Ältere Computerspielbegeisterte dürften sich mit einem wohligen Seufzer an die Zeit zurückerinnern, als Strategiespiele noch Komplexitätsmonster waren. Doch auch Taktiktitel standen hoch im Kurs: Titel wie ‘Commandos: Hinter feindlichen Linien’ oder dessen Western-Äquivalent ‘Desperados: Wanted Dead or Alive’ waren Geniestreiche ihres eigenen Subgenres, bei dem man ein kleines Team von Spezialisten im Schleich-Einsatz befehligte. Mit ‘Shadow Tactics: Blades of the Shogun’ schickt sich ein Spiel an, diesem Subgenre nicht nur mit ähnlich klingendem Namen Leben einzuhauchen. So viel sei eingangs verraten: höchst erfolgreich!

Darum geht’s:

Das Spiel des kleinen Münchner Studios Mimimi versetzt uns zurück in der Historie, genauer ins das Jahr 1615, mitten in die japanische Edo-Periode. In eine Zeit der Samurai, Kampfmönche und Ninja. Ein neuer Shogun herrscht über Japan, doch Zwist und Unfrieden drohen. Um für Ordnung zu sorgen, rekrutiert der weise Herrscher ein Team aus fünf Experten, das mit Sabotageakten, heimlichen Morden und der Kunst der Spionage die Sicherheit im Land wiederherstellen soll. Und wie weiland bei ‘Commandos’ gestaltet sich nicht nur die äußerst liebevolle grafische Perspektive von ‘Shadow Tactics’, sondern auch die Aufgabenverteilung der Teammitglieder.
Da wäre Ninja Hayato, der Dächer mit seinem Wurfanker erklimmt und Wächter mit Ninjato-Schwert und Wurfsternen meuchelt. Ihm zur Seite steht Samurai Mugen, ein hünenhafter Krieger, der mehrere Gegner auf einmal ausschalten kann. Die schöne Aiko tarnt sich als Mitglied der gegnerischen Streitmacht und Straßenkind Yuki stellt tödliche Fallen und lotst Gegner mit ihrer Flöte ins Verderben. Der greise Scharfschütze Takuma hingegen besitzt eine Muskete mit Zielfernrohr für extreme Weitschüsse und lenkt Gegner mit seinem waschbärartigen Tanuki namens Kuma ab. Mit diesen fünf bewegt sich der Spieler über die weitläufigen Karten und kombiniert in herrlich nostalgischer Weise Fähigkeiten und Stärken seiner Schützlinge.

Das ist gut:

Wir schalten Wachen aus und verbergen uns in Sträuchern und auf Dächern, ganz wie man es aus den Vorbildern kennt. Dabei studieren wir Laufwege unserer Gegner und meucheln sie, achten darauf, uns aus Sichtkegeln Unbeteiligter herauszuhalten und keine Geräusche zu machen. Doch das Spiel ruht sich nicht auf alten Lorbeeren aus: Mit dem Schattenmodus liefert es eine intelligente, konsequente Neuerung: Darin können wir die Aktionen mehrerer Charaktere an kniffligen Passagen im Voraus planen und klicken – aber erst ein letzter Knopfdruck löst den synchronen Streich aus.
Auch die optionale Steuerung per Gamepad begeistert Tastatur+Maus-Hasser am PC. Grafisch ist das Spiel zudem gelungen: Die Karten sind wunderschön und ästhetisch gestaltet, die Musik sowie die Sprachausgabe (wahlweise japanisch oder englisch) fangen gepaart mit der Optik das japanische „Samurai-Flair“ perfekt ein. Die K. I. ist angemessen klug, doch nicht so helle, dass das Spiel unfair würde.

Das ist schlecht:

Eine weitere Tugend aus alten Spielklassikern, das Schnellspeichern, kehrt in ‘Shadow Tactics’ zurück. Das ist auch dringend notwendig, denn das Spiel ist – wenn man dies als Nachteil betrachten möchte – äußerst knifflig, selbst auf der niedrigsten von drei Schwierigkeitsstufen. Dazu sind die Ladezeiten vor jeder Mission unerklärlich lang, lassen sich aber verschmerzen, da man für d ‘Shadow Tactics’ eh jede Menge Geduld braucht.

Shadow Tactics: Blades of the Shogun ist ab sofort für Windows- und Linux-PC sowie Mac erhältlich, Konsolenversionen für Xbox One und PS4 sollen 2017 folgen.

Die Wiederbelebung eines klassischen Subgenres ist grandios gelungen! In einer wunderschönen Samurai-Atmosphäre meucheln sich Stealth-Süchtige mit fünf unterschiedlichen Spezialisten durch das feudale Japan und knacken Kopfnüsse in Form fies platzierter Wachen. Ein brillanter Streich für Taktikliebhaber. Eine gewisse Frustresistenz und vor allem (!) Geduld sollten von modernen Konsolentiteln verwöhnte Spieler allerdings mitbringen.