Die Kids von heute mögen es vielleicht nicht glauben, aber es gab mal eine Zeit, als der blaue High-Speed-Igel Sonic als SEGA-Maskottchen der Hüpfspielikone Mario ernsthaft Konkurrenz machte. Von dem einstigen Glanz ist jedoch nicht mehr viel geblieben. Während Mario nach wie vor verdient ein Leben als Jump-'n'-Run-Rockstar führt, ist Sonic bloß noch ein Schatten seiner selbst. Seit Jahren nur noch misslungene Spiele, misslungene Designexperimente, misslungene … Moment … was ist denn da gerade an uns vorbeigesaust?! 'Sonic Mania'? Ist das etwa … ja tatsächlich! Er ist wieder da: Der gute alte 16-Bit Sonic mit Kugelbauch! Der alte Igel kann es also doch noch!

Darum geht's:

Dr. Robotnik und seine Schergen haben mal wieder die Chaos Emeralds gestohlen und es ist an Sonic, seinem doppelschwänzigen Kumpel Tails und dem mürrischem Maulwurf Knuckles, dem eiförmigen Bösewicht Einhalt zu gebieten. Mehr Story gibt es nicht, mehr Story braucht es nicht. Denn bei 'Sonic Mania' handelt es sich um eine äußerst liebevolle Hommage an die Glanzzeiten des Igels, als er noch auf dem Mega Drive zuhause war. Dies äußert sich nicht nur in dem ikonischen Pixellook, sondern auch in der Level-Auswahl, die alten Hasen Retro-Tränen in die Augen schießen lassen dürfte!

Das ist gut:

'Sonic Mania' versteht sich als eine Art "Best of" der ersten drei Serienteile, inklusive 'Sonic & Knuckles' sowie 'Sonic CD'. Entsprechend startet das Spiel auch in einer 1-zu-1-Umsetzung der ersten Green Hill Stage, die ehemalige Mega-Drive-Besitzer aus dem Effeff beherrschen dürften. Doch spätestens ab dem zweiten Akt der ersten Zone fallen plötzlich vollkommen neue Spielelemente und die Musik-Remixe auf. Und waren die schützenden Elementarschilde schon damals im ersten Teil mit dabei?!

Man merkt, hier waren offensichtlich Fans am Werk. Denn so wie es beginnt, geht es weiter! Ihr startet stets in einer aus den Vorgängern thematisch bekannten und nur behutsam veränderten Zone, bekommt einen bis dato unbekannten Zwischengegner serviert und stellt euch in der zweiten Runde dann einem um frische Ideen erweiterten neuen Leveldesign. Ein paar brandneue Stages, die sich prima in den Kader der Klassiker einfügen, sind ebenfalls mit an Bord. Und auch an der Feinheit der Animationen wurde ordentlich geschraubt.

Bei alledem ist es erstaunlich, wie punktgenau das Spielgefühl aus den 90ern in diese modernisierte Neuinterpretation hinübergerettet wurde, ohne dass sich das Ganze auch nur im Ansatz angestaubt anfühlt. Ganz im Gegenteil: Wenn man wie aus dem Katapult geschossen durch die Level fegt, fühlt man sich urplötzlich wieder verdammt jung. Dank einer optionalen Speicherfunktion hat zudem auch die weichgespülte Zockerjugend von heute eine Chance. Allerdings greift diese stets nur am Anfang einer neuen Zone. Wer beim Endboss sein letztes Leben aushaucht, muss beide Acts abermals absolvieren.

Wer sich die Mühe macht, die erstaunlich großen Level zu erforschen, anstatt wie ein Derwisch bloß hindurch zu fegen, entdeckt außerdem versteckte Bonuszonen, in denen ihr in bester 'Sonic CD'-Manier zu einem „Catch the UFO“-Rennen um einen Chaos Emerald antretet. Die Generation des goldenen Zeitalters der Videospiele weiß, wozu die Dinger gut sind. Überdies könnt ihr an den Zwischenspeicherbarken, mindestens 25 Ringe auf dem Konto vorausgesetzt, in den aus 'Sonic 3' bekannten „Blue Sphere“-Levels Extras erspielen, die euch neue Fähigkeiten verleihen.

Das ist schlecht:

Ausgerechnet in der Bonus-Stage aus dem wenig attraktiven 'Sonic CD' auf Edelsteinjagd zu gehen, halten wir für eine der wenigen schlechten Entscheidungen im Zuge der Spielentwicklung. Als Easteregg – von denen sich übrigens so einige finden lassen – wäre eine einmalige Einlage in Ordnung gewesen. Da diesem Bonuslevel jedoch eine so prominente Rolle zukommt, fällt es umso mehr auf, wie schlecht dieser 3D-Ausflug gealtert ist.

Zudem wurden mit der nahezu perfekten Umsetzung des Gameplays auch dessen Macken in die Neuzeit transferiert. Sonic war nun einmal schon immer etwas unfair. Wenn man mal wieder durch ein Katapult beschleunigt unweigerlich in einen Gegner rast, und all seine schützenden Ringe verliert, möchte man manchmal am liebsten ins Pad beißen.

Zudem ist der kooperative Zweispielermodus, in dem euer Kumpel die Steuerung von Tails übernehmen kann, nach wie vor ein Witz. Mangels eines Splitscreens saust Sonic seinem fliegenden Propellerbuddy nämlich immer wieder einfach davon. Dafür gibt es aber immerhin einen Modus, im Zuge dessen ihr euch bei geteiltem Bildschirm ein Rennen liefern könnt. Wer lieber alleine durch die Levels fegt, geht bei Time-Attack auf die Jagd nach Bestzeiten.

Zu guter Letzt könnten wir noch über die Auswahl der Stages meckern. Denn so manche Zone, die uns in wohliger Erinnerung geblieben ist, fehlte, während wir vorhandene als eher öde empfanden. Aber das ist schließlich Geschmackssache und es muss ja auch noch genug Material für 'Sonic Mania 2' vorhanden sein, auf das wir uns jetzt schon freuen wie Bolle! Falls es denn kommt.

'Sonic Mania' ist ab sofort fürs Mega Drive… pardon, für PlayStation 4, Xbox One, Nintendo Switch und PC erhältlich!

Das Comeback des Jahres! Der einstige Superstar Sonic läuft in der mit viel Hingabe und Liebe programmierten Hommage an seine Glanzzeiten wieder zur Höchstform auf. Dank behutsamer Modernisierungen fühlt sich der Titel trotz fettem Retro-Guss ungemein frisch an, ohne dabei an klassischem Charme einzubüßen! So läuft der Igel! Mehr davon!