„Shenmue“ ist ein tragischer Held der Videospielgeschichte. Trotz einer lautstarken Fanbase und (verdientem) Kultstatus lag die Reihe nach dem 2001 erschienenen zweiten Teil unvollendet und mit einem fiesen Cliffhanger brach. Zwar starb die Hoffnung auf eine Fortsetzung nie so ganz, doch wirklich damit gerechnet hat wohl keiner, dass Serienvater Yu Suzuki über ein Jahrzehnt später wieder am Entwicklertisch Platz nimmt, um sein Werk – Kickstarter sei Dank – zu vollenden. Bevor wir aber 2019 endlich erfahren, wie es mit dem Protagonisten Ryo Hazuki weitergeht, sorgt die HD-Neuauflage der ersten beiden Teile erst einmal für Retro-Feeling pur. Ob die beiden Videospiel-Opas immer noch genug zu bieten haben, um auch Neulinge ins Boot zu holen, verrät unser Test.

Darum geht’s:

Yu Suzuki ist fraglos ein Visionär. Als „Shenmue“ anno 2000 auf Segas Dreamcast erschien, klappte der Spielergemeinde ob der für damalige Verhältnisse unfassbaren Optik nicht nur die Kinnlade runter, sie wurde auch Zeuge der Geburt eines neuen Genres. „Shenmue“ mag aus heutiger Sicht überschaubar sein, war seinerzeit aber die teuerste Videospielproduktion aller Zeiten. 

Es lieferte die Blaupause für Open-World-Games und etablierte nebenbei noch Quick-Time-Events. Zwar haben sich Games wie „GTA“ oder „Yakuza“ mittlerweile weit von der Ursprungformel entfernt, aber dazu später mehr. Neulingen sei zunächst erklärt, dass „Shenmue“ die Geschichte des 18-jährigen Ryo Hazuki erzählt, der mit ansehen muss, wie sein Vater im familieneigenen Dojo von einem mysteriösen Mann namens Lan Di ermordet wird. 

Ryo sinnt auf Rache, verfügt jedoch nicht über die Mittel, den Bösewichten nach Hong Kong zu folgen. Also gilt es zunächst einmal, das nötige Geld zu verdienen, und im beschaulichen Yokosuka Katzen zu füttern, den Einwohnern zur Hand zu gehen, Schurken zu verprügeln und sich mit einer ganzen Latte an Minispielen zu vergnügen, bevor wir in Teil Zwei das deutlich ausladendere Hong Kong unsicher machen dürfen.