Es machte Bang Boom Bang, als Saints Row: The Third 2011 mit seiner exorbitanten Abgedrehtheit, Kreativität und grenzenlosem Humor überraschte. Dieser dritte Teil hat die Messlatte für einen Nachfolger immens nach oben geschoben. Und der steht nun mit Saints Row 4 auf der Matte, um ein erneutes Ultimo an unbezähmbarer Durchgeknalltheit in die Gamer-Wohnzimmer zu bringen. Zwar setzen die Entwickler auf viel Altbewährtes, doch die Open-World-Action birgt einige durchgreifende Neuerungen. Trotz allem wird man mit den 3rd Street Saints auf eine Reise geschickt, die man so schnell nicht vergessen wird.

Darum geht’s:

Der Anfang – eine Rakete, Aerosmith-Armageddon-Mucke, eine Explosion und der Fall vom Himmel direkt in den Stuhl des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Und wenn man schon einmal auf diesem sitzt und es sich so ganz gut leben lässt, bleibt der Anführer der Saints direkt dort kleben und übernimmt das Amt des Staatsoberhauptes. Kurz vor dem Ende der ersten Amtszeit schlägt das Hochgefühl der Saints jedoch schlagartig um. Denn das bösartige Alienimperium um Anführer Zinyak sorgt für Ärger auf dem Blauen Planeten. Die Erde, besser gesagt die altbekannte Stadt Steelport, wird angegriffen. Trotz des Widerstandes werden die Saints geschlagen, auch der Präsident. Nach einem K. O. wacht er plötzlich in einer Welt im 50er-Jahre-Stil auf. Kaum hat man sich aus diesem sonderbaren Ort herausgekämpft, landet man wieder in der Metropole Steelport. Doch statt der altbekannten Heimat empfangen einen die Alien-Invasoren, die sich mittlerweile die Stadt unter den Nagel gerissen haben. Zu allem Überfluss ist Steelport nicht mehr die Wirklichkeit, sondern eine Matrix. Nun heißt es also, die virtuelle Stadt zu säubern, die verschleppten Team-Mitglieder zu befreien und die Heimat wieder in die Realität zu führen.

Das ist gut:

Saints Row 4 macht in puncto Größenwahn und Beklopptheit genau dort weiter, wo der Vorgänger aufgehört hatte. Vor allem die Story um die Saints, gefangen in einer Matrix, ist wirklich gut geworden. Sehr abgespaced, aber das passt gut zum eh schon liebenswert bescheuerten Anzug der Spielereihe. Sehr schön sind auch die vielen Parodien bekannter Spiele. Wirklich viel Gaudi bringen zudem sämtliche Herausforderungen und aberwitzige Minispiele. Vom Vandalismus mit Panzern, UFOs oder der Spielfigur selbst als lebender Puppe, über Fight Clubs, Sprint- und Hüpf-Herausforderungen oder Rennen mit Tron-Bikes – die Vielseitigkeit findet man besonders in diesen Inhalten. Komplett neu ist das Spielelement der Superkräfte, mit denen man Supersprints- und –Sprünge vollführen kann. Oder Gegner mit Feuerbällen oder Telekinese traktieren. Das gefällt, birgt aber auch Probleme. Darüber hinaus sind Inhalte wie die Individualisierung des Charakters, die Waffenauswahl, die bis zur irrwitzigen Dubstep-Knarre reicht und der coole lizenzierte Soundtrack weitere Highlights.

Das ist schlecht:

Doch über Steelport scheint nicht nur die Sonne. Im Schatten fällt vor allem die altbackene Grafik auf, die zwar nicht die tolle Atmosphäre torpediert, aber Grafik-Fans nicht sonderlich erfreuen wird. Einer der größten Negativpunkte ist allerdings die Einführung erwähnter Supersprints und Sprünge: War es im dritten Teil cool, mit den zahlreichen Karren, Fluggeräten oder Bikes durch die Stadt zu rasen, geht dies dem Spiel total ab. Da man durch die extrem schnelle Fortbewegung mit den Superkräften eben nicht mehr auf einen fahrbaren Untersatz angewiesen ist. Sicher besteht die Option, sich Autos unter den Nagel zu reißen und seinen Fuhrpark zu vergrößern, aber mehr als ein Gimmick ist das nicht. Ansonsten fallen die insgesamt coolen Storymissionen dann und wann schon mal etwas negativ auf, was die Kämpfe betrifft, da im Durchschnitt zu viel und recht monoton durch die Gegend geballert wird.

Auch im vierten Teil sorgen die Saints wieder für jede Menge derben Humor, tiefschwarze Ironie, verrückte Action, etliche Herausforderungen und Spielstunden ohne Ende. Zwar mit einigen Abstrichen in der B-Note, aber insgesamt bekommt der geneigte Fan oder Neueinsteiger ein herrlich ausgeflipptes, augenzwinkerndes Actionspielhighlight geboten, das einmal mehr Popkultur durch den Kakao zieht und den Testosteronspiegel in die Höhe treibt. Ergo: Bang Boom Bang, werte Männer! Zugreifen!