Diesen Effekt löst das Spiel allerdings nicht bei jedem aus.

Denn manch ein Spieler mag sich nicht zu Unrecht an den teils wilden Kamerakapriolen stören, die immer mal wieder die Übersicht torpedieren. In manchen Kämpfen mussten wir Sonic förmlich auf dem Bildschirm suchen, während wir nach Loopings und Korkenzieher-Rails auch gerne mal den Anschluss verliert und ins Nichts sprangen.

Leider ist die Steuerung des Igels nicht ganz so präzise ausgefallen, wie man es sich für ein solch schnelles Spiel wünschen würde, und auch Entfernungen und Abstände sind nicht immer genau einschätzen – fast schon traditionell zu nennende Altlasten, die den Igel bereits zu Mega-Drive-Zeiten plagten und in Sachen Gameplay stets hinter Mario hinterherhinken ließen.

Hinsichtlich der Technik merkt man „Sonic Frontiers“ an, dass es auf Speed getrimmt wurde. Soll heißen: Optisch gibt es nicht viel her.

Die Inseln wirken insbesondere bei Nacht arg leblos und steril, die Texturqualität schwankt zwischen mittelmäßig und mau und ständig werden wir von krassen Pop-ups geplagt, bei denen ganze Levelelemente urplötzlich vor uns erscheinen, die aus der Ferne nicht zu sehen waren – ein absolutes No-Go, welches sich negativ auf den Spielfluss auswirkt und hoffentlich noch irgendwie weggepatcht wird.

Technische Unterschiede zwischen der PS5 und der Xbox Series X waren nur im Detail zu finden. Beide Konsolen halten die jeweilige Bildrate des ausgewählten Modus weitestgehend stabil, wobei die Microsoft-Kiste im Performance-Modus eher zu kleineren Einbrüchen neigt. Die Möglichkeiten des DualSense-Controllers der Playstation 5 bleiben ungenutzt.

Auf die Ohren gibt es indes einen wilden Genremischmasch, der erstaunlich gut zu der Unbeständigkeit des Spielgefühls passt. Während wir im Cyberspace von teils richtig, richtig gute Elektrobeats vorangepeitscht werden, stimmen auf den Inseln mit unserem Voranschreiten immer mehr Instrumente in den sphärischen Score ein, bis es in den Bosskämpfen dann so richtig rockt. Weniger überzeugen konnte uns hingegen ausgerechnet die deutsche Synchro von Sonic, die mit ihrer kratzigen Stimmbruch-Tonalität förmlich nervt.

Fazit:

Das beste 3D-Sonic seit „Adventures“ – „Sonic Frontiers“ ist im Kern ein anarchischer Versuch, alte Tugenden des blauen Igels mit aktuellen Spielstatuten zu vereinen. Dabei herausgekommen ist ein zunächst chaotisch anmutendes Gameplay-Crossover, dessen Puzzleteile sich erst langsam zusammenfügen.

Bleibt man bis dahin am Ball, verfällt man in eine Art meditativen Rausch steter Progression, der zwischen irrwitzigen Speed-Kapriolen, der Freude am freien Entdecken und einer für Sonic ungewöhnlich melancholischen Geschichte mäandert.

Fraglos torpedieren die etwas unpräzise Steuerung, immer wieder auftretende Kameraprobleme und vor allem Macken in der Technik das Gameplay, dennoch hatten wir mit diesem Sonic so viel Spaß wie seit Jahren nicht mehr und sind nachhaltig beeindruckt von der Kreativität und dem Mut der Macher, dieses frankensteinsche Spielexperiment zu wagen.

„Sonic Frontiers“ ist für Nintendo Switch, PlayStation 5, PlayStation 4, Xbox One, Xbox Series, und PC erhältlich.