Das ist gut/das ist schlecht:

„Bioshock“ spielt in einem der bis heute kreativsten Settings im Videospielsektor überhaupt: Rapture, einer gigantischen Stadt unter der Meeresoberfläche. Ursprünglich als Utopie für elitäre Freigeister erdacht und erbaut, wurde das kolossale gesellschaftliche Experiment bald von Wahn und Gier der Bewohner entstellt und pervertiert, so dass zum Zeitpunkt eures Eintreffens das reine Chaos und blutige Anarchie herrschen.

Die Trümmer der Stadt lassen ihre einstige Pracht nur noch erahnen, die geistig verwirrten Überlebenden gehen sich gegenseitig an die Gurgel und bullige Roboter beschützen mit kalter Brutalität umherstreunende kleine Mädchen bei der Ernte einer Gen-Substanz aus den Körpern der Verstorbenen.

Vor diesem Hintergrund entspinnt sich eine vielschichtige Rahmenhandlung, die nicht zuletzt durch einen klugen Twist die Erzählweise in Videospielen nachhaltig verändern sollte, und, wie Rapture selbst, bis heute nichts von ihrer Faszination verloren hat.

Zwar sind viele der seinerzeit noch revolutionären Aspekte des Spiels heutzutage Standard, und als Shooter verkaufte sich „Bioshock“ schon immer eher schlecht. In Sachen Atmosphäre, Stil und Hintergründigkeit macht dem Titel aber immer noch kaum einer was vor.

„Bioshock 2“ spielt ebenfalls in Rapture, allerdings schlüpft ihr hier in die Rolle eines Big Daddys, jener hünenhaften Roboter im Panzertauchanzug, deren Aufgabe es ist, die Little Sisters zu beschützen.

Von einem anderen Team entwickelt, stand der Nachfolger vom Start weg im Schatten des Erstlings. Zwar verfeinerte „Bioshock 2“ das Kampfsystem und wusste abermals mit einer intelligent erzählten Story zu überzeugen, jedoch war das Setting zwangsläufig nicht mehr so originell und überraschend, weshalb das Spiel oft als gelungene Erweiterung bezeichnet wird.

Mit „Bioshock Infinite“ schwang man sich dann aber wieder in ungekannte Höhen auf. Und das ist durchaus wörtlich zu nehmen, spielt der Titel diesmal doch in einer Stadt, die hoch am Himmel schwebt.

Was damit beginnt, dass wir als Pinkerton-Detektiv Booker DeWitt versuchen, eine junge Frau aus dem Klauen religiöser Fanatiker zu befreien, breitet sich bald zu einer abermals komplexen Erzählung aus, die mit der Idee von Paralleluniversen spielt, einen klugen Bogen zum Erstling spannt und zum Nachdenken anregt.

Spielerisch geht es hier im Vergleich zu den anderen Teilen deutlich flotter und gradliniger zur Sache, was dem Spieltempo zugutekommt. Viele haben nach dem Erscheinen bemängelt, dass dem hellen „Infinite“ der Gruselfaktor und die Klaustrophobie der Vorgänger abgehen, spielerisch ist es aber der gereifteste Teil und den anderen „Bioshocks“ in dieser Hinsicht überlegen.