seine Figuren strategisch klug zu positionieren, entschieden nun nicht mehr nur die puren Charakterwerte, sondern auch taktisches Vorgehen. So gilt es neben den unterschiedlichen Reichweiten der vielen Fähigkeiten, nun unter anderem auch eventuellen Flächenschaden zu bedenken, der gegebenenfalls die eigenen Leute treffen kann. Ebenfalls wichtig ist die Wahl der drei Kameraden, mit denen man in den Kampf zieht.

Im Spielverlauf stehen diverse Superhelden-Kids zur Auswahl, die alle nicht nur ihre individuellen Fähigkeiten in den Kampf einbringen, sondern auch bei der Lösung der vielen Umgebungsrätsel helfen, welche in den Kulissen versteckt sind. Dabei locken diverse Kostüme und Artefakte, welche zusätzliche und teils mächtige Boni verleihen. Über allem steht jedoch stets die einzige wirklich echte Superkraft im Spiel: Eure Fürze! Damit lassen sich nämlich nicht nur ganz banal Gegner betäuben, dank eures Mentors Morgan Freeman lernt ihr mit euren Darmwinden sogar die Zeit zu manipulieren, wodurch sich so manches zuvor unmöglich erscheinende Rätsel doch noch lösen lässt. Klingt komisch, ist aber so in „South Park“!

Die Aufmachung des Spiels ist über jeden Zweifel erhaben. Bereits der Vorgänger hat die Vorlage so originalgetreu eingefangen, dass es einem Affront gleichgekommen wäre, an der Optik zu rütteln. Dementsprechend konnten auch erwartungsgemäß keine nenneswerten Unterschiede zwischen Xbox One- und Playstation 4-Version ausmachen. Ihr durchlebt auf beiden Konsolen nicht weniger als eine interaktive Folge „South Park“, wenn auch eine gut 20 Stunden lange, die genauso im Fernsehen hätte laufen können.

Damit geht natürlich auch der typisch derbe Humor einher, der zwar nicht mehr so schockierend ist wie noch zu Anfangszeiten der Serie, aber trotzdem nichts von seinem Biss verloren hat. Themen, über die man gesellschaftskritisch einen Eimer voller Sperma und Kot ausschütten kann, gibt es schließlich genug. Facebook, Donald Trump, Gentrifizierung … in „Die rektakuläre Zerreißprobe“ wird so ziemlich jedes zeitaktuelle Thema und die Popkultur generell schonungslos auf die Schippe genommen und mit einer Menge Erbrochenem, allgegenwärtigen Fürzen und allen anderen erdenklichen politischen Unkorrektheiten garniert. Und genau dafür lieben wir „South Park“!

Das ist schlecht:

Versteckte Kostüme, werteverbessernde Artefakte und ein Crafting-System klingen auf dem Papier super, de Facto kommt dem ganzen System aber in der Praxis eher eine rudimentäre Bedeutung zu. So haben die Kostüme nur einen kosmetischen Wert und ihr stellt immer wieder nutzlose Artefakte her. Ab einen gewissen Punkt kommt den vielen Sammelgegenständen keine wirkliche Bedeutung mehr zu, so dass diese alle aufzuspüren nur passionierte Sammler interessieren dürfte.

Sehr viel mehr zu meckern haben wir als Fans der Vorlage nicht, aber eines ist klar: Wer mit „South Park“ noch nie etwas anfangen konnte, den Humor als widerwärtig und geschmacklos empfindet, der wird auch mit „Die rektakuläre Zerreißprobe“ nicht glücklich, wo diesbezüglich aus allen Rohren gefeuert wird.

Na ja, und mit der Übersetzung des herrlich zweideutigen Originaltitels „The Fractured But Whole“ hat man sich freilich kein Denkmal gesetzt.

"South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe" ist ab sofort für Playstation 4, Xbox One und PC erhältlich!

Grenzwertig, böse und verdammt gut! Alles, was man von „South Park“ erwartet – und noch mehr! Neben der perfekt eingefangenen Atmosphäre der Vorlage überzeugt die herrlich böse Superhelden-Persiflage durch ein abwechslungsreiches Kampfsystem, mit überraschend hohem taktischem Anspruch. Als Rollenspiel macht es seine Sache besser als der Vorgänger, während der politisch unkorrekte Fäkal-Humor abermals nicht jedem zusagen dürfte.