Wenn man einen Sébastien Loeb vor den Karren spannt, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Immerhin ist der Franzose mit seinen zahllosen Siegen das Wunderkind des Rennsports schlechthin, und im Rallyebereich sowieso. Was liegt also näher, als eine entsprechende Simulation mit seinem Konterfei auf den Markt zu bringen? Doch reicht ein berühmter Name, um als Erster ins Ziel zu kommen?

Darum geht's:

Beeindruckende 300 Kilometer Strecke rollen die Entwickler von Milestone für uns aus, welche dank GPS-Vermessung die Tücken ihrer realen Vorbildern in Australien, Finnland, Italien, Wales und vielen anderen Orten genau nachbilden. Rund 50 verschiedene Strecken dürfen mit 58 Fahrzeugen befahren werden. Zum Fuhrpark gehören dabei auch klassische Boliden aus längst vergangenen Zeiten, die ihr euch jedoch durch Erfolge im Karrieremodus erst erspielen müsst. Neben Point-to-Point-Rennen versucht ihr euch dabei in den Modi „Elimination“ und „Sector King“ und rast bei Hillclimb- und Rallyecross-Wettbewerben in Loebs Spurrillen. Wer dagegen lieber direkt als Rekordmeister an den Start gehen möchte, spielt in der „Loeb Experience“ die Meilensteine seiner einzigartigen Karriere nach, unterfüttert von Kommentaren des Meisters höchstpersönlich.

Das ist gut:

Eine der größten Stärken von Sébastien Loeb Rally Evo ist sein Umfang. Da sieht man über die fehlende WRC-Lizenz gerne hinweg. Dafür kommen die vielen Fahrzeuge als detaillierte Originale daher, die man zudem noch nach eigenem Gusto lackieren darf. Auch ein Schadensmodell wurde implementiert, welches sich allerdings nicht auf das Fahrgefühl auswirkt. Dieses lässt sich durch das Aktivieren diverser Fahrhilfen den eigenen Fähigkeiten anpassen. Wer möchte, kann also auf Features wie Bremshilfe oder gar eine Rückspulfunktion verzichten und sich bei bockschweren Fahrten über die vielen verschiedenen Untergründe allein auf seinen Co-Piloten und das eigene Können verlassen, oder die Nummer eben arcadelastig angehen. Damit eignet sich Rally Evo ebenso für Profis wie auch für Einsteiger, denen die Lernkurve bei der Konkurrenz zu steil ist.

Das ist schlecht:

Ein an sich hübsches Mädchen fällt neben einer Sexbombe nicht weiter auf. So ähnlich verhält es sich mit Rally Evo, welches zwar alles, was es soll, ganz gut macht, aber eben nichts besser als die Konkurrenz. Während technische Macken wie die zuweilen stotternde Bildrate oder aufploppende Randobjekte sowie die trocken inszenierte Karriere für uns dabei nicht so sehr ins Gewicht fallen, punktet ein Dirt Rally im Vergleich mit einem sehr viel glaubwürdigeren Fahrgefühl. Und das entscheidet am Ende. Zwar lässt sich Rally Evo prima steuern, dennoch fühlt es sich stets an, als schwebten wir ein wenig über der Bahn. Und damit bliebt an Ende eben nur ein loeblicher (haha) zweiter Platz für den ewigen Sieger.

Sébastien Loeb Rally Evo ist ein ebenso umfangreiches wie kompetent gemachtes Rennerlebnis für Profis und Einsteiger. Und doch ergeht es dem Spiel wie der Konkurrenz des Namensgebers im wahren Leben: Obwohl man fast alles richtig macht, reicht es am Ende nur für einen zweiten Platz.