Das ist gut/schlecht:

Trotz einer knappen Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse in Form eines Videos, ist klar im Vorteil, wer die Vorgänger kennt. Das gilt nicht nur hinsichtlich der Geschichte, sondern auch in Sachen Gameplay. Denn wer keine nostalgischen Gefühle mit der Serie verbindet, für den präsentiert sich „Shenmue 3“ als hoffnungslos altmodisches Stück Software. Wer allerdings schon damals auf der Suche nach Hinweisen leidenschaftlich unzähligen Dialogen gelauscht, das mühsam verdiente Geld in der Spielhalle verprasst und Ryo immer pünktlich zu Bett gebracht hat, für den ist der nicht mehr für möglich gehaltene dritte Teil nichts anders als eine Offenbarung.

Abgesehen davon, dass die Grafik natürlich einen Zacken schicker daherkommt, hat sich nämlich nichts verändert. Es ist als habe sich das Videospielrad seit dem zweiten Teil nicht mehr weitergedreht, und es ist wohl die größte Liebeserklärung an die Fans überhaupt, dass „Shenmue 3“ sowohl inhaltlich als auch spielerisch genauso so hätte ein Jahr nach dem zweiten Teil erscheinen können, hätte sich die Reihe nicht als so ein kolossaler finanzieller Flop entpuppt.

Das hatte damals vermutlich die gleichen Gründe wie heute, denn „Shenmue“ ist ein sehr behäbiges Spielerlebnis, das sich nur durch viel Geduld seitens des Spielers nach und nach entrollt. Man ist ständig auf dem Weg von einem Ort zum anderen, nur um dort zu erfahren, dass man doch woanders hinmuss, lauscht immer wieder ähnlichen Dialogen, die teilweise so holprig sind, dass ernsthafte Zweifel an Ryos Intelligenz angebracht sind, und muss mit repetitiven Arbeiten in Form von Minispielen Geld verdienen.

Diese vermeintlichen Mankos wiegen in Zeiten eines „GTA“ oder „Horizon Zero Dawn“ oberflächlich betrachtet natürlich sogar noch schwerer als damals, entfalten in ihrer kompromisslosen Konsequenz, dem Geist der Serie treu zu bleiben, jedoch eine seltsam heimelige Sogwirkung, sodass man sich direkt in sein Kinderzimmer zurückgebeamt fühlt.

So kurios einige der Charaktere und die Dialoge mit ihnen auch anmuten mögen, ist die Vielfalt der Gesprächspartner abermals ebenso beeindruckend, wie die mit wahnsinnig viel Liebe zum Detail gestaltete Spielwelt. Jene fällt vergleichsweise klein aus, ist dafür aber auch vollgepackt mit allerlei Aktivitäten wie Glückspiel und Automaten, ihr könnt Angeln gehen, für Geld Holzhacken, die Kröten bei den vielen Händlern direkt wieder auf den Kopf hauen und natürlich im Dojo an euren Kampfeskünsten feilen.

Denn neben dem schnöden Alltag und der Herumfragerei stehen auch Kämpfe auf dem Programm. Dazu steht euch ein breites Repertoire an Moves zur Verfügung, die ihr im Laufe des Spieles erlernt, findet oder auch kaufen könnt. Damit ist es aber nicht getan, denn das Spiel verlangt von euch zu trainieren, damit ihr in Sachen Angriffsstärke euren Gegnern gewachsen seid.